Warum ausgerechnet FreeBSD?

Kamikaze

Warrior of Sunlight
Teammitglied
Das werde ich öfter mal gefragt. Und meine Antwort ist immer recht schwammig:

- Weil ich mich dort wohl fühle
- Weil das System und auch die Community relativ übersichtlich sind
- Weil es pragmatisch und konservativ ist

Technisch hat das System keine Vorteile auf die ich angewiesen bin. Und wenn mich Leute fragen ob FreeBSD vielleicht mal ausprobieren sollten, dann zähle ich ihnen vor allem Nachteile (WLAN, Grafik) auf. Und sage, wenn man sich damit arrangieren kann, dann ist FreeBSD einen Blick wert.

Damit bin ich der Weiterverbreitung von FreeBSD wohl nicht besonders dienlich. Aber ich denke wenn man Vorteile aus dem System ziehen will muss man sich voll darauf einlassen und seine Strategie darum aufbauen. Deswegen kann ich das System eigentlich kaum jemandem empfehlen.

Wie handhabt ihr das?
 
Ich nutze FreeBSD weil:
  • FreeBSD in sich konsistentes, klassischen Unixprinzipen folgendes System ist. Zugleich aber nicht dogmatisch auf "haben wir schon immer so gemacht" besteht. Linux in all seinen Formen wirkt auch mich immer äußerst inkonsistent, was mich als fast krankhaften Pedanten einfach nervt. Dazu kommt, dass in meinen Augen Neuerungen im Bereich Linux oft undurchdacht sind und den Prinzipien vernünftigen Systemdesigns widersprechen. Bestes Beispiel systemd.
  • FreeBSD-Entwickler sich gerne Zeit lassen, dafür Dinge aber richtig machen. Wenn möglich, werden vorhandene Lösungen genutzt. Ich könnte da etliche Dinge nennen: LACP, CARP, HAST, ZFS, GEOM, Jails, pf und IPFW, bhyve, ...
  • FreeBSD schnell ist. Seitdem unter Linux nicht mehr praktisch alle Treiber und Dateisysteme unter BLK sind, hat Linux in Sachen reiner CPU-Performance zwar aufgeholt bis überholt. Aber FreeBSDs mit 10.0 überarbeitetes Storage-Subsystem ist beeindruckend schnell, Bhyve wurde mir schon mehrmals von überzeugten KvM- und VMWare-Anhängern mit "Damn, that's fast!" kommentiert und über den großen Bereich Netzwerk brauchen wir gar nicht erst zu reden.
  • FreeBSD eine saubere, gut dokumentierte API hat und es angenehm ist, Software dafür zu entwickeln. Allein die glibc habe ich persönlich immer als widerlich chaotischen Sauhaufen mit obskuren Bugs wahrgenommen, wobei sich das zugegeben nach Ulrich Dreppers Abschied und Wechsel zu Goldman Sachs (da haben sich zwei gefunden) schon deutlich verbessert hat. Von Windows sprechen wir besser erst gar nicht.
  • FreeBSD hervorragend dokumentiert ist.
  • Ich ein Werkzeug und keine Ideologie bis Religion will.
Ich habe über die Jahre verdammt viel normalen bis kranken Kram mit FreeBSD gemacht und das System wirklich lieben gelernt. Wenn ich mich schon für sonst nichts begeistern kann, dann wenigstens dafür. ;) Als ich gestern Abend zum Beispiel eine Windows 10 VM auf einem lz4-komprimierten ZFS Volume mit vollverschlüsseltem, per HAST redundantem Storage am Laufen hatte, was das schon ein schönes Gefühl.

Allerdings bin ich auch kein Missionar. Wenn jemand nach einer Empfehlung für ein System fragt, erwähne ich natürlich schon FreeBSD. Im Moment kann ich sogar sagen, dass es sich in Sachen WLAN und vor allem Grafik massiv verbessert. Herje, wir haben halbwegs realistische Chancen in Sachen GPU-Unterstützung mit Linux gleich zu ziehen. Aber wenn jemand mit seinem Windows, seinem Ubuntu oder seinem OS X glücklich ist, kann er es von mir gerne weiterhin nutzen. Letztendlich ist FreeBSD eben ein System für Serveranwendungen, was auf dem Desktop vor allem für Die Hard Geeks interessant ist.
 
