Hinkende Vergleiche

SierraX

Well-Known Member
Es ist immer das gleiche... irgendjemand gibt einen Vergleich oder ein Wort vor und alle springen drauf an...
Bekanntestes Beispiel dürfte wohl die Raubkopie oder der Software Pirat sein. Nachdem ein Raub bedeutet, das jemanden Eigentum unter gewalteinwirkung entwendet wird würde es ja bedeuten, das der Eigentümer keinen Zugriff mehr auf sein Eigentum hätte. Das mag sein wenn jemand mit einer Waffe in den nächsten Mediamarkt stürmt und dort eine DVD von einem aktuellen Film oder Software Paket mitnimmt. Aber bei dem kopieren von Filmen oder Software wird keiner mit einer Waffe bedroht und der Eigentümer des geistigen Eigentums hat immernoch zugriff auf die Basis des kopierten Gutes. Also wieso behauptet man das der Programmierer oder Film Produzenten beraubt wurden? Es ist doch eher das erschleichen einer Leistung wenn man es wirklich mit etwas vergleichen muss dann doch eher mit dem schwarzfahren.
Vor ein paar Wochen gings mal wieder um den Tatort Internet... Ein Moderator meinte zu einen "Fachmann" ... früher hat man den Kindern gesagt nehmt keine Süßigkeiten von Fremden an und steigt nicht in fremde Autos ein. Was früher die Süßigkeiten waren ist heute das Internet
hääääää? Ich hätte ja eingesehen wenn das Internet das Auto wäre... oder die Straße auf der man nicht mit Fremden sprechen soll. Aber die Süßigkeiten? Hab noch nie gehört das ein Kind mit freiem Netzzugang in eine Sexfalle gelockt wurde.
Das ist aber beides nicht der Grund zu diesem Artikel... Grund ist eine Antwort im Golem Forum da Oracle jetzt eine kostenpflichtige Version von OpenOffice heraus bringt. In etwa lautete diese... du bekommst ja auch beim Bäcker keine Brötchen umsonst... Das ist natürlich wahr aber ist das nicht auch wieder viel zu kurz gedacht?
 
Es ist spät, der Biervorrat nahezu erschöpft und der Geist umgibt sich bereits mit den ihn wärmenden Federn.... Dennoch einige wenige Worte....

Vergleiche waren, so meine Einschätzung, schon immer ein Problem. Die Grundsatzfrage ist zuerst mal was ist das Ziel eines Vergleichs?!

Ein Bildnis welches es dem Zuhörer erleichtern soll die Ausführungen verstehen zu können, selbst wenn er nicht auf dem betreffenden Gebiet bewandert ist? Dies Art des Vergleich entbehrt, meiner Meinung nach, nur allzu häufig Detailschärfe da eine Übertragung, in meist, völlig fremde, um nicht zu sagen triviale, Sachverhalte die Tiefe nicht darstellen vermögen.

Ein Vergleich welcher sich an fachlich verwandt beleckte Personen wendet ist in der Lage durch den tieferen Fachbezug einen Sachverhalt näher am eigentlichen Ziel zu beschreiben. Ist meist jedoch schwerer zu modellieren und begrenzt das Publikum auf ausgiebige Weise.

Eine Modellierung, welche ggf. nicht mehr in die Unschärfe eines Vergleichs fällt versucht meist einen spezifischen Fall fachlich deckend zu beschreiben. Dererlei ist wohl das seltenste was man in heutigen Medien anzutreffen vermag. Sowohl bedarf dieser einer tiefen Fachkenntnis und ein großes Maß an Reflexion. Speziell letztere fehlt wohl nur allzu oft.

Das Hauptproblem ist wohl, und ich bitte zu vermerken, dass alles dies nur meine persönliche und private Meinung ist, dass die Menschheit im allgemeinen zu einer Verrohung der geistigen Triebhaftigkeit geneigt ist.

Soll heißen:
- Fachmänner gibt es in den Medien nicht... Das ist so wie ein Wirtschaftsinformatiker nur bedingt ein Fachmann für IT-Fragen ist... (Entschuldigen aber wer "Excel programmiert").
- Die Gesellschaft befasst sich mit Fragen wie "Darf der zu Gutenberg mit seiner Frau zu so nem dappigen Interview?!" (Diese Diskussion zeigte mir wie der "Dosenpfand" einst wo unsere Politik steht.... Unglaublich... Jeder der sich mit SOLCHEN "Problemen" befasst und dennoch klagt... Da fällt mir nix mehr ein).
- Der Mensch will nicht mehr denken oder bekommt es langsam aber sicher abgewöhnt. Langsam bin ich nicht mal mehr sicher ob das nicht gewünscht ist (Brot und Spiele). Mein Gott schaltet mal nachmittags das TV ein... Das ist ein Verbrechen am menschlichen Verstand! Beispiele gibt es derer leider zu viele (Amerikanische Urteile, TV-Shows, "elektronische Hilfssysteme", Winterreifenpflicht).

