Es war in der Woche vor Heiligabend. Das Christkind hatte die meisten Vorbereitungen für das Fest getroffen, der Weihnachtsmann hatte seine Aufträge bekommen, die Wichtel arbeiteten in den Werkstätten eifrig an den Geschenken für die Kinder auf der Erde, die Rentiere ruhten sich noch ein wenig aus vor ihrer langen Reise.
Also machte sich das Christkind wieder einmal auf den Weg zur Erde, um ein wenig zu schauen, was die Menschen so machten.
Mit den Schneeflocken kam es vom Himmel herab. Es lief durch die Straßen, wie ein kleines Kind unter vielen sah es aus, denn die Menschen konnten seine wahre Gestalt nicht sehen, für ihre Augen war das Christkind nicht anders als ein Mensch. Wie es so durch die Straßen stapfte, in den vergangenen Nacht hatte es ununterbrochen geschneit, kam es an einen Weihnachtsmarkt. Wie schön alle Lichter glitzerten, überall lag der Geruch von Lebkuchen und anderen Leckereien in der Luft. Neugierig schaute sich das Christkind die Buden an. An einer von ihnen stand eine alte Frau, ihr Rücken war ganz krumm, das Kopftuch hatte sie tief in die Stirn gezogen. Als sie fragte, wie viel Geld dieses Spielzeug kostet, das angeboten wurde, ächzte sie bei der Antwort schwer. So viel Geld hatte sie nicht, ihre Rente war nur klein, doch ihr Enkel wünschte sich doch dieses Blechauto so sehr. „Scher dich weg, altes Weib“, sagte der Budenbesitzer grimmig, „du verscheuchst mir ja die Kundschaft mit deinem Gejammer“. Die alte Frau legte ihre Stirn in Falten und ging bekümmert weg. Das Christkind schaute ihr traurig nach. Die Frau merkte nicht das Gewicht des Autos in ihrem Korb, der Budenbesitzer merkte nicht in seinem Verkaufseifer, dass das Auto nicht mehr auf seiner Theke stand. Das Christkind aber wischte sich die Träne von der Wange und strich sie sich auf den Mantel, den es trug.
Als die alte Frau in der Menschenmenge verschwunden war, ging auch das Christkind weiter. Es lief über den Weihnachtsmarkt, und als es alle Buden gesehen hatte, bog es in eine Seitenstraße ab und lief weiter. Nachdenklich setzte es einen Fuß vor den anderen. Plötzlich hörte es ein Winseln. Als es sich der Stelle näherte, woher das Geräusch kam, sah es einen kleinen Hund, der in einem Karton lag und am ganzen Körper zitterte. Jemand musste den armen kleinen Tropf ausgesetzt haben, vielleicht war er als Weihnachtsgeschenk gedacht gewesen, aber jetzt wünschte sich das Kind schon wieder eine andere Überraschung. Dem Christkind schnürte es den Hals zu, kein Wort kam über seine Lippen. Nur eine Träne lief ihm über das Gesicht. Als es weiterging war es still geworden in der Ecke, der Karton war leer. Das Christkind wischte sich die Träne von der Wange und strich sie sich auf den Mantel.
In dieser Ecke der Stadt waren die Häuser sehr alt. Die Straßen waren nicht so schön, die Mülltonnen waren nicht geleert, die Hauseingänge sahen heruntergekommen und schmutzig aus. Das Christkind hatte Angst und lief schneller. An einem Hauseingang blieb es stehen. Vier Jungen standen mit dem Rücken zum Christkind,als sie es bemerkten, drehten sie sich um. Unter ihren Fäusten erkannte das Christkind das Gesicht eines Jungen mit Brille, das eine Glas war gesprungen, ein dünnes Fädchen Blut floss aus seiner Nase, das Kinn und die rechte Wange waren ganz blau, seine Jacke zerissen. Der Junge hieß Jens, er war auf dem Heimweg von seinem Klavierunterricht. Weil er getrödelt hatte, wollte er die Abkürzung nach Hause nehmen, die durch dieses Viertel führte. Den Jungen kam er gerade recht, aus Langeweile waren sie auf der Straße herumgelungert und nun schlugen sie, um sich gegenseitig zu beweisen, was sie für tolle Kerle waren, auf den armen Jens ein. Starr vor Schreck stand das Christkind da, es zitterte am ganzen Körper, denn auch es hatte Angst. Die Jungen beachteten den kleinen Knirps nicht weiter, sondern schlugen wieder auf Jens ein, stahlen ihm seine Noten und seine Jacke, raubten ihm sogar sein Taschengeld, von dem er morgen ein Weihnachtsgeschenk für seine Mutter kaufen wollte. Das Christkind schlich sich weiter, wischte sich wieder eine Träne von der Wange und strich sich den Finger am Mantel trocken.
Auf seinem Weg durch die Statdt kam es noch an vielen Menschen vorbei, die sich gegenseitig beschimpften, schlugen, misstrauten, aufeinander neidisch waren, übereinander lachten. Immer kullerte ihm eine Träne über die Wange, immer wischte es die Träne ab und strich sie sich auf den Mantel.