Für mich hat FreeBSD die Nachteile nicht, die Linux für mich mit sich bringt. Vermutlich passt das bei dir unter den Begriff konservativ. Ich bekomme das Gefühl vermittelt, dass ich mich mit den Aufgaben beschäftigen kann und nicht am System "rumfrickeln" muss. FreeBSD hat für mich die richtige Mischung aus "stabilem System" und "aktuellen Programmen", was mir zB bei Debian fehlt. Ich persönlich sehe bei Linux keine klare Richtung. Da wird erstmal in viele Richtungen losgerannt. Jede zeigt sich als Einbahnstraße. Irgendwann kommt dann FreeBSD und setzt es richtig um.

Wenn ich mit anderen BSDs vergleiche: OpenBSD kommt bei mir nur dort zum Einsatz, wo das Basissystem ausreichend ist, wobei das aber langsam abnimmt und auch gegen FreeBSD getauscht wird. NetBSD habe ich mir ein paar mal angesehen, aber (ohne Gründe nennen zu können) wohlgefühlt habe ich mich nie...
 
Ich nutze FreeBSD in der Firma und privat, auf Servern und auf Desktops.

Ich mag das System. Die Installation ist einfach, die Wartung (Updates, Upgrades, Softwareupdates) ist einfach, ich nutze das System seit über fünf Jahren und hatte noch keine Ausfälle der Software, die mir nicht erlaubt hätten, zu arbeiten. FreeBSD läuft performant und stabil. Auf einem Notebook habe ich Windows, das kostet mich wesentlich mehr Zeit. Ich mag das Konzept zwischen /usr/local, ich finde mich gut zurecht und kann alles machen, ansonsten hat man schnell mit VirtualBox was anderes gestartet.
 
Für eine Empfehlung von FreeBSD auf dem Desktop fehlen mir noch ein paar Dinge. An der Grafik-Unterstützung wird gearbeitet. PKG ist noch etwas fummelig und die Port-Defaults sind nicht immer gut. BasePKG muss sich auch erst noch beweisen wenn es da ist. Ein paar grundlegende Sicherheitsfunktionen wie ASLR wären auch nett.

Auf einem Server kriegt es von mir wegen ZFS und Jails eine Empfehlung.
 
Meine Empfehlung für andere hängt davon ab, wer was damit machen will. Aber FreeBSD würde ich vermutlich fast niemandem in meinem Freundes-/Verwandten-Kreis empfehlen. Dazu muss man einfach zu viel Zeit reinstecken und bereit sein, Dinge zu lernen und zu verstehen. Ich selbst bin von Windows (3.1,95,98, XP) über Debian und dann Ubuntu zu FreeBSD gekommen. Meine Gründe, bei FreeBSD zu bleiben (auf meinem Laptop und zunehmend auch auf Servern): Ich kenne mich mittlerweile hier am besten aus und kann auch unangenehme Situationen meist wieder in den Griff bekommen.

Absolute Pluspunkte für mich:
+ FreeBSD macht sehr sehr wenig Automagie. Fast immer muss ich etwas aktiv einschalten, damit es überhaupt läuft. Ubuntu kann zwar alles mögliche out-of-the-box... aber ich weiß dann auch oft nicht, warum etwas gerade so läuft und was ich tun muss, wenn es dann doch nicht funktioniert. Das hat mich auch bei PC-BSD immer wieder gestört.
+ Saubere Trennung von Basissystem und sonstigen Anwendungen: Ich habe lange gebraucht, den großen Vorteil davon zu erkennen. Aber es macht vieles so viel einfacher zu finden und zu beheben. Gerade, dass Konfigurationen des Basissystems immer unter /etc und der sonstigen Software unter /usr/local/etc liegen, ist Gold wert.
+ Recht lange Unterstützung der Hauptzweige: Ich mag nicht ständig das Betriebssystem upgraden, wenn es eigentlich läuft. Die Tage von 9.x auf meinem Laptop sind jetzt allerdings gezählt, weil immer mehr neuere Pakete nicht mehr darauf bauen (LibreOffice >4.3, MongoDB > 2.6).
+ Die Menschen rund um (Free)BSD. Vor allem hier in den BSDForen, aber auch die Entwickler/Port-Maintainer, wenn ich mit ihnen Kontakt hatte.

