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FreeBSD Zukunft - systemd, nosh, ...?

Dieses Thema im Forum "FreeBSD - Allgemein" wurde erstellt von ServerSide, 16 März 2017.

  1. ServerSide

    ServerSide New Member

    Registriert seit:
    16 März 2017
    Beiträge:
    2
    Hallo.

    So, mein erster Beitrag hier im Forum und direkt das Wort "systemd" erwähnt. :-)
    Übrigens ein schönes, minimales, modernes Forum. Gefällt mir!

    Disclaimer: Ich benutze im Moment für meinen Server Debian8 und bin damit happy. Auch bin ich mit systemd wirklich zufrieden. Ich lasse z.b. meinen gunicorn per systemd verwalten. Einfach ein kurzes *.service file schreiben und fertig.

    Auf meinem privaten Desktop benutze ich Arch und bin auch damit zufrieden, habe aber keine Planungen Arch auf dem Server einzusetzen. Ich kann mich aber noch an die Zeiten erinnen, in denen mein Arch noch eine /etc/rc.conf hatte. Ein wenig Vertrautheit spüre ich bei FreeBSD also schon. :-)

    Bisher habe ich noch gar keine Erfahrung in Sachen FreeBSD, finde das ganze Konzept aber sehr interessant
    Grund: Die allgemein hohe Sicherheit und das jails-Konzept. (Ich möchte FreeBSD auf meinem Server (Django-Webapp) benutzen.)

    Allerdings habe ich ein paar Fragen:

    1. Wie sieht es denn z.B. mit "nosh" aus. Das sollte ja angeblich die FreeBSD Version von systemd werden. Alles was ich im Internet dazu finde ist die mailing-liste und veraltete Foreneinträge. Wie ernst nimmt man dieses nosh Projekt denn? Ist ein neues Init System denn überhaupt bei den meisten FreeBSDlern gewünscht? Bei den Linuxern war es damals ja teilweise recht hysterisch. (ICH hingegen, bin mit systemd sehr zufrieden)

    2. Wie ist denn der aktuelle Stand Pakete per pkg vs ports zu installieren? Mir wären Binärpakete definitiv lieber. Ich nehme an, dass die Mehrheit sicherlich pkg verwendet? Liege ich da falsch? Und wie gut reagiert FreeBSD auf das vermischen von ports und pkg? Nicht dass ich das vorhätte, aber es interessiert mich einfach.

    3. Worin liegen die "größten" Unterschiede zwischen einer Linux und FreeBSD Server-Administration? Ein "adduser" dürfte sicherlich genauso funktionieren wie auch unter Linux, aber vielleicht können ja erfahrenere Umsteiger von Ihren "Problemen" berichten.

    4. Gibt es irgendetwas was Ihr vom Umstieg Linux->FreeBSD vermisst? Gibt es irgendetwas was Ihr vom Umstieg FreeBSD->Linux vermisst?

    Danke schonmal für Eure Beiträge!
     
  2. Yamagi

    Yamagi Possessed With Psi Powers Mitarbeiter

    Registriert seit:
    14 April 2004
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    Schleswig-Holstein
    Du hast Jehova gesagt! Abseits aller Diskussionen, aller Hysterie und allem Wahnsinn ist die Wahrheit in Sachen systemd ganz einfach:
    1. nosh, launchd, relaunchd, OpenRC-Portierunge, s6, etc. sind alles vollständig externe Projekte und keiner Weise irgendwie "offiziell".
    2. Es gibt derzeit weder eine Diskussion noch konkrete Arbeiten rc gegen ein anderes System zu ersetzen.
    Das heißt natürlich nicht, dass rc für alle Ewigkeiten als Init-System festgenagelt ist. Derzeit sind dort aber keine Änderungen zu erwarten.
     