Es war nun schon nach Mitternacht, die Straßen wurden leer, das Christkind fror, denn ein eisiger Wind pfiff durch die Gassen. Irgendwann war das Christkind müde, es setzte sich auf eine Treppe und weinte bitterlich. Irgendwann aber war es erschöpft und schlief ein. Die Tränen auf seinem Mantel wurden zu Eis, die drangen durch den Stoff des Mantels und berührten das kleine Herz des Christkindes. Still atmete es, kleine Wölkchen vom warmen Atem stiegen auf. Doch die Wölkchen kamen seltener und seltener. Irgendwann war es ganz still.
Am nächsten Morgen tönte eine Geschrei aus dem Haus. Lichter gingen an, dann wieder aus. Kerzen wurden angezündet, ein Lied erklang durch die Mauern. Kinder wünschten sich einen „Guten Morgen“, sie setzten sich zu Gruppen zusammen, begannen mit ihrer Arbeit. Was der eine nicht wusste, wusste die andere, was die eine nicht so konnte, da half ihr der andere. Ab und an hörte man ein fröhliches Lachen.
Als es draußen immer noch dunkel war und der Schnee in großen Flocken vom Himmel fiel, kamen die Kinder auf den Hof in die Pause. Schon bald entdeckten sie den kleinen Körper, der dort an der Treppe zum Keller kauerte. Vorsichtig gingen sie auf ihn zu. Als sie erkannten, dass da ein Kind saß, riefen sie ihren Lehrer, der den kleinen Jungen sofort ins Klassenzimmer trug. Sie legten ihn auf ein Sofa und zogen ihm die nassen Kleider aus und hüllten ihn in eine Decke. Besorgt strich ihm der Lehrer über sein nassen blondes Haar. Da schlug der Junge die Augen auf. Benommen flüsterte er:“ Ihr habt mir das Leben gerettet mit eurer Freude, eurer Hilfsbereitschaft und eurer Gemeinschaft. Ein wärmendes Lächeln ging in diesem Moment von seinem Gesicht aus. Schnell liefen die Kinder in der Schule herum und wollten allen anderen Schülerinnen und Schülern erzählen, was passiert war. Auch der Klassenlehrer war zum Direktor gegangen um diesen Vorfall zu melden. Als sie zurückkamen, war das Sofa leer, die Decken waren ordentlich zusammengelegt. Überrascht sahen sich alle Kinder, der Lehrer und der Direktor an.
Und draußen durch den Schnee stapfte ein kleines Kind, unter dessen Schritten der Schnee schmolz.
Also machte sich das Christkind wieder einmal auf den Weg zur Erde, um ein wenig zu schauen, was die Menschen so machten.
Mit den Schneeflocken kam es vom Himmel herab. Es lief durch die Straßen, wie ein kleines Kind unter vielen sah es aus, denn die Menschen konnten seine wahre Gestalt nicht sehen, für ihre Augen war das Christkind nicht anders als ein Mensch. Wie es so durch die Straßen stapfte, in den vergangenen Nacht hatte es ununterbrochen geschneit, kam es an einen Weihnachtsmarkt. Wie schön alle Lichter glitzerten, überall lag der Geruch von Lebkuchen und anderen Leckereien in der Luft. Neugierig schaute sich das Christkind die Buden an. An einer von ihnen stand eine alte Frau, ihr Rücken war ganz krumm, das Kopftuch hatte sie tief in die Stirn gezogen. Als sie fragte, wie viel Geld dieses Spielzeug kostet, das angeboten wurde, ächzte sie bei der Antwort schwer. So viel Geld hatte sie nicht, ihre Rente war nur klein, doch ihr Enkel wünschte sich doch dieses Blechauto so sehr. „Scher dich weg, altes Weib“, sagte der Budenbesitzer grimmig, „du verscheuchst mir ja die Kundschaft mit deinem Gejammer“. Die alte Frau legte ihre Stirn in Falten und ging bekümmert weg. Das Christkind schaute ihr traurig nach. Die Frau merkte nicht das Gewicht des Autos in ihrem Korb, der Budenbesitzer merkte nicht in seinem Verkaufseifer, dass das Auto nicht mehr auf seiner Theke stand. Das Christkind aber wischte sich die Träne von der Wange und strich sie sich auf den Mantel, den es trug.
Als die alte Frau in der Menschenmenge verschwunden war, ging auch das Christkind weiter. Es lief über den Weihnachtsmarkt, und als es alle Buden gesehen hatte, bog es in eine Seitenstraße ab und lief weiter. Nachdenklich setzte es einen Fuß vor den anderen. Plötzlich hörte es ein Winseln. Als es sich der Stelle näherte, woher das Geräusch kam, sah es einen kleinen Hund, der in einem Karton lag und am ganzen Körper zitterte. Jemand musste den armen kleinen Tropf ausgesetzt haben, vielleicht war er als Weihnachtsgeschenk gedacht gewesen, aber jetzt wünschte sich das Kind schon wieder eine andere Überraschung. Dem Christkind schnürte es den Hals zu, kein Wort kam über seine Lippen. Nur eine Träne lief ihm über das Gesicht. Als es weiterging war es still geworden in der Ecke, der Karton war leer. Das Christkind wischte sich die Träne von der Wange und strich sie sich auf den Mantel.