Negative Punkte:
- Weil FreeBSD ein Nischen-OS ist - gerade als Desktop - gibt es weniger Software, kompatible Hardware... und weniger Hinweise im Netz, wie man doch etwas zum Laufen bekommen kann (neulich scheiterte ich fast an der Verwendung von sysutils/duplicity mit Amazon's S3 als Backend, weil eine Python-Library offenbar SSL-Zertifkate an einer bestimmten Stelle erwartete, die dort nicht standardmäßig liegen.... erst nach sehr, sehr viel Googlen und Lesen von diversen Bugreports habe ich einen Hinweis auf diese Ursache gefunden)
 
Ich kann die positiven Aspekte der Vorredner nur bestätigen.

Leider scheint mir FreeBSD aber den Zug (Devops / Cloud) vollkommen zu verpassen.
Ich hab bisher keine Lösung gesehen wo jemals ein FreeBSD genutzt wurde um Microservices anzubieten.

Dabei hat FreeBSD die Container erfunden oder zumindest als erster implementiert, richtig ?

Auf Jetpack warten wir immer noch, bis dahin sind andere viel viel weiter.
Auch der Docker port scheint nicht weiter gepflegt zu werden, oder ?
 
Leider scheint mir FreeBSD aber den Zug WHATSOEVER vollkommen zu verpassen.

*BSDs scheinen immer irgendwo, irgendwie einen Zug zu verpassen und sperrig zu sein und Morgen braucht sie keiner mehr, aber erstaunlicherweise sind sie immer noch da und was sie in den letzten Jahren auf dem Desktop geleistet haben, finde ich sehr beachtlich.
 
Von Windows sprechen wir besser erst gar nicht.
Doch kann man doch, ganz einfach; dank der Microsoft Verkaufsstrategie, überall in den Schulen und Ausbildungsstätten für billiges Geld, Windowsrechner mit deren Applikationen, zur Verfügung zu stellen, haben Sie eine große Abhängigkeit und Bekanntheitsgrads kreiert, denn Sie melken, wie ein Bauer die Milchkuh (vllt. ein schlechtes Beispiel in der heutigen Zeit. ;)). Dadurch werden und wurden sehr viele Leute überhaupt PC abhängig (ja, ich sag mit Absicht abhängig, weil es mir manchmal so vorkommt, als ob es einige Leute gibt, die den PC brauchen, wie ein Drogenabhängiger sein Droge.)

Aber schauen wir uns mal die EDV Landschaft genauer an.
Es gibt eigentlich nur drei Betriebssysteme: Microsoft(MS-DOS,WINDOWS), LINUX(Debian,openSUSE,...) und Mac(OSX)

Jetzt komm ich zur eigentlichen Aussage meines Beitrages.
  • JEDES Betriebssystem hat seine Daseinsberechtigungen.
  • JEDES Betriebssystem hat seine Fehler.
  • JEDES Betriebssystem hat seine Vor- und Nachteile.
Insofern ist es auch gut, das es so viele System gibt.
Dank Microsoft werden viele Leute zum PC hin- und verführt, weil es ein einfaches System ist, das jeder Hinz und Kunz Administrieren kann, das Wissen kann sich jeder im stillen Kämmerchen aneignen.
Genauso ist es auch ein Verdienst von Microsoft, das sich viele Leute nach ein paar Jahren, sich umschauen, ob es noch ein anderes System gibt, bzw. was überhaupt auf dem Markt so vorhanden ist.
Und da ist jetzt immer die Frage beim Suchenden, was entspricht mir am meisten? Und da muss ich sagen, das FreeBSD bestimmt nicht die erste Wahl seinen wird, wenn man Umsteiger ist, sondern eher ein Linux-System. Die Vorteile eine Linux System wurden auch schon angesprochen (Softwarevielfalt, Forenanzahl, ...).
Deshalb finde ich den Ansatz von PC-BSD und andren Ableger nicht schlecht, sie könnten den Umstieg, bzw. den Einstieg in die FreeBSD-Welt erleichtern, deshalb würde ich mir wünschen, das die zwei Gruppen, mehr zusammenschmelzen und sich nicht gegenseitig schlecht machen, wie ich bei einigen Beiträgen hier und im IRC durchschimmern sehe.
Leider ist meine Zeit zu sehr mit Beruflichen und Persönlichen Schrott zugepflastert, so das ich kein Koordinator spielen kann.
Ach ja, das Mac-System, ist auch ein ganz Spezielles System. Es ist gut, wenn man im Grafischen Bereich (Zeitung, Fernsehen, Videobearbeitung, ...) bewegt, aber als Otto-Normal-Verbraucher ist das Betriebssystem mit der Hardwareanforderung zu teuer. (Außer man will Protzen und Angeben) Sie haben es leider verpasst, ein abgespeckte Version ihrer Systems auf den Markt zu bringen, es an der Zeit war (das war zu MS-DOS Zeiten, falls sich noch jemand dran erinnert, der Kampf zwischen 68000 und 8086 Prozessor).
So, damit hab ich jetzt mal eine langen Beitrag geschrieben, der hoffentlich nicht all zu vielen Leuten auf den Magen schlägt. :belehren:
 