    CrimsonKing gefällt das.
  3. foxit

    foxit Moderator Mitarbeiter

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    Hallo und willkommen

    Hier meine persönlichen Aussagen und Erfahrungen:
    Da gibt es so einen Spruch: Das kannst du schon so machen aber dann ist es halt kacke! Mit poudriere und synth gibt es da Buildsysteme welche dir das anpassen der Ports erlauben. Du baust dir damit ein eigenes Repository zusammen. Vorteil: Auf dem Zielsystem landen nur Pakete welche du aber optimal an deine Bedürfnisse anpassen kannst.
    Die Befehle lauten anderst.
    Linux->FreeBSD:
    • Clusterfilesysteme wie OCFS oder GFS2
    • Ceph
    • Docker (ja doch)
    • Cloud Lösungen wie Cloudstack oder OpenNebula welche FreeBSD als Host nutzen können

    FreeBSD->Linux:
    • ZFS und Snapshots (beadm)
    • Die Trennung Basissystem und Pakete
    • Das einfache anpassen von Software/Pakete
    • Der einfache Aufbau des Systems
    • Die sehr gute Doku/man pages
    Schön finde ich auch, dass man bei *BSD nicht jedem Trend hinterher läuft, sondern mal schaut ob es sich bewährt.

    Gruss
     
  4. zuglufttier

    zuglufttier Well-Known Member

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    2 November 2004
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    Ostfriesland
    Wenn es um einen reinen Serverbetrieb geht, würde ich nur schauen, ob alle Programme als Port bzw. Package vorliegen und einfach loslegen. Ich denke, dass dann Themen wie WLAN, 3D Grafik und Videobeschleunigung unwichtig sind. Das sind eben die Themen, die öfter mal Ärger machen.

    Ports und Packages lassen sich eigentlich ganz gut mischen, wenn man ein paar Dinge beachtet. Dabei sollte man es aber nicht übertreiben. Ich habe meistens 99% Packages installiert und nur bei ein paar Sachen dann mal ausnahmsweise einen Port, das ist überschaubar und wenn ein Fehler kommt, weiß man woran es liegen könnte.

    Die Vorteile von FreeBSD siehst du dann bei der Arbeit :D Hier und da muss man ein paar mehr Schritte gehen, weil vielleicht ein Programm keine fertige Konfiguration mitgeliefert bekommen hat oder diese einfach nicht standardmäßig aktiviert ist.
     
  5. medV2

    medV2 Member

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    15 März 2017
    Beiträge:
    58
    Ich benutze auf meinen System großteils pkg aber auch immer mal ports. Macht keine Probleme, bei updates sollte man es aber schon im Hinterkopf haben, bzw. bei betrieblichem Einsatz auch gut dokumentieren.

    Die BSD Tools haben teilweise andere Options und auch Funktionen, da muss man sich etwas umstellen. Zur Not kann man aber auch die gnu-utils nachinstallieren (würde aber an deiner Stelle bei den BSD Varianten bleiben, großteils sind sie besser wenn man sie erstmal kennt).

    Auf BSD vermisse ich immer /proc und /sys, Ansonsten hast du keine Probleme, wenn du für deine Aufgabe das richtige System nimmst. Für Clustering und Co nehme ich z.b. immer noch sehr gerne CentOS mit dem rhel Clustermanger.

    Unter Linux vermisse ich regelmäßig zfs, jails, klare Trennung zwischen System und Userland.

    Ein weiterer pro BSD Punkt: Sehr Wartungsarm (Updates, Neustarts,..)
     
  6. -Nuke-

    -Nuke- Well-Known Member

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    25 Juli 2004
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    1.082
    An FreeBSD mag ich auch ZFS und die Jails. Ich setze FreeBSD hauptsächlich als Web- und Fileserver ein, gerade aufgrund der zwei Sachen. Leider ist FreeBSD nicht für alle (meine) Server geeignet, da bhyve gerade erst aus den Kinderschuhen heraus gekommen ist und einige Ports wie Samba als Active Directory oder Java unter FreeBSD gerne mal Ärger machen. Auch für Sachen wie Collabora Online Office in Verbindung mit NextCloud braucht man wohl Linux, da Collabora Online nur als Docker Container ausgeliefert wird. So ein "Ready-to-Run" ist was anderes. NextCloud läuft zwar problemlos unter FreeBSD, aber hat hier und da mal ne Fehlermeldung mehr weil es versucht Linux-Zeugs auszulesen. Zum Glück nur Minor-Kram.
     