In dieser Ecke der Stadt waren die Häuser sehr alt. Die Straßen waren nicht so schön, die Mülltonnen waren nicht geleert, die Hauseingänge sahen heruntergekommen und schmutzig aus. Das Christkind hatte Angst und lief schneller. An einem Hauseingang blieb es stehen. Vier Jungen standen mit dem Rücken zum Christkind,als sie es bemerkten, drehten sie sich um. Unter ihren Fäusten erkannte das Christkind das Gesicht eines Jungen mit Brille, das eine Glas war gesprungen, ein dünnes Fädchen Blut floss aus seiner Nase, das Kinn und die rechte Wange waren ganz blau, seine Jacke zerissen. Der Junge hieß Jens, er war auf dem Heimweg von seinem Klavierunterricht. Weil er getrödelt hatte, wollte er die Abkürzung nach Hause nehmen, die durch dieses Viertel führte. Den Jungen kam er gerade recht, aus Langeweile waren sie auf der Straße herumgelungert und nun schlugen sie, um sich gegenseitig zu beweisen, was sie für tolle Kerle waren, auf den armen Jens ein. Starr vor Schreck stand das Christkind da, es zitterte am ganzen Körper, denn auch es hatte Angst. Die Jungen beachteten den kleinen Knirps nicht weiter, sondern schlugen wieder auf Jens ein, stahlen ihm seine Noten und seine Jacke, raubten ihm sogar sein Taschengeld, von dem er morgen ein Weihnachtsgeschenk für seine Mutter kaufen wollte. Das Christkind schlich sich weiter, wischte sich wieder eine Träne von der Wange und strich sich den Finger am Mantel trocken.
Auf seinem Weg durch die Statdt kam es noch an vielen Menschen vorbei, die sich gegenseitig beschimpften, schlugen, misstrauten, aufeinander neidisch waren, übereinander lachten. Immer kullerte ihm eine Träne über die Wange, immer wischte es die Träne ab und strich sie sich auf den Mantel.
Es war nun schon nach Mitternacht, die Straßen wurden leer, das Christkind fror, denn ein eisiger Wind pfiff durch die Gassen. Irgendwann war das Christkind müde, es setzte sich auf eine Treppe und weinte bitterlich. Irgendwann aber war es erschöpft und schlief ein. Die Tränen auf seinem Mantel wurden zu Eis, die drangen durch den Stoff des Mantels und berührten das kleine Herz des Christkindes. Still atmete es, kleine Wölkchen vom warmen Atem stiegen auf. Doch die Wölkchen kamen seltener und seltener. Irgendwann war es ganz still.
Am nächsten Morgen tönte eine Geschrei aus dem Haus. Lichter gingen an, dann wieder aus. Kerzen wurden angezündet, ein Lied erklang durch die Mauern. Kinder wünschten sich einen „Guten Morgen“, sie setzten sich zu Gruppen zusammen, begannen mit ihrer Arbeit. Was der eine nicht wusste, wusste die andere, was die eine nicht so konnte, da half ihr der andere. Ab und an hörte man ein fröhliches Lachen.
Als es draußen immer noch dunkel war und der Schnee in großen Flocken vom Himmel fiel, kamen die Kinder auf den Hof in die Pause. Schon bald entdeckten sie den kleinen Körper, der dort an der Treppe zum Keller kauerte. Vorsichtig gingen sie auf ihn zu. Als sie erkannten, dass da ein Kind saß, riefen sie ihren Lehrer, der den kleinen Jungen sofort ins Klassenzimmer trug. Sie legten ihn auf ein Sofa und zogen ihm die nassen Kleider aus und hüllten ihn in eine Decke. Besorgt strich ihm der Lehrer über sein nassen blondes Haar. Da schlug der Junge die Augen auf. Benommen flüsterte er:“ Ihr habt mir das Leben gerettet mit eurer Freude, eurer Hilfsbereitschaft und eurer Gemeinschaft. Ein wärmendes Lächeln ging in diesem Moment von seinem Gesicht aus. Schnell liefen die Kinder in der Schule herum und wollten allen anderen Schülerinnen und Schülern erzählen, was passiert war. Auch der Klassenlehrer war zum Direktor gegangen um diesen Vorfall zu melden. Als sie zurückkamen, war das Sofa leer, die Decken waren ordentlich zusammengelegt. Überrascht sahen sich alle Kinder, der Lehrer und der Direktor an.
Und draußen durch den Schnee stapfte ein kleines Kind, unter dessen Schritten der Schnee schmolz.
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