Ich setze FreeBSD ein:

weil es gut konfigurierbar, performant und stabil ist. Highlight's sind für mich ZFS und Jails. Das Paketmanagement gefällt mir gut. Die Dokumentation ist sehr gut und die Community hilfreich und kompetent. Ausserdem ist es extrem resourcensparend und läuft auch auf älteren Rechnern zufriedenstellend. Anfangs war die Einarbeitung ziemlich zeitaufwendig, danach ging die Lernkurve dank der Unterstützung hier im Forum aber steil nach oben. Die Softwareauswahl aus den Ports finde ich mehr als ausreichend. Fehlende Automagie war anfangs für mich als Umsteiger von Linux kommend, eher gewöhnungsbedürftig. Jetzt aber sehe ich das lange nicht mehr als Defizit, sondern als großen Vorteil an, weil ich dadurch gewungen wurde, mich intensiv mit dem System auseinanderzusetzen und hinter die Kulissen zu schauen. Zudem ist FreeBSD frei von Dogmen und Ideologien, also pure Freiheit auch in der Lizensierung. Alles in Allem überwiegt für mich der positive Gesammteindruck.
 
Ich nutze FreeBSD weil:
  • Ich ein Storage-System aufbauen musste und ich freie Wahl beim OS hatte. Da das System auch mal offline sein darf, entschied ich mich für FreeBSD (FreeBSD 9.0 war gerade raus). Seither bin ich wirklich ein Fan dieses Betriebssystems.
  • Das Konzept! Es gibt ein Tool für einen Job. Wie viele iSCSI Implementierungen gibt es im Linux Kernel? Ich meine es sind drei im Moment. Bei FreeBSD ist es eine, die auch funktioniert! Die Trennung von Basissystem und Ports/PKG ist einfach genial. Pakete bauen mit poudriere? Geile Sache! Dazu Jails, ZFS, HAST, Bhyve und PF.
Hat sich mal jemand Debian mit BtrFS angesehen, wie die Integration der Snapshots auf dem rootfs aussieht? *Hässlich* Wenn ich mir da im Gegenzug beadm anschaue, bekomme ich immer feuchte Augen...
 
Ich nutze primär auf dem Desktop NetBSD und auf Servern FreeBSD, nur dass mein aktuellster Desktop teilweise noch nicht unter NetBSD funktioniert.

*BSD ist stabil, klar strukturiert und besser nachvollziehbar ohne sich laufend wieder mit neuen und "verschachtelten" abfinden/plagen zu müssen.
Das Entwicklungsmodel, nicht ständig den Leuten neue Verfahrensweisen mit dem System aufzuzwingen ist für mich das Richtige und generell vernünftig. Auch das der Code in BSD-Manier geschrieben sein muss ist klasse.
Es ist auch von der Lizenz her eine gute Sache. Hat Potenzial die Welt zu verbessern :D.
*BSD folgt eben der eigentlichen Unixphilosophie und Linux kann man sagen ist ein Unix orientiertes aber dennoch nach anderen Vorstellungen gestaltetes System, z.B. schnelle Entwicklung und energische daran Arbeiten dem Nutzer möglichst viel Last zu nehmen, was ja auch wenn es richtig gemacht ist für den einen oder anderen das richtige ist (bzw. die meisten). Aber, es gibt ja auch Pro-Linuxe.
Das Ganze macht eben die Technologiewelt aus, jeder muss halt entscheiden was er braucht/will.
 