  7. CrimsonKing

    CrimsonKing Systemzerstörer

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    1.525
    Raus! :belehren:

    Vorsicht: Sicherheit bei Webanwendungen ist in den wenigsten Fällen etwas, wofür dein Betriebssystem was kann, abgesehen von grandiosen Dingen wie den Debian-OpenSSL-Problemen und längst veraltetem Ranz im Repository.

    Also ich bin ja einer von diesen Unbelehrbaren, die "es läuft" mit "es muss nicht weg" gleichsetzen. :rolleyes: Sollten sich andere Systeme auch mal aneignen.

    Ich benutze ausschließlich Ports für alles. Dauert zwar alles immer ein bisschen länger, aber ich mag Spielereien wie "gegen LibreSSL statt OpenSSL linken" und "X11-Abhängigkeiten auf dem Server weglassen", was nicht immer über pkg lösbar ist. (Außer, man baut sich sein eigenes Repository und muss dann halt trotzdem alles selbst kompilieren.)

    FreeBSD geht beim Systemupdate nicht kaputt. (Eigene Erfahrung.)

    Dank dieses Forums hier: Nein. :)
     
  8. pit234a

    pit234a Well-Known Member

    Registriert seit:
    8 Juli 2006
    Beiträge:
    3.251
    Ich möchte mal nicht über Server reden, sondern über Desktop-PCs.
    Als ich anfing mit FreeBSD, stolperte ich eher zufällig darüber und konnte nur dank der Hilfe in diesem Forum die Installation bewältigen und grundsätzlich meine Systeme als Desktop betreiben. Damals vermisste ich gar nichts aus der Linux-Welt, in FreeBSD gelang mir sehr viel mehr und was ich anfing war besser dokumentiert und verlässlicher umzusetzen.
    Hätte ich damals Arch-Linux gefunden und dort ebenso ein nettes und hilfsbereites Forum in Deutsch, würde ich heute vermutlich kein FreeBSD nutzen.
    Es gab damals wahrscheinlich noch nicht mal Ubuntu oder vielleicht eben erst in den Kinderschuhen und Debian war damals mit ziemlich alten Paketen versehen und die waren oft nicht erreichbar.
    FreeBSD war für mich einfach besser, weil es für mich da war und funktionierte.

    Computer sind aber kein Hobby von mir und bei FreeBSD musste ich im Laufe der Jahre schon ziemlich viel investieren, um den Umgang damit zu lernen. Deshalb dachte ich vor einiger Zeit, dass Ubuntu (mehr oder weniger zufällige Wahl) besser für mich ist und ich dort glücklicher werde.
    Um einige Wochen Irrweg kurz zu beschreiben: es passte gar nicht zu mir und ich entschloss mich, neu mit FreeBSD zu starten. Also, anstatt mein damaliges System weiter zu upgraden, verließ ich den Toten Zweig 7.4 und startete neu mit einer Installation von 10.2 auf dem gleichen PC und diesmal ausschließlich mit Paketen, wie ich das ja von Ubuntu gelernt hatte.
    Um es wieder kurz zu machen: ich bin damit wirklich glücklich!
    Ich wollte früher auch immer alles als Port bauen, wegen Performance usw und auch wegen einiger Dinge, die ich partout nicht wollte. Auch heute noch meide ich Pulseaudio, aber ich bin insgesamt gelassener und erfahre, dass ich gar keine Probleme mit den Paketen habe und alles wunderbar funktioniert, was bei meinen Eigenbauten nicht immer so war. Mit Schmerzen denke ich noch an LibreOffice, wenn es nach zwei, drei Tagen endlich fertig gebaut hatte und dann nach dem Start sofort wieder kollabierte.
    Heute brauche ich nur zwei Ports und nehme alles andere aus den Paketen.
    Ich sehe deshalb bei mir keinen Unterschied in der Zuverlässigkeit und Einfachheit des Systems, also bezüglich der third-Party-SW, gegenüber einem Ubuntu.

