Also, Jef Raskin hat seinerzeit in den 80ern die Oberfläche der ersten Macintosh-Generation designed, eine Tatsache die in seinem Buch immer wieder auftaucht. Allerdings haben sich Apple und er in den 90ern ideologisch getrennt. Raskin forschte als alter Mann an neuen Konzepten wie Zuis (
http://de.wikipedia.org/wiki/Skalierbare_Benutzeroberfläche), also Konzepten die uns bis heute sehr seltsam vorkommen. Apple hingegen näherte sich immer mehr dem Windows / Gnome / KDE Einheitsbrei an. Natürlich ist auch OS X 10.5 immer noch deutlich besser als ein Windows XP oder gar Vista, aber schon recht weit vom Ideal entfernt. Als kleine Anmerkung am Rande, ich habe selbst an meinem Macbook sehr lange gebraucht bis ich kapierte, wie ich die Darstellung von Verzeichnisbäumen im Finder verändern kann. Sowas soll eigentlich nicht sein
Auf der anderen Seite ist GUI-Design immer das Suchen und Finden von Kompromissen, wer es einmal versucht hat weiß, dass es praktisch unmöglich ist wirklich alle Funktionalität heutiger Programme sinnvoll unterzubringen. Natürlich gibt es akademisch gesehen ein klares "Richtig" und ein klares "Falsch", in der Praxis ist es aber nicht umsetzbar und einen Tod wird man sterben müssen. Fragt sich nur, wie schmerzhaft er wird. Daraus leiten sich dann so bekannte und nichtssagende Sprüche wie "Oftmals ist weniger mehr" ab. Schön zu sehen an Microsoft Word zu Abiword. Word ist eines der überladensten Programme überhaupt, bis 2003 war es praktisch nicht bedienbar. Wer komplexere Dinge wollte, musste in das Begleitbuch schauen oder Clippy fragen. Clippy selbst ist natürlich auch so eine Sache, schon der gesunde Verstand sagt, dass sie Murks ist. Ab 2007 ist eine klare Verbesserung zu erkennen aber vieles ist immer noch weit vom Optimum entfernt.
Sage ich jetzt "Junge, ich möchte das der Text um ein einzufügendes Bild herumläuft" wird es jemanden, der mit beiden Programmen noch nie gearbeitet hat, mit Sicherheit in Abiword einfacher fallen als in Word. Denn Abiword hat flachere Menüs, einfachere Einstellfelder und viel weniger Funktionen, ais denen man die korrekte finden muss. Das soll jetzt Word aber nicht schlecht machen, das Programm hat durchaus seine Darseinsberechtigung.
All das bezieht sich übrigens nur auf grafische Oberflächen, Textinterfaces wie wir BSDler sie mögen, sind eine ganz andere Geschichte, die ganz andere Probleme haben. Das Unix-Interface ist das gar nicht mal so schlecht, auch wenn man durchaus harte Kritik üben kann.
Wer den Raskin ließt, wird erstaunt sein. Naturgemäß geht er in seinen Beispielen vor allem auf seine Kinder ein. Die Apple der 80er, Canon Scan, etc. Aber all das kommt erst recht spät, er beschäftigt sich auch sehr viel mit Dingen, die auf dem ersten Blick gar nichts mit Computern zu tun haben. Besagte Cockpits, Autoradios und so weiter. Man erkennt, dass all dies das gleiche ist. Genauso wie die Gesetze der Physik hier und am Ende der Welt gelten, gelten die Regeln des Interfacedesigns am Computer genauso wie im Auto. Das führt so weit, dass man plötzlich erkennt, wieso Kreisverkehre Kreuzungen entschärfen können und wie weniger Verkehrszeichen dazu führen, dass wir sicherer ins Büro kommen.
Viele schreckt das ab, sie halten aus der Sicht des Computernerds, der mit dem Ding besser sprechen kann als mit jedem Menschen, diese Dinge für Schwachsinn und legt das Buch (und ähnliche Bücher) schnell zur Seite. Naja, ich quasel mich fest.