Solange die
Luddites genug Lebenszeit zu haben jedes einzelne Projekt zu forken in das ein böser, böser Coding-Assistent committet hat... Vim ist da ja bei Weitem nicht das erste Projekt und wird ganz sicher auch nicht das letzte sein. Außerdem, muss man auch Projekte forken, wo Claude nicht als Co-Autor in Commits steht oder ist es wie bei Firmware, wo sie nur unfrei und böse ist, solange sie nicht in ROMs gebrannt wurde? Warum nur Vim oder rsync? Wenn dann bitte auch den Linux-Kernel. Oder ist der einfach zu groß?
Aber im Ernst: Vim hat in den inzwischen gut drei Jahren seit Brams Tod deutlich gewonnen. Am Anfang war der Verlust von Bram ein ziemlicher Schlag, auch weil er das unangefochtene Zentrum des Projekts war und viele Dinge schlicht nicht dokumentiert hatte, bzw. nie wirklich kommuniziert hatte, wo die Reise hingehen soll. Inzwischen gibt es aber eine neue Projektführung und es ist eine ganze Reihe regelmäßiger beitragender Entwickler dazugekommen. Übrigens mit einer großen Schnittmenge zu neovim. Man wird eher nicht mit neovim mergen, aber zumindest arbeitet man wieder zusammen. Vim Classic mag für die Puristen ausreichend sein, aber ich nehme dann doch lieber vim9script, statt mich mit vimscript rumzuschlagen. Das eingebaute Autocompletion Frameork, was es mir erlaubt hat Plugins in der Größe von zehntausenden Zeilen vimscript aus der Config zu werfen, will ich auch nicht mehr vermissen. Und all die unzähligen Kleinigkeiten, die hinzugekommen sind. Highlight on Yank fällt mir spontan ein.
Überhaupt, warum als Purist Vim Classic nehmen? Vim ist ein über fast 40 Jahre gewachsenes Projekt und der Code ist in weiten Teilen ... sagen wir mal alt. Will man mit dem Vim-Ökosystem komaptibel zu bleiben, sind die Möglichkeiten Dinge größer zu refactoren auch eher begrenzt, denn auch Bugs sind Features. Nicht umsonst ist neovim, einst mit Ziel Vim zu refactoren gestartet, auch ganz schnell davon abgekommen, allzu tief im Kerneditor rumzühren und Vim (und damit indirekt auch neovim) hat nicht ohne Grund echt viel Manpower in den Aufbau einer belastbaren Testumgebung mit tausendens Tests und umfangreichen CI-Pipelines gesteckt.
Das Problem zeigt sicht auch gut im Bereich Sicherheit. Vim hat alleine im Mai 10 Sicherheitslücken gepatcht. Einige davon, Gott bewahre, von einem LLM gefunden. Das meiste die üblichen Fehler altem Codes. Speicherprobleme, Codeinjection, man kennt es. In der
Changelog von Vim Classic findet man dazu übrigens nichts. Besser keine Dateien aus unbekannter Quelle, zum Beispiel git Checkout, damit öffnen. Außer man mag es am Limit zu leben.
Nein, wenn ich ein Problem mit dem Weg, den Vim nimmt, hätte und etwas Einfacheres bzw. Statischeres wollen würde, würde ich eher in Richtung Helix schauen. Klar, ich würde umlernen müssen, aber das ist eine Sache von Tagen bis höchsten Wochen. Dafür habe ich saubereres, in sich konsistenteres da gezielt designed und nicht seit Anfängen von
ed ca. 1969 hysterisch gewachsenes Bedienkonzept. Features, die sauber ineinandergreifen und die Nutzung und Pflege von Plugins weitestgehend überflüssig machen. Und nicht zuletzt eine moderne, von Beginn an test-driven entwickelte Codebase, die in einer moderen Sprache geschrieben wurde.