Ich nutze immer das, was gerade am Besten für eine Aufgabe geeignet ist.

Aber mal eine Frage an zum Beispiel @foxit und @Yamagi
Ihr habt beide erwähnt, dass ihr HAST verwendet. Immer wenn ich irgendwelche Dokumentationen, Beispiele, Threads o.ä. zu HAST lese verlaufen diese ins Leere, oder sind so, dass ich diese für eine Produktivumgebung niemals einsetzen würde.

Wäre es möglich, dass ihr eure Setups mit HAST mal in einem separaten Thread vorstellt und wir daraus gemeinsam eine Art HAST 2016 - Wissensressource aufbauen?

Danke und Gruß
Markus
 
Zu FreeBSD kam ich, weil es funktionierte, während das bis dahin benutzte GNU/Linux bestimmte Dinge nicht mehr konnte. So war ich auch zu GNU/Linux gekommen, weil das bis dahin (sehr kurze Zeit) benutzte Windows nicht funktioniert hatte.
Automatisch brachte mich die Auseinandersetzung mit OpenSource über die Jahre aber auch zu der Überzeugung, das dieses Konzept ideologisch viel besser zu mir passt. Es entspricht meiner Vorstellung, dass der Starke dem Schwachen helfe (wobei die Rollen nicht für immer festgeschrieben sind) und dass Wissen Frei fließen muss, um allen zum Wohle zu gereichen. Den Freien Fluss von Wissen zu verhindern, um daraus einen finanziellen Vorteil zu ziehen, gehört ins Mittelalter und nicht in eine Informationsgesellschaft, zu der wir gerne werden wollen. Deshalb ist für mich die Benutzung von OpenSource-SW inzwischen von einem einstmals rein funktionell bedingten Motiv zur beinahe religiösen Angelegenheit geworden. Ich würde deshalb auch dann OpenSource bevorzugen, wenn es mir Nachteile brächte. OpenSource != FreeBSD, aber nach einiger Anschauung habe ich mich erst kürzlich wieder dafür entschieden. Weil ich mich damit viel wohler fühle und das hängt hauptsächlich daran, dass ich nicht durch unerwünschte Dienste belästigt werde, wie ich das in anderen Systemen erleben musste.

Aus meiner Position neigte ich natürlich auch zur Missionierung und ging dabei so weit, zahlreiche PCs mit FreeBSD zu installieren und diese Bekannten zur Verfügung zu stellen.
Was ich aber erleben musste, war, dass niemand bereit war den Umgang mit FreeBSD zu erlernen. Das bedeutete, dass ich mit der Wartung der Systeme alleine war und damit hoffnungslos überfordert. ich musste erkennen, dass sehr viele Anwender genau nicht von unerwünschten Diensten genervt sind, sondern diese als Bereicherung erleben.
Es möchte niemand selbst verantwortlich sein, sondern viel lieber über einen blöden Automatismus meckern, der mal wieder fehlgeschlagen ist. Besonders unangenehm fallen mir Windows-Nutzer auf. Es gibt quasi niemanden, der nicht laufend auf dieses System und seine Automatismen schimpft und sich darüber beschwert, was da alles immer wieder schief geht. Wenn ich solchen Leuten dann lächelnd ein Ubuntu empfehle, wollen sie dies meist nicht mal probieren. Die wenigen aber, die es tatsächlich nehmen, die fangen nach sehr kurzer Zeit genau gleich wieder an zu meckern und zwar diesmal über das unzulängliche Ubuntu mit seinen Automatismen.

Deshalb empfehle ich niemandem mehr irgendwas und schon gar nicht FreeBSD.
Leider muss ich davon ausgehen, dass das Verständnis, das Verhältnis des Nutzers zu seinem System, fast immer ein vollkommen anderes ist, als ich mir das angeeignet habe. Obwohl ich sehr zufrieden mit meinen FreeBSDs bin, egal ob auf Notebook, Desktop oder Server, kann ich mir die ewig meckernden Mitmenschen ersparen, die dann mich auch noch für ihre Misserfolge mit OpenSource und besonders FreeBSD verantwortlich machen würden.
Einmal saß ein Kollege neben mir und ich musste etwas mit meinem FreeBSD auf meinem Notebook machen, das ich nicht sofort richtig machte. Genau erinnere ich mich nicht mehr, aber ich brauchte eben die man-page, musste lesen und meine Aktion korrigieren, vermutlich mehrfach. Der Kommentar meines Kollegen beim bloßen Zusehen: "also, das ist doch alles Mist! Da geht doch gar nichts! Und du sagst immer mit Linux geht alles einfacher?" Ein mehrfach unqualifizierter Kommentar, aber vielleicht stellvertretend für die Geisteshaltung und das Wunschbild eines Betriebssystems: es muss einfach und am liebsten noch einfacher und automagisch das lösen, was ich nun als Problem habe. Hintergründe interessieren gar nicht.
Das will mir nicht zu FreeBSD passen.

OpenBSD wollte mir sehr gut gefallen, aber in einem Test zeigte es mir keine für mich erkennbaren Stärken gegenüber FreeBSD und blieb generell in der Performance zurück. DragonFly lese ich immer wieder rein und möchte ihm gerne mal mehr Aufmerksamkeit schenken, aber irgendwie vergeht da Jahr um Jahr und ich kriege es nicht gebacken.
 
"Warum FreeBSD?" und dann missversteht die Hälfte derjenigen, die antworten, die Frage als "Warum nicht Linux?"... :rolleyes:

(ad eins drüber: Um DragonFly BSD sinnvoll nutzen zu können, sollte man schon einen dedizierten Server oder einen halbwegs neuen Desktoprechner übrig haben. Hab' ich leider beides nicht, teile also dein Schicksal.)
 
Ein schönes Thema :)

Eine überagende Antwort habe ich darauf nicht, meine Kids (naja, schon fast alle erwachsen) können dem ganzen nicht viel abgewinnen, da Spiele nicht besonders gut laufen (jedenfalls die unter Windows). Privat nutze ich FreeBSD seit Version 1.*. Damals kam ich von Slackware Linux. ach ja - lange ist es her :) FreeBSD hat für mich persönlich immer einen gut aufgeräumten Eindruck gemacht (was auch andere schon gesagt haben). Mit Max (oha! was für ein Vertipper) OsX z.B. kann ich mich am allerwenigsten anfreunden. Das gilt wahrscheinlich besonders deswegen, weil Mac Hipp ist... Und auch wenn da ein bisschen *BSD drin ist ;-)

Aber mal zu Fakten: ich habe den Lehrstuhl hier von Solaris auf FreeBSD umgestellt (bis auf einen Ubuntu Server) und es bisher nicht bereut. Die Server laufen teilweise seit Jahren ohne Probleme. Updates und Upgrades funktionieren super. Ich habe mal vergleichen und (biologische) Software vom Source compiliert und "installiert". Selbst bei Linux Sourcen musste ich unter Ubuntu manchmal Hand anlegen, um sie zu kompilieren. Der Gesamt-"aufwand" war ähnlich hoch wie unter FreeBSD...

Dann so Kleinigkeiten wo mich eine Kollegin vor Tagen fragte, warum Java 8 auf dem Ubuntu Server nicht geht. Das ist bei BSD keine Problem, da ist es im (Standard) Repository :) Das sind wirklich Kleinigkeiten... Ach und dann ein Lenovo R51 Laptop. Habe Ubuntu 16.04 installiert - das Ding schmierte immer wieder ab. Dann FreeBSD 10.3 - und der Desktop (XFCE) macht keine Probleme. Liegt wohl auch daran, dass ich explizit den Nvidia Treibder installiert habe. Warum hat das Ubutu nicht gemacht?

Ich habe persönlich Abstand davon gewonnen, die Wahrheit nur in einem OS zu finden. Falls mich jemand fragt: klar nutze ich FreeBSD. Und auf den Servern kommen die User gar nicht drumherum :) Aber ein gut konfiguriertes Windows ist halt auch gut konfiguriert und funktionert. Wie gesagt, nur bei OsX habe ich eine Gänsehaut... Da liebe ich die Einfachheit von *BSD. Das habe ich mal erlebt, wenn man ein Netzwerk konfigurieren möchte. Geht bei Mac alles automatisch, aber wenn es dann hängt... dann hängt es...

