Uh, vorsicht, nicht Fakten und Legende durcheinanderbringen! Eine Währung "sinkt" oder "steigt" immer relativ zu einer anderen Wertgröße. Meist orientiert man sich an als stabil erachteten Leitwährungen, aber in Zeiten wie jetzt ist das keine gute Idee, um die Wertstabilität einer Währung zu bemessen.
Bei starker Volatilität auf dem Währungsmarkt (der - das ist durchaus korrekt - ziemlich stark von "Gerüchten" (also Analysen, Zeitungsartikeln und Ratings) abhängig ist) ist es sinnvoller, eine Währung an wirklich harten Werten zu messen, nämlich an alltäglichen Bedarfsgütern (in erster Linie Nahrungsmittel, Wasser, Wohnraum, Energie). Diese haben (im Gegensatz zu anderen Währungen) für denjenigen, der sie benötigt, einen relativ konstanten Wert (wobei auch hier die Umwelt den Markt verändern kann - siehe aktuelle Preise für Streusalz und Heizöl).
Wäre also der Euro wie von Dir beschrieben im freien Fall begriffen, müssten hier die Lebensmittelpreise und Energiekosten in die Höhe schießen. Bereinigt um saisonale Effekte (Streusalz und Heizöl

) und Preiskopplungen durch Ressourcenkonkurrenz (z. B. Diesel - wenn Heizöl teurer wird, wird Diesel auch teurer, weil er in denselben Raffinerieanlagen hergestellt wird und auch in etwa dieselben chemischen Bestandteile aus Rohöl enthält wie Heizöl) ist das aber gar nicht der Fall.
Und das ist unter'm Strich eigentlich noch viel beängstigender. Der normale Mechanismus wäre: Staat pumpt Geld in den Markt => Inflation. Momentan wird wie blöde Geld in den Markt gepumpt, aber die Tendenz (gemessen an Bedarfsgütern) ist sogar eher deflationär. Das
kann bedeuten, dass sich da grade eine ganz üble Blase anstaut (und es gibt etliche Anzeichen dafür, dass es tatsächlich so ist), aber genau sagen kann das niemand, weil das derzeitige Verhalten der Geld- und Transfermärkte jeder volkswirtschaftlichen Logik widerspricht. Was sich im Moment abspielt, nimmt sich für Wirtschaftswissenschaftler (die ehrlich genug sind, es zuzugeben) so aus, wie es für einen Physiker aussehen muss, wenn entgegen jeder Erkenntnis und Logik Wasser auf einmal bergauf fließen würde.
In einem Punkt kann ich Dir aber ungeteilt zustimmen: Die derzeitige massive Erhöhung der Staatsverschuldung ist ein ziemlich böser Scherz, da (wie z. B. von der FED mittlerweile zugegeben wurde) die Zentralbanken die Schulden z. T. bei sich selbst gemacht haben. Die Zentralbanken haben Staatsanleihen emittiert und diese dann z. T. selbst gekauft, wiederum mit bereits geliehenem Geld. Im Klartext: Man hat sich bereits geliehenes Geld noch mal geliehen, damit es dann zweimal in den Büchern steht. Ein kleiner Kunstgriff, der darüber hinwegtäuschen sollte, dass die Staaten einfach das gemacht haben, was schon Monarchen zu früheren Zeiten durchgezogen haben: mehr Geld drucken, ohne dass dieses durch einen Gegenwert gedeckt ist. Früher musste man halt Bleibarren mit Goldfarbe bepinseln und in die Depots stapeln, damit es so aussah, als sei das in Umlauf gebrachte Geld auch tatsächlich durch einen garantierten Wert gedeckt. Heute macht man das eben über T-Bonds oder Bundeswertpapiere...
Ich überlasse es der Phantasie jedes einzelnen sich zu überlegen, wie lange das gutgehen kann. Wenn ein einzelner Staat so handelt, ergeht es ihm ziemlich schnell ziemlich übel (siehe Argentinien). Wenn (wie jetzt) alle Staaten auf diese Tour handeln und die großen Handelshäuser und Rating-Agenturen davor die Augen verschließen (weil sie erstens den ganzen Schlamassel verursacht haben und zweitens sofort den Währungshandel aussetzen müssten, weil
alle großen Währungen mittlerweile auf tönernen Füßen stehen) dann ist meiner Meinung nach die Katastrophe vorprogrammiert. Aber das ist nur eine Meinung; Belege dafür gibt es nicht - es gab einfach noch keinen Präzedenzfall in der Geschichte der internationalen Geldmärkte...