    In einem Ubuntu kann ich auch den Kernel wechseln, also quasi im laufenden System (beim nächsten Boot ist er dann aktiv).
    FreeBSD kennt das nicht. Hier gehört "Kern und Unix" zusammen. Das hat wiederum einen eigenen Charme, es ist solide. Solide ist halt nicht so flexibel, aber ich mag es irgendwie mehr.
    GNU ist für mich "das Beste Unix", aber an eine bash habe ich mich nie gewöhnt. Es gibt viele Tools in GNU, die in FreeBSD nicht oder anders und zwar meist abgespeckt enthalten sind. Manche Dinge von GNU sind in FreeBSD eingeflossen. Aber Dinge wie den /proc (den es bei FreeBSD zwar geben kann, von dem man aber nichts erfährt) oder hdparm oder (g)parted oder die mount-option -loop für iso-images oder das -R bei cp, die vermisse ich schon gelegentlich unter FreeBSD. Auch awk, aber besonders sed funktioniert manchmal anders.
    Dafür kann FreeBSD Linux, wenn dazu Bedarf besteht.
    ZFS ist ein ganz großer Pluspunkt bei FreeBSD, aber ehrlich, BTRFS ist auch ziemlich cool und "indirekt" kann Linux auch ein wenig ZFS.

    Besonders in Ubuntu empfand ich, dass die Entwickler sehr pragmatisch sind. Hauptsache, etwas geht irgendwie, wenn dazu auch ein "schlimmer" Hack nötig ist. So wird einem auch direkt angeboten, unfreie SW zu installieren (man muss sich aber dazu entschließen). Besonders viel Aufwand wurde gerade wegen systemd dort getrieben, weil Ubuntu schon ein eigenes System am entwickeln war und als ich mir das anschaute, da gab es dann quasi drei unterschiedliche und ineinander verschachtelte Systeme und von Übersicht und Durchblick war da keine Spur mehr. Erstaunlich, dass das alles überhaupt lief. Und ich fragte mich stets, wozu? Sicher, init oder das rc System ist alt. Aber es ist übersichtlich und gut anzupassen. Es ist kein Geheimnis. Und: es spielt doch nur beim Booten eine wirkliche Rolle und wie oft mache ich das schon? Main FreeBSD PC läuft eigentlich immer, da spielt doch das init System keine große Rolle. Es funktioniert, ich verstehe es, was will ich mehr?
    Natürlich, auf mobilen Geräten, da sieht das alles wieder ganz anders aus und vielleicht geht der Trend dazu, Embeded Systeme zu etablieren. Wo niemand mehr irgendwas drehen kann und einfach nimmt, was er bekommt. Damit fallen die Init-Systeme hier auch quasi weg, bzw, ob ich sie verstehen kann, spielt dann ja keine Rolle mehr.
    FreeBSD ist da nicht auf der Höhe der Zeit, kann nicht mit bahnbrechenden oder wegweisenden Entwicklungen oder Ideen glänzen.
    Auf meinem kleinen Netbook bin ich froh, wenn einfaches Suspend gelingt, bzw das Aufwachen. Auch die Stromsparfunktionen sind bei FreeBSD nicht nennenswert implementiert. Wenn ich mir meinen alten Mac-Book ansehe, den ich nun gerade benutze, dann ist das einfach nicht vergleichbar, was der in dieser Hinsicht schon alles drauf hat und was heute ja eher selbstverständlich sein sollte.
    Nein, bei FreeBSD funktioniert eher nichts selbstverständlich.
    Vieles kann man vielleicht hinbekommen.
    Vielleicht aber auch nicht.
    Mir gefällt das sehr gut, weil eben nicht irgendwas irgendwie hin-geschustert wird, damit ein Endanwender mit seinem Netbook glücklich werde.
    FreeBSD ist groß und schwer und wird deshalb langsam und mit ziemlich viel Bedacht entwickelt. Manchmal sehr zäh. Geradezu stur. Irgendwie, wie ich selbst. Vielleicht. Es scheint jedenfalls gut zu mir zu passen, besser als Ubuntu es tat.
     
  9. Lance

    Lance Member

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    364
    Ich kann auch nur vom Desktop sprechen und ich bin auch kein Hardcore/Poweruser. Habe zwar viel Erfahrung mit vielen Betriebssystemen und auch Linux-Distros aber gehe idR nicht so in die Tiefe.

    Bei FreeBSD schätze ich zum einem dass ich, um es überhaupt als Desktop benutzen zu können gleichzeitig einiges gelernt hatte, auch dank des Forums hier.
    Aber vor allem sein Aufbau, seine Stabilität (Updates laufen schnell und problmelos bislang, KDE läuft sauberer denn je, hatte das bei Linux-Distros so nicht erlebt) und das ZFS-Dateisystem sind ein grosses Pro-Argument. Die Dokumentation finde auch ich sehr gut. Und ich musste mich auf Desktopseite fast gar nicht umstellen von 10.3 auf 11.0 (alles nahezu das gleiche bzgl Installation und Einrichtung).
     
  10. Athaba

    Athaba Libellenliebhaber Mitarbeiter

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    FreeBSD hat ein RC-System. Das ist nicht wie init.d, sondern von der Bedienung eher wie ein featureärmeres/simpleres OpenRC. Das heißt auf Depenencies und ähnliches musst du nicht verzichten. Auch coole Sachen wie, "service netif cloneup" oder "service netif restart wlan0" sind möglich, genauso wie ausgeklügelte Konfiguration in der /etc/rc.conf. Man könnte denen also auch so Sachen, wie konfigurierbares Auto-Restart und so weiter verpassen.

    Ich erwähne diese Dinge nur, weil ich einige Leute von Linux kommen habe sehen, die nach einer ganzen Weile noch davon ausgingen, dass es quasi das Linux init.d ist. Kurzum, es gibt ein paar mehr Features als init.d und ein paar Möglichkeiten, die systemd überhaupt nicht bietet.

    Unter anderem Deshalb gibt es bis auf parallele Starts von Services eher weniger Themen, die FreeBSD-Devs und FreeBSD-User genug nerven und eben Features, die man mit einem systemd-Klon verlieren könnte.

    Die Meinungen zu systemd gehen in der Community auseinander, und man findet alles von systemd kopieren, portieren, eine bessere Version schreiben über andere init-System nutzen alles finden. Sowohl TrueOS, als auch Gentoo/FreeBSD (wofür OpenRC ursprünglich entwickelt wurde) bieten dir funktionierende Systeme mit OpenRC.

    Den Rest kannst du in den Threads zu systemd lesen. Mein Tipp generell. Schau dir rc.d genauer an und vielleicht gefällt es dir ja ohnehin besser. Wenn nicht bist du aber auch nicht allein. :)

    Ohne dir jetzt von FreeBSD abraten zu wollen möchte ich doch erwähnen, dass Alpine im Grunde genau das hat (im Hintergrund auch OpenRC). Nur für den Fall, dass es aus irgendeinem Grund doch Linux sein muss.

    Ansonsten schau dir mal /etc/default/rc.conf an. Da hast du alle Optionen drin. Einzelne Skripte zu begutachten ist auch interessant. Eine Erklärung zu den RC-Scripts gibt es hier. Nur für den Fall, dass du mitentwickeln willst oder für deinen Server ein RC-Script schreiben willst.

    Zunächst einmal sind Ports und Packages ungefähr das was unter Arch abs und packages sind. Das heißt das Eine wird durch das Andere gebaut. Oder falls du AUR verwendest, genau das, nur eben über ein großes Makefile-System.

    Im besten Fall passen Packages für dich, dann kannst du es quasi genau so wie mit Pacman nutzen. Genauso, wie unter Arch werden Services nicht einfach neu gestartet und bei ein paar Ports/Packages ist es so, dass du die Messages beachten solltest. Das ist vor allem dann der Fall, wenn es unterschiedliche Arten gibt das konfigurieren oder die das Paket einfach nicht dazwischenfunken will. Im Schnitt noch ein weniger als unter Arch.

    Es gibt mehr Unterschiede als man zumeist denkt. Vieles davon ist zuerst eher mühsam und dann versteht man mal warum und dann ist es eher schlau. Aber bedenke einfach immer, dass es ein anderes Betriebssystem ist und damit einfach anders funktioniert. Wenn man mal ein paar Distributionen genutzt hat sieht man FreeBSD oft einfach als eine Andere und wenn was anders geht denkt man, es ist nur oberflächlich anders, wenn es häufig (wenn auch nicht immer) gute Gründe gibt.

    Eines der ersten Dinge, die dir auffallen werden sind Linuxismen. Vor allem, dass viele für ausschließlich Linux gebaute Scripts als Shebang /usr/bin/bash, /usr/bin/perl, usr/bin/python etc. haben. Die werden alle nicht funktionieren. Wenn du sie (nur) für FreeBSD nutzt kannst du /usr/local/bin/foo machen, aber in den meisten Fällen willst du sowas wie "/usr/bin/env python", und im Fall von Bash manchmal /bin/sh was einfach eine POSIX-Shell ist. Sowas wie ash unter Debian.

    Am Server nicht, am Desktop am ehesten noch Games/Steam. War früher mal mehr.

    Falls dich Container/Docker interessiert, weil das jemand anders erwähnt hat. Google nicht einfach nach Tutorials, die häufig veraltet sind, sondern schau dir jail(8) oder, wenn du ZFS nutzt iocage an.

    Wenn du Ports nutzen willst schau dir auf jeden Fall poudriere an. Das ist einfacher, als es sich anhört und eines der ersten Dinge, die man auf einem Server tun kann. Ports direkt zu verwenden würde ich eher weniger empfehlen, weil man da leichter mal einen Blödsinn macht. Sowas wie einfach den Server nächtlich update/builden lassen ist prima.

    Noch ein Tipp für Server: Stell in /etc/mail/aliases den root und eventuell nicht-privilgierte User auf einen alias zu deiner E-Mail-Adresse. Damit siehst du, falls es etwas berichtenswertes gibt. Dabei den Hinweis newaliases auszuführen nicht vergessen. Du brauchst dich im Normalfall nicht um die sonstige Mail-Konfiguration kümmern.

    Und nur um's nochmal gesagt zu haben. Das Wichtigste denke ich ist, dass man sich klar darüber wird, dass es nicht Linux ist. Daraus ergibt sich, dass Dinge anders sind und zwar mal ohne einer Aussage, ob besser oder schlechter, nur eben mehr anders, als unterschiedliche Linux-Distributionen. Das kann oft schwierig sein, weil man es oberflächlich nicht bemerkt. Mein Desktop schaut absolut gleich wie mein Linux-System aus, das ich nur noch für Steam verwende und ab und hab auch deshalb schon ein paar mal uname eintippen müssen.

    Trotzdem können die Unterschiede riesig sein und wenn man mal "watch" oder ähnliches eintippt oder netstat und anderes nutzt wird einem das schnell klar. Zuerst fällt einem immer auf was fehlt oder vermeintlich schlechter ist und wenn man dann doch mal die man page liest oder sonst irgendwie drüber stolpert ärgert man sich jedes mal wenn man an einem Linux-System sitzt und Dinge unglaublich umständlich oder buggy erscheinen. Man muss ein System einfach mal länger tatsächlich und "produktiv" verwenden, sonst ist das ein wenig, wie beim Umstieg von Windows, nur dass es bei Linux zu FreeBSD oder umgekehrt einfach nicht so stark sichtbar ist, was es manchmal schwieriger macht sich umzugewöhnen. Wenn bei einem Befehl die Flags anders sind, dann lernt man zunächst mal den Ersatz und erst später, was man noch alles cooles damit machen kann.

    Ansonsten trau dich zu fragen und wenn jemand meint, dass du die Man Page lesen sollst ist das eher als freundlicher Hinweis gemeint, weil die oft viel mehr helfen, als eine kurze Antwort. Auch wenn die Qualität variiert liegt generell ein großer Fokus auf guter Doku.

    Viel Spaß noch! :)
     
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  11. Kamikaze

    Kamikaze Bottom Poster Mitarbeiter

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    Parallele Starts mit rc sind da schnell reingehackt. Das mache ich Dir an einem Wochenende. Aber das haben andere vor mir schon getan.

    Der Grund warum das nicht im System ist, ist der dass das System dann nicht mehr deterministisch (in der immer gleichen Reihenfolge) startet. Man kann sich also nie sicher sein, ob wegen einer fehlenden Dependency eventuell beim 129. Boot was deadlockt. Ohne Parallelisierung kommt das System immer gleich hoch. Das heißt wenn es einmal klappt, weiß man das es geht.
     
  12. Athaba

    Athaba Libellenliebhaber Mitarbeiter

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    Klar, wenn du zwei Sachen parallel startest, dann kann das Eine das Andere überholen. Und klar, dass kann Seiteneffekte haben. Deterministisch würde ich den Systemstart aber schon so nicht nennen. Man denke allein ein DHCP, aber auch sonst Services die beim Boot einen State laden. Natürlich ist mir klar was du meinst. Mehr lose Teile ist mehr, was schief gehen kann.

    Aber mir ging's darum, dass das Thema immer mal wieder aufkommt und dass die TrueOS-Leute meinen, dass das eines der Dinge ist, die sie an OpenRC mögen. Und generell ist das ja was, was unter Systemd gern vermarktet wurde, auch wenn der schnellere Boot, den manche Leute dort erwähnen auch mit Umsteigen auf SSD oder schlicht der Reduktion von aktiven Services erklärt werden kann.

    In den meisten Fällen ändert das aber ohnehin für Server wenig. Ein Server bootet nicht oft und wenn er Down ist hat man hoffentlich einen Backupserver, wenn's was tatsächlich kritisches ist. Und auf ein paar Sekunden kommt's da wenig an.

    Am Desktop ist das parallelisieren gerade für WLAN und DHCP nett, weil sich da das System mitunter langweilt. Ich fand da das System das Arch Linux früher mal hatte nicht schlecht. Das war eine Liste von Service/Daemon-Namen, die nacheinander abgearbeitet wurde und man konnte mit einem Prefix sagen, ob es parallel starten darf. sobald irgendwas als synchron definiert war das quasi ein Synchronisierungspunkt. Fand ich eine ganz nette Idee. Allerdings lag es dann in der Verantwortung des Admins keinen Unfug und keine Race-Conditions zu machen. Ist halt nicht gerade auf Robustheit ausgelegt gewesen, aber die Idee das so zu machen war doch recht interessant.

    Wollte aber echt nicht drüber diskutieren. War nur eine Antwort auf die Frage, wie die Leute so zu systemd stehen und da hab ich einfach wiederholt, was mal auf BSD Now gesagt wurde bzw. was einfach ab und an in der Community aufkommt. Es gibt eben unterschiedliche Meinungen zu dem Thema. Persönlich ist mir relativ egal, ob das RC-System parallel ist oder nicht, solang die von dir erwähnten Dependencies passen, was ich nicht für unmöglich halte und ohnehin jetzt schon so sein sollte, damit man nicht bei einem Update oder zusätzlicher Software Probleme bekommt..

    Achja, generell sollte man trotzdem schauen, dass die Dependencies in den RC-Scripts korrekt sind. Gab ja zuletzt mal einen Bug mit Swap Late und Swap Files beim Herunterfahren. War wenn ich mich recht erinnere sogar ein Race darum ob die Swap geleert und umnounted ist, bevor das Filesystem auf dem das Swap File liegt umounted wird. Hab jetzt aber nicht mehr die Details im Kopf.
     
  13. pit234a

    pit234a Well-Known Member

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    Da möchte ich mal an der Stelle einen anderen Weg vorstellen, wie ich das in Ubuntu vorfand (es gibt dort auch andere Möglichkeiten). Und zwar, dass ein eigener Dienst sich um das Netzwerk kümmert, nachdem ein User sich eingeloggt hat. Der User hat (natürlich je nach Einstellung) die Möglichkeit im Betrieb das Netzwerk über diesen Dienst zu beeinflussen, sprich zu ändern und sich zB in einem neuen WLAN anzumelden und einzuchecken. Auf diese Weise wird die Aufgabe vom System weg und zum User hin verlagert.
    Man mag das auch als kaschieren betrachten, der Einlogg-Prozess wird von den meisten Usern nicht mehr als Bootzeit wahrgenommen.
    Mich hat das nachdenklich gemacht, nachdem ich es verblüfft wahrgenommen hatte.
    Vielleicht denken wir manchmal zu konservativ. An dieser Idee ist jedenfalls viel Gutes dran und sie ist für den Gebrauch vieler Rechner durch ihre User zeitgemäß und passend.