Grüße, Norbert
 
Zwei große Themen waren bei mir immer das irrsinnig gute/flexible Package Management und Jails. Gibt aber viel mehr. Mein Hauptaugenmerk ist einfach darauf mir Ärger zu ersparen. Und hat FreeBSD im Vergleich zu anderen Systemen irgendwie immer die geringste Reibungsfläche. Ich habe nichts gegen Linux, aber so was Reduktion von Arbeit bedeutet fahr ich einfach mit FreeBSD am Sorgenfreisten, vor allem wenn es um das typische Produktions-System für irgendein Projekt geht. Ich lauf nicht gerne gegen Wände, egal ob das jetzt Bugs, Eigenheiten, Instabilitäten oder ähnliches ist. So etwas nervt einfach. Und wenn was wirklich Probleme macht ist das Anpassen unter BSD einfacher als auf einzelne Distros. Weiß nicht warum das so ist, aber die Erfahrung hat's gezeigt.
  • Software Management:
    • Hochqualitative Pakete
    • Unter Linux hat man die Wahl zwischen stabil und aktuell und unter FreeBSD ein stabiles Basissystem und aktuelle Software
    • Ich mache einiges mit Postgres und PostGIS oder mit Python 3 oder ähnlichen Dingen. Das sind oft Kombinationen von Software und Softwareversionen, die ich genau so brauche oder haben will. Das ist mit den meisten Linux Distributionen extrem mühsam. Unter FreeBSD setze ich auf poudriere, konfiguriere das einmal und es hat sich.
    • Ich kämpfe nicht mit jedem Update. Das kann unter Linux extrem schwierig sein
    • Generelle Trennung von Basissystem und 3rd Party
  • Security
    • Im Linux Kernel ist einfach zu viel Müll, wo es ständig Unmengen an Lücken gibt. Typischer Fall sind zum Beispiel diverse Parser von man sich echt fragt was das im Kernel verloren hat.
    • Pakete und Lücken im System werden schnell gestopft
    • So Sachen wie keine Raw Sockets per Default im Jail
    • Securelevels, etc. Die kleinen Dinge eben.
    • Anständige Security Advisories. Man weiß woran man ist.
  • Simpel
    • PF ist ein Traum
    • Man muss nie gegen das System arbeiten
    • Extrem schnelles Debugging wenn es Probleme geben sollte. Nichts ist wirklich komisch und es gibt recht wenig Seiteneffekte
    • rc.conf: Davon bin ich einfach ein Fan. Da hat man echt schnell Überblick
    • Cooler Netzwerkstack, vor allem noch cooler mit VNET
    • So coole Performancefeatures, wie Accept Filters, so wie gute sysctls um noch den letzten Rest an Performance raus zu kitzeln
    • Tolle Debugging/Analysetools, wie truss, dtrace, etc.
  • Gute Doku
  • Eine Community die sich über gute Software verteilt (nginx, varnish, postgresql, python, go, etc.)
  • Leicht und stabil erweiterbar. Wenn man ein Tool schreibt, also so ein typisches Sysadmintool dann geht das nach ein paar Monaten noch, auch wenn sich alles was man im Hintergrund verwendet verändert/verbessert hat
  • Wenig bis gar keine Politik. Das ist wichtig für was wo man produktiv drauf auf bauen will. Kann sein, dass ich bestimmte Politik für gut heiße, aber selbst dann ist das meist nichts was ich deshalb produktiv verwenden würde
  • CARP integriert und man muss nicht mit irgendwelchen komischen Tools frickeln
  • Jails (jaja, Linux hat mittlerweile LXC, aber das aktuelle jail tool schlägt es um Längen)
  • ZFS, auch wenn es das mittlerweile in der einen oder anderen Form unter Linux gibt

Ich weiß das ist jetzt viel, aber es kommt einfach auf's Projekt an und da wird eines dieser Dinge gleich das Killerfeature und dabei hänge ich jetzt nicht zwanghaft an FreeBSD, auch wenn simple Administration manchmal einfach das Hauptargument ist.

