Ich muss dem Widersprechen, dass Solaris kein Paketsystem hat. Es hat sowohl eines. Pakete werden per pkgadd installiert und koennen z.B. per pkgrm wieder entfernt werden. Das geht soweit, dass es sogar moeglich ist, festzulegen, fuer welche Zones einzelne Pakete zugaenglich sind. Auch gibt es Gruppen von Paketen, sodass es einfach moeglich ist, z.B. Gnome mit einem einzelnen Kommando zu entfernen, inklusive aller Dependencen, sofern diese nicht noch anderweitig verwendet werden. Wie aus dem vorhergehenden Satz erkennbar ist, loest das Paketmanagementsystem auch Abhaengigkeiten auf

Blastwave liefert hier nur zusaetzliche Pakete (die alle das Prefix CSW fuer Community SoftWare for Solaris tragen), die letztenendes das "normale" Paketsystem benutzen, was Solaris mitbringt.
Fuer Solaris spricht klar ZFS sowie die gesamte Container-Sache. Bei ZFS ist es bspw. moeglich, bei einem RAID1-Array eine Platte komplett zu zerschroten, diese wird dann einfach von ZFS rekonstruiert. Container bieten den Vorteil, dass man z.B. kritische Sachen wie den Nameserver in eine eigene Zone auslagern kann, was etwa dem Jails-Konzept von FreeBSD entspricht. Allerdings mit dem Unterschied, dass man Zones auch einzelne Ordner "vererben" kann. So werden u.a. /usr und /lib standardmaessig in eine Zone vererbt (dann nennt man sie Sparse-Zone und sie ist nur wenige MiB gross). Selbstverstaendlich kann man auch in Zones das System von Grund auf neu ausstatten, das braucht dann logischerweise entsprechend mehr Platz.
Es gibt da auch noch ein weiteres Feature namens BrandZ, das ist im Prinzip auch eine normale Zone, nur eben dass in dieser ein Linux laeuft (momentan supported Sun nur ein CentOS bzw. RHEL mit 2.4er Kernel). Darauf hab ich allerdings aus Spass nur mal einen UT2004 Dedicated Server getestet, der auch ganz prima lief, mehr kann ich dazu aber nicht sagen. Die Einrichtung von Zones ist sehr einfach und schnell gemacht und meiner Meinung nach angenehmer als bei FreeBSD mit den Jails. Desweiteren obliegen die Zones nicht den selben Restriktionen wie Jails bei FreeBSD (z.B. was IPC betrifft, ohne welches z.B. PostgreSQL nicht laeuft - oder wurde das mittlerweile behoben?).
Backup von ZFS-Snapshots ist einfach per zfs send z.B. ueber SSH moeglich, das ist imho ein wirklich tolles Feature, was Wiederherstellung im "Ernstfall" auch sehr einfach gestaltet.
DTrace ist auch ein ganz tolles Feature, damit lassen sich z.B. Programme ganz genau in ihrem Ablauf zerlegen/anschauen, womit sich bspw. Race Conditions und andere unschoene Sachen sehr schnell und relativ bequem finden lassen.
Fairerweise muss man sagen, dass der Installer sowas von beschissen ist, dass man Sun dafuer treten sollte. Der Java-Installer tendiert dazu oefters zu haengen wohingegen der Konsolen-Installer zwar stabil laeuft, dann bei der Paketauswahl zwar sagt, dass da noch Deps fehlen, diese aber nicht automatisch auswaehlt und zu allem Ueberfluss auch noch die urspruengliche Auswahl ueber den Haufen wirft.
Auch laesst die Nutzerfreundlichkeit der Einrichtung des Systems z.T. etwas zu wuenschen uebrig, wobei man sich allerdings vor Augen halten sollte, dass es sich um ein Unix handelt, und wir alle wissen, dass Unix sehr waehlerisch ist, was seine Freunde betrifft
Sehr interessant fand ich, dass Treiber, die noch von Solaris 7 stammen, teilweise sogar noch auf Solaris 10 bzw. 11/Solaris Express Community Release laufen. Daran sollten sich die Linux-Leute mal eine Scheibe abschneiden :/
Live Upgrade soll auch super funktionieren, habe ich allerdings selbst noch nicht testen koennen. Das ist im Prinzip ein Binaerupdate des gesamten Systems, wobei eine bootbare Kopie des aktuellen Systems erstellt wird, updated wird und anschliessend gestartet werden kann. Wenn alles funzt, dann kann einfach das alte System mit der neuen Version ueberschrieben werden, fertig ist.
Abschliessend kann ich sagen, dass ich Solaris fuer ein sehr ausgereiftes und stabiles System halte, welches, einmal richtig konfiguriert, einem lange treue Dienste leistet und, um es so zu formulieren, auch fuer neue Ideen offen ist (DTrace, ZFS, Zones).
Okay. Das war jetzt viel. ZFS hat allerdings noch viele interessante Features mehr, auf die ich zwar gerne eingehen wuerde, aber das wuerde hier den Rahmen glaub ich etwas sprengen

Ach und damit keiner auf die Idee kommt: FreeBSD mag ich natuerlich noch immer

Und wenn erst einmal ZFS portiert ist, wirds richtig geil
Also, schoenen Abend noch allerseits,
ulrik
<e>Was ich noch sagen wollte: Was den Hardware-Support betrifft, daran wird hart gearbeitet. Z.B. gibt es mittlerweile bereits einen ndis-Wrapper, womit auch "Windows-only"-WLAN-Karten laufen sollten. Auch wird an dem Problem mit dem SATA-Controller von nVidia gearbeitet, allerdings ist Sun von dem Sch... ziemlich genervt, weil nV sich hier nicht an eine Spezifikation haelt, mit der SATA-Controller normalerweise ansteuerbar sein sollten. Hat mir auch einigen Aerger bereitet. Wenn es im BIOS eine Option gibt, den SATA-Controller von RAID auf normal umzustellen, das mal probieren, andernfalls gibts auch noch einen Kernelpatch, mit dem betreffender Controller dann funktionieren sollte.</e>