    Das sehe ich grob auch für systemd. Sehr viele Nutzer wird es ihr Leben lang nicht interessieren, welches init-System da gerade läuft. Der einfache und flotte Erfolg rückt doch immer mehr in den Mittelpunkt. Ein Anwender will sein System nutzen und betrachtet es fertig, von der Oberfläche her. systemd passt zu dieser Gruppe von Anwendern und ich denke, dass dies die Mehrzahl aller Anwender sein dürfte.
    Es ist aber gut, dass es auch noch andere Systeme gibt, denn es gibt auch noch Anwender mit anderen Ansprüchen.
    Problematisch ist doch nur, wenn systemd verpflichtend wird (direkt oder indirekt).
    Für mich selbst erkenne ich absolut keine Vorteile in systemd oder einem anderen, nach ähnlichen Kriterien aufgebauten init-System. Ich komme sehr gut mit rc oder init.d klar und vermisse da auch nichts. Egal wie, ich würde mich vermutlich immer sträuben, eine Neuentwicklung hier mitmachen zu müssen, ich sehe nicht, was verbessert werden könnte, ohne an anderen Stellen auch wieder Nachteile zu bringen.
    Mir fällt gerade ein Vergleich ein, aber ich weiß nicht, wie gut der ist.
    Wenn ich einen neuen Stiel für meine Axt brauche, kann ich in den Wald gehen, mir ein gutes Holz aussuchen, es schnitzen und zu meinem neuen Stiel bearbeiten. Die Form ist ja weitgehend durch die gewünschte Funktion bestimmt, da sind Grenzen gesetzt. Alternativ könnte ich auch in ein Geschäft gehen und mir dort einen hübschen neuen Stiel kaufen, einen aus Kunststoff. Auch der wird seine Funktion erfüllen. Der eine hat diese Vorteile, der andere jene. Mit dem Kunststoff mache ich mich abhängig von einem Hersteller, ich habe den Prozess und die Rohstoffe nicht unter Kontrolle. Beim Holz ist mir vielleicht die Arbeit auch zu doof und ich nehme dort ein fertiges Produkt. Aber ich kann es weiter bearbeiten und es für mich besser anpassen, weil ich die Werkzeuge dafür schon habe und weiß, wie das geht.
     
  14. Athaba

    Athaba Libellenliebhaber Mitarbeiter

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    Hatte das auch mal auf einem Linux und musste dann damit kämpfen, dass Dinge manchmal zur Bootzeit kein Netz hatten. Network-Dependency hatten sie alle. Ich nehme mal an, dass das ein Bug war und nicht per Design so gemeint.

    Oh je, da hab ich was angestoßen. Ups. :ugly:
     
  15. Yamagi

    Yamagi Possessed With Psi Powers Mitarbeiter

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    Schleswig-Holstein
    Bitte, bitte, bitte nicht noch eine systemd-Diskussion. Dazu ist alles gesagt, nun können wir zu ServerSides anderen Fragen zurückkommen. :)
     
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  16. goblin

    goblin Dämonenbeschwörer

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    Karlsruhe
    Ich mag an FreeBSD die saubere Trennung zwischen Basissystem (/ und /usr) und Ports/lokalen Änderungen (/usr/local). Das macht so tolle Sachen möglich wie die Kombination aus festen Releasezyklen für das Basissystem und dem Rolling Release der Ports. Außerdem finde ich es erheblich übersichtlicher, dass spezifische Startup-Skripte in /usr/local/etc/rc.d liegen und nicht mit den Dateien aus dem Basissystem vermischt werden. Das ist beispielsweise einfacher zu sichern.

    Für mich fehlt gerade auf dem Desktop eine Menge Politur, die großen Desktops werden halt nur auf Linux entwickelt und nur von einigen wenigen Freiwilligen (ein **fettes** Danke an @tcberner) auf FreeBSD portiert. Umgekehrt fehlen mir unter Linux sinnvolle und/oder schlanke Standardeinstellungen und Übersichtlichkeit im Allgemeinen.
     
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