Klage gewonnen und trotzdem unzufrieden

christian83

Well-Known Member
Hallo,

mal wieder was lustiges bei Golem.de gefunden. Es geht um http://www.golem.de/1107/85019.html

In Kurzform hat der Belgische Zeitungsverleger geklagt weil Google News Texte der Zeitung in der Suche anzeigt. Nach einigen Gerichtsverfahren hat Google verloren und musste nun die betroffenen Zeitungen aus dem Index nehmen. Nun sind sämtliche Inhalte des Verlegers nicht mehr zu finden. Jetzt hat der Verleger sein Ziel erreicht, wird aber nicht mehr aufgelistet und beschwert sich jetzt darüber das er durch seine eigene Klage nicht mehr erscheint bei Google...

Was haltet ihr da von? Ich für meinen Teil finde das ganze witzig. Da klagt jemand darauf das etwas auf Seiten dritter entfernt wird, wenn es nun aber entfernt wird passt es auch wieder nicht. Da hat wohl jemand nicht begriffen wie das Internet funktioniert :)

Grüße
 
ich find die reaktion von google gerechtfertigt. witzig, und gerechtfertigt.
wenn jemand oeffentliche webseiten anbietet, dann sollte man sich auch nicht wundern wenn die auch gelesen werden.

ansonsten gibt es immer noch die gute alte robots.txt.
 
Ich seh das als heftigste Machtdemonstration an, kann mir Schadