Der Webserver der Tschernobyl Zone lief auf... FreeBSD

turrican

Well-Known Member
Vielleicht für einige von euch von Interesse:
Alex vom YT Kanal "Chornobyl Family" hatte letzens über den ersten Webserver berichtet, welcher damals in den 90ern in der Tschernobyl Zone betrieben wurde; und der lief mit: FreeBSD :D

[1]
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Was gab es denn damals eigentlich an Bomb-Proof OS im Westen und welche gab es im Osten?
Damals - in den mid-90ern als die Gruppe den Webserver erstellt hat oder damals im kalten Krieg? Und bei letzteren mehr 1960er, 1970er oder 1980er? Und was ist da eher Bombproof? Ist das nicht eher ne Hardwarefrage? :D
 
Unabhängig vom Webserver. Die sind 1978 mit dem ersten Block ans Netz gegangen und ich frage mich zum einen, was da so alles vom "PC" gesteuert wurde - die Antwort dürfte "Nix" sein. Das war alles mechanische/elektrische Regelungstechnik und später kamen dann "Computer" für Logs und Übersichten, aber nicht zur Steuerung.
Im Westen waren wohl die Kanadier die ersten, die proprietäre Systeme zur Computer-Steuerung von Kernkraftwerken verwendeten.

Der Verlauf im Ostblock war wohl auch nicht wesentlich anders. Man war fortschrittlich und hing da nicht wesentlich hinterher.

Vermutlich kann man auch heute noch NetBSD darauf in einer Standardinstallation laufen lassen. :p ;)
 
Unabhängig vom Webserver. Die sind 1978 mit dem ersten Block ans Netz gegangen und ich frage mich zum einen, was da so alles vom "PC" gesteuert wurde - die Antwort dürfte "Nix" sein. Das war alles mechanische/elektrische Regelungstechnik und später kamen dann "Computer" für Logs und Übersichten, aber nicht zur Steuerung.
Im Westen waren wohl die Kanadier die ersten, die proprietäre Systeme zur Computer-Steuerung von Kernkraftwerken verwendeten.

Der Verlauf im Ostblock war wohl auch nicht wesentlich anders. Man war fortschrittlich und hing da nicht wesentlich hinterher.

Vermutlich kann man auch heute noch NetBSD darauf in einer Standardinstallation laufen lassen. :p ;)

Also, es gibt tatsächlich einige Infos dazu - ein bisschen aus dem gedächniss.
Die Kraftwerke wurde komplett mit klassischer Regelungstechnik gesteuert, es gab de-facto kein steuerungsrelevantes digitales Regelungssystem.

Es gab aber einen Comuter der Auswertungen von einer großen Zahl an Messwerten fahren konnte. Weil die Technik aber für die 80er Jahre bereits etwas unmodern war, brauchte das System einen lauf von ich meine 10 Minuten um alle Daten zu verarbeiten.

Das war auch tatsächlich ein erhebliches Problem das mit zum Unfall bei getragen hat, mit schnelleren und besseren Informationen wie der "status" des Reaktors tatsächlich gewesen war, wäre das evtl. vermeidbar gewesen. Im Westen wurden in den 80ern bereits modernere Regellungsysteme verwendet. Einer der Kritikpunkte damals war auch das die Regelungstechnik einfach den Anforderungen eines Kernkraftwerkes nicht genügt. Die Kraftwerke waren auch generell sehr günstig gebaut und teilweise schon viele teile bei Inbetriebname defekt gewesen. Ich kann das recht gute Buch "mitternacht in tschernobyl" von "Adam Higginbotham" empfehlen.

Generell zur IT-Technik im Ostblock:
In den 50ern, 60ern gelang es teilweise anschluss an den Westen zu halten, auch bei ITTechnik. Bereits in den 70ern hinkte man technisch ziemlich hinterher. Bereits ende der 70er "schmuggelte" man westliche Chips in den Osten um diese irgendwie nachzubauen, so waren die besseren Systeme keine eigenentwicklungen sondern etwas umbastelte PDP-11 Klone mit gleich mit kopierten Unixvarianten aber auch eigenen Betriebsystementwicklungen. Später in den 80ern kamen dann noch Kopien von VAX und i8086 und i286 Prozessoren hinzu.

Das man sich die mühe machte Technik durch das Embargo zu schmuggeln um sie zu kopieren sagt denke ich schon so einiges aus.

Die Realität war aber natürlich wie immer Komplex, es gab auch spannende eigenentwicklungen, spannende bastelleien drumherum.

Ein guter Start können die Webseiten von Vereinen sein die Rechentechnik der DDR Hobbymäßig betreiben und die auch mal im vergleich zu zeitgenössischer westlicher Technik stellen, stichworte können Robotron sein. (Ich hoffe die Seiten gibts noch)

Mit NetBSD könnte es bei den Vax-Klonen gut aussehen, aber ich vermute das man einiges neu schreiben müsste da die einiges drumherum selbst gebastelt haben und sich nicht an die Standards der westlichen DEC Vaxen gehalten hat.
 
Der Computer welcher den Reaktor und die Peripherie steuerte war ein Typ "SKALA" [1], [2] aus Sowjetischer Produktion und erstreckte sich über zig Schränke, mit etlichen Mnemonic-Displays und Eingabeterminals (nicht die klassischen westlichen RS-232 VT, sondern eigene, mit VFD Zeilenausgabe und Multi-Tasten-Eingabetastatur (eigene Zifferntasten für jede Stelle)) und Ziffern-Codes für jedes Kommando und jegliche Sensorposition - welche die Operatoren größtenteils auswendig kennen mussten;

Der Computer in der großen over-the-horizon-Radar-Installation gleich neben Tschernobyl ("Duga", im Westen bekannt als "Woodpecker") war ein sowjetischer K340A, welcher installiert wurde, aber quasi nie richtig in Betrieb ging da der Reaktor-GAU dazwischenkam und die Site verlassen wurde [3];

[1] Exploring SKALA
[2] Inside SKALA
[3] Exploring K340A
 
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