Auch gut zum Argumentieren: Viele große Firmen und viele Produkte basieren zu großen Teilen auf FreeBSD. Das ist zwar für sich kein Argument, aber das räumt dieses ganze "Das ist nicht stabil und verwendet keiner" und generell, dass es ein Exot sei schnell aus, wenn man da ein paar Beispiele parat hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
Aus meiner Position neigte ich natürlich auch zur Missionierung
Ja war bei mir viel früher auch so, geht meist immer schief. Heute schaue ich genau, "was braucht er, was will er, was passt zu ihm?" Und so sind Leute seit Jahren bis heute mit Linux (z.B. Zorin, was ich persönlich nicht so mag) zufrieden und wollen nix anderes.
unangenehm fallen mir Windows-Nutzer auf
Ich finde Windows ist katastrophal geworden und die User entsprechend auch unzufrieden. ;)

Deshalb empfehle ich niemandem mehr irgendwas und schon gar nicht FreeBSD.
Würde ich (als GhostBSD) den Leuten empfehlen, die

a) mit den üblichen OSS Programmen zurecht kommen und selber nichts installieren, weil "ich habe Angst etwas kaputt zu machen".
b) die def. kein Bluetooth benutzen
c) die "doof" genug sind, ihren Stick aus versehen zu formatieren
d) die ihr Smartphone nur zum Telefonieren benutzen bzw. keine Sync oder Dateiaustausch zum PC benötigen (geht ja mit Linux per Quickshare mittlerweile auch, vielleicht lässt sich rquickshare ja für FreeBSD protieren, siehe auch https://github.com/Martichou/rquickshare)

als NAS würde ich den Leuten auf jeden Fall TrueNAS empfehlen und Server je nach Aufgabe das "Normale" FreeBSD.

Habe aber z.B. mal versucht, mit FreeBSD einen FOG Server aufzusetzen, habe es nicht hinbekommen, mit Ubuntu schon.


Alter Thread, ich weiss. Wäre interessant, wie der Stand heute im Vgl. ist. Mein Test (Ubuntu/Ghost auf einem HP) hat mir ja überraschend gezeigt, dass FreeBSD auf dem Desktop nicht schlimmer sein muss als ein Ubuntu (!).
 
d) die ihr Smartphone nur zum Telefonieren benutzen bzw. keine Sync oder Dateiaustausch zum PC benötigen (geht ja mit Linux per Quickshare mittlerweile auch, vielleicht lässt sich rquickshare ja für FreeBSD protieren, siehe auch https://github.com/Martichou/rquickshare)
Nun ja, aber für so etwas gibt es ja DropBox, WebTransfer etc. ;)

Zum Thema: Ich bin ein eher konservativer Desktop-Nutzer und dementsprechend mit der gegenwärtigen Entwicklung von Debian (und Linux-Allgemein) nicht mehr wirklich einverstanden, darüberhinaus hatte ich bei Debian (welches ich während meiner Linux-Zeit am längsten genutzt habe) das Gefühl, dass das System irgendwie immer träger und behäbiger wird (ohne wirklich zu wissen woran das liegt), während FreeBSD bei mir deutlich flotter und runder läuft.^^
 
Nun ja, aber für so etwas gibt es ja DropBox, WebTransfer etc. ;)
Die erfordern eine Internetverbindung, während Quickshare so wie Airdrop über Bluetooth bzw. WLAN funktioniert, ohne Internet.
Rquickshare (ist ja noch am Anfang der Entwicklung) läuft momentan nur über WLAN (beide müssen im gleichen Netz sein).

mit der gegenwärtigen Entwicklung von Debian (und Linux-Allgemein) nicht mehr wirklich einverstanden
Ich fand die Installation von GhostBSD tatsächlich einfacher als die von Debian 12. Bin bei der Debian Installation irgendwo ständig bei einer Abfrage (ich glaube es war irgendwas mit dem Netzwerk) hängengeblieben und war etwas verwirrt, weil ich immer wieder dort landete.
 
Bin bei der Debian Installation irgendwo ständig bei einer Abfrage (ich glaube es war irgendwas mit dem Netzwerk) hängengeblieben und war etwas verwirrt, weil ich immer wieder dort landete.
Ich vermute mal, dass es um die Abfrage nach der Netzwerkschnittstelle oder um die URL des Spiegelservers ging. Wobei ich aber auch Debian zuletzt vor vielen Jahren neu installiert habe (meistens habe ich mein System über das Upgrade aktuell gehalten). Wobei sich der Debian-Installer meines Wissens nach seit Debian 3.1 nicht geändert hat, wenn man mal davon absieht, dass seit Version 4 auch eine (1:1 aus dem Ncurses-Installer übernommene) GUI-Version des Tools angeboten wird. ;)
 
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