Nun ja... Punkte gäbe es hier noch eine Vielzahl welche aufzuzählen mir die Gedanken ermüdet.

Leider gibt es heute kein journalistisches Medium mehr welches ich als "seriös" anzusehen im Stande bin.

Kennt jemand den Film "Idiocracy"?
 
Vergleiche sind meiner Meinung nach eigentlich nur zur Satiere geeignet. Alles andere beinhaltet die Meinung des Autors wie er zur Sache steht. (Siehe "Raubkopierer", "Softwarepiraten" aber auch "Open-Source-Evangelist" ...) . Steht der Autor positiv zur Sache wird er logischerweise ein Beispiel wählen welches die Sache gut darstellt. Hasst er eine Sache wird er sie verteufeln.

Beim Software oder Musik download (oder Raubkopiern, Saugen, Softwarepiraterie, ... es darf sich jeder die für ihn am besten passende Bezeichnung aussuchen) habe ich so meine Probleme mich zu entscheiden ob es richtig ist oder nicht.
Vor allem bei Musik: Ettliche Bands stellen ihre Musik frei zugänglich bei Youtube rein - klagen aber wenn man sich den Song als mp3 runter lädt. Kling für mich irgendwie paradox ... aber bitte, sie müssen ja wissen was sie tun.
Wie seht ihr daS?

"du bekommst ja auch beim Bäcker keine Brötchen umsonst... Das ist natürlich wahr aber ist das nicht auch wieder viel zu kurz gedacht?" ... wie meinen zu kurz gedacht oder nicht?
 
Solche Namen sind ein toller politischer und psychologischer Trick. Beobachtet das mal... das spricht das "dumme Volk" aber total an, die dann plötzlich zu Möchtegernexperten mutieren. Grenzt aber auch oft an künstlerischer Begabung, so etwas zu entwickeln.

Es funktioniert in eine Richtung... nämlich in die lächerliche... wie bei "Raubkopie" oder "Killerspielen" oder aber auch in die andere, siehe "Nacktscanner". Jetzt versuchen die Leute es ja mit "Ganzkörperscanner" verzweifelt zu retten.

Ist witzig das alles mitanzusehen, die billigen Taschenspielertricks durchzuschauen und die ganzen gehirnlosen Lemminge mitleidig zu beobachten.
 
>Vor allem bei Musik: Ettliche Bands stellen ihre Musik frei zugänglich bei Youtube rein

"Zwei bis drei" Songs in der Regel, vielleicht Live noch ein wenig mehr, sozusagen als Anreiz. Auf der anderen Seite werden ganze Alben teils verlustfrei angeboten. Wenn man mir etwas für lau anbietet, nehme ich es u.U., anderenfalls lasse ich die Finger davon. Ist das so schwer? Ich sehe keinen Sinn darin irgendwelche Leute auf fantastische Summen zu verklagen, andererseits ist ein fehlendes Unrechtsbewußtsein auch keine Legitimation für hemmungsloses Kopieren.

Das ist die Arbeit anderer Leute, diese wollen entlohnt werden. Wieviel ist deren Sache in einem freien Land, es ist auch deine Sache diese zu ignorieren. Du machst eine Arbeit, du möchtest dafür entlohnt werden - bingo. Vielleicht machst du die Arbeit auch für lau, dies ist dann aber auch deine freie Entscheidung bzw. sollte es sein. Ist es so schwer anderen den gleichen Respekt zu zollen?

>"du bekommst ja auch beim Bäcker keine Brötchen umsonst... Das ist natürlich wahr aber ist das nicht auch wieder viel zu kurz gedacht?" ... wie meinen zu kurz gedacht oder nicht?

Ich benötige keine Vergleiche, Arbeit ist Arbeit, Entlohnung ist Entlohnung und fehlender Respekt vor der erbrachten Leistung anderer ist eben auch nicht mit einer Legion fantasievoller Ausreden kompensierbar.
 
Oracle vergessen und LibreOffice nehmen:
http://www.documentfoundation.org/download/

Selbiges mit illumos machen, wenn man Solaris mag:
http://www.illumos.org/

Was Java betrifft glaube ich, dass viele Javaprogrammierer mit Pike besser dran wären.
http://pike.ida.liu.se/

Keine Ahnung was Oracle mit Java und Virtualbox vor hat. Allerdings verfolge ich das Geschehen um diese Projekte auch nicht.


Zu den Vergleichen: Ja, manchmal hinken sie.
Aber all die Begriffe in der Informatik sind Vergleiche. Übersetzt doch mal einen beliebigen Fachbegriff. Abstraktion wird auch häufig durch Vergleiche erzielt. Vergleiche können überaus brauchbar sein, nur ist es ab und an Blöd, wenn man keinen guten findet.

Ist aber auch logisch, dass die gern verwendet werden. Das Hirn sucht ja im Grunde immer zu erst etwas vergleichbares um zu wissen, was zu tun sein könnte.
 
Moin,

diese Vergleiche werden doch ganz bewußt so angelegt. Dieses Land wird von Leuten regiert, die eine wahnsinnige Angst vor dem Volk haben. Das bedeutet für die selbsternannte Elite, sie müssen die Medien (Internet, TV und Printmedien) kontrollieren. Was meinst Du wohl, warum zu Guttenberg Johannes B. Kerner mitgenommen hat - genau: damit KT alles unter Kontrolle.
Siehe auch Stuttgart21. Was meinst Du wohl, warum Geißler als Schlichter eingesetzt wurde, mal ganz abgesehen davon, dass es keine Schlichtung geben konnte/durfte (4 Gleise oben, 4 Gleise unten:ugly:). Geißler ist beliebt, Mitglied von Attac und ein "elder Statesman". Das kommt beim Volk an und damit hat Mappus wieder die steuernde Hand bei den Medien, die ihm vorher die Hölle heiß gemacht haben. Denke auch an Roland Koch!
Da werden dann Vergleiche gezogen, die absolut haarsträubend und übertrieben sind. Um diese Vergleiche zu untermauern, werden dann noch Extrembeispiele herangezogen ("Florida-Rolf").
Stuttgart21-Gegner -> Fortschrittsverhinderer (was haben Proteste gegen ausufernde Kosten mit Fortschrittverhinderung zu tun)
Hartz4-Empfänger -> faule Säcke, die nur auf Staatskosten leben (sind alle H4ler so?)
Atomkraftgegner -> Kriminelle (Wer ist da wohl kriminell?)
Staatsschulden -> schwäbische Hausfrau (dieser Vergleich ist gaga, wenn man mal drüber nachdenkt!)
usw.

Wie Du siehst, es geht um Kontrolle, Machterhalt und Machtausbau. Nur so können unbeliebte Reformen und verfassungswidrige Atomverträge durchgesetzt werden.

Eins habe ich in den letzten zwanzig Jahren gelernt: Man muss immer fragen, wem das alles nutzt. Wenn man diese Frage beantwortet hat, dann wird alles klar.
Beispiele:
Riesterrente, Kopfpauschale -> private Versicherungswirtschaft, Arbeitgebern
Internetgesetze -> Meinungssteuerung, Kontrolle übers Volk
OpenOffice kostenpflichtig -> Oracle (Geld) und Microsoft (weniger Konkurrenz)

usw, usw, usw.

JueDan - ich weiß ja, in welchem Land ich lebe...
 
Ich würde Vergleiche nicht so pauschal verdammen. Ich finde es geradezu eine Pflicht von "Fachleuten" oder Journalisten, unbekannte Dinge durch eine bildliche Sprache oder durch Vergleiche fassbarer zu machen.

Die Wissenschaft ist doch ebenfalls voll von Vereinfachungen - denkt man nur mal an die Atom-Modelle, die wir in der Schule gelernt haben... mit den Elektronenschalen und all dem. Das ist doch auch nur eine Versinnbildlichung dessen, was wirklich in so einem Atom vorgeht. Aber es hilft, ein Atom ein bisschen zu verstehen.

Dass jede Vereinfachung bewusst oder unbewusst das Denken über den Sachverhalt beeinflusst, muss klar sein. Und das wird auch wie schon von anderen in diesem Thread beschrieben, sehr klar für PR-Zwecke genutzt. Das geht ja hin bis zu Produktnamen - die ja irgendwie einen positiven Eindruck von dem Produkt vermitteln sollen (und so wurde aus den Raiders das Twix...).

Was nun den OpenOffice.org-Vergleich betrifft: Ja, kann man so sehen. Und naütrlich kann keine Firma nur von kostenlos-Angeboten leben. Aber es gibt eben genügend Firmen, die zeigen, dass man mit einer Mischung aus kostenlos und kostenpflichtig gut leben kann (Red Hat ist einer der Haupt-Entwickler des Linux-Kernels, den jeder kostenlos nutzen kann, gleichzeitig machen sie ihr Geld mit einer bestimmten Distribution und dem Service darum).

Ergo: Brötchen müssten nicht immer etwas kosten, wenn der Bäcker ein anderes Geschäftsmodell hätte. Er könnte zum Beispiel versuchen, genügend Menschen gleichzeitig noch einen überteuerten Kaffee zu verkaufen, der dann die Brötchen quer-subventioniert...

Allerdings gibt es schon einen großen Unterschied zwischen sowas wie Software/Filmen und Brötchen: Der Bäcker muss andere Firmen für die Zutaten bezahlen - für jedes einzelne Bröchen (Wirtschaftswissenschaftlich würde man sagen, die marginalen Kosten sind deutlich höher als null). Das ist bei Software und Filmen aus dem Internet anders - da sind die marginalen Kosten praktisch null: Wenn die Software einmal programmiert ist und die Server und Internetanbindung auf der sie zu bekommen ist bezahlt sind, sind die Kosten eines weiteren Downloads praktisch bei null. Daher sollte es Oracle leichter fallen, OOo weiterhin kostenlos anzubieten als dem Bäcker von nebenan.
 
Moin moin,

Ich würde Vergleiche nicht so pauschal verdammen. Ich finde es geradezu eine Pflicht von "Fachleuten" oder Journalisten, unbekannte Dinge durch eine bildliche Sprache oder durch Vergleiche fassbarer zu machen.
Schon klar, stimmt auch. ABER, dann müssen die Vergleiche stimmig und neutral sein. Leider sind sie das immer weniger. Ich habe ja Beispiele gebracht, wie es nicht sein soll.

Die Wissenschaft ist doch ebenfalls voll von Vereinfachungen - denkt man nur mal an die Atom-Modelle, die wir in der Schule gelernt haben... mit den Elektronenschalen und all dem. Das ist doch auch nur eine Versinnbildlichung dessen, was wirklich in so einem Atom vorgeht. Aber es hilft, ein Atom ein bisschen zu verstehen.
Das sind aber Vergleiche, die nicht beeinflussen, sondern einen Sachverhalt erklären. Ein komplexe Materie wird vereinfacht dargestellt, OHNE irgendetwas zu beeinflussen.

Was nun den OpenOffice.org-Vergleich betrifft: Ja, kann man so sehen. Und naütrlich kann keine Firma nur von kostenlos-Angeboten leben. Aber es gibt eben genügend Firmen, die zeigen, dass man mit einer Mischung aus kostenlos und kostenpflichtig gut leben kann (Red Hat ist einer der Haupt-Entwickler des Linux-Kernels, den jeder kostenlos nutzen kann, gleichzeitig machen sie ihr Geld mit einer bestimmten Distribution und dem Service darum).
Stellt sich nur die Frage, warum Oracle das Modell von Sun-Microsystems nicht weitergeführt hat:
StarOffice = Service + kostenpflichtig
OpenOffice = Entwickler + Community + kostenlos

JueDan
 
Weil OpenOffice halt kostenlos war / ist und damit keinen Gewinn generiert. Und alles andere ist his Larryness egal.
 
@juedan

>Das sind aber Vergleiche, die nicht beeinflussen, sondern einen Sachverhalt erklären. Ein komplexe Materie wird vereinfacht dargestellt, OHNE irgendetwas zu beeinflussen.

Das ist nicht korrekt, jede Abstraktion geht mit einem Verlust von Information einher und beeinflußt den Empfänger, teils direkt, teils indirekt. In der Wissenschaftstheorie ist dies ein alter Hut. Deine "Formel" mag bedingt stimmen, solange ein entsprechendes Fachpublikum beispielsweise ein Exzerpt erhält, fehlt jedoch, wenn dieses wissenschaftliche Exzerpt populär verarbeitet wird, sprich dem Empfänger fehlt die notwendige Kompetenz Lücken entsprechend auszufüllen.

Warum glaubst du, hat man massive Probleme eine Vielzahl von Folklore, welche als Halbwissen durch die Gesellschaft geistert, auszumerzen? Warum glaubst du entsteht das Gros der Probleme vieler Studenten nicht ob des Stoffs per se, sondern ob der meist völlig unzureichenden Vorbereitung seitens der Gymnasien? Da treffen Welten aufeinander, die zuvor stattgefundene Abstraktion hat ihrerseits Halbwissen verankert, daß es mühsam abzutrainieren gilt an der Universität. Manchmal ist weniger mehr, weniger Abstraktion, aber dafür mehr Nachhaltigkeit. Anstatt xx Dinge anzuschneiden, beschränkt man sich auf x und behandelt diese umso ausführlicher.

Der Nürnberger Trichter ist immer noch die Basis für das Bildungsmodell in diesem Land und man glaubt sich dem absurden "Ideal" mit einer größtmöglichen Abstraktion nähern zu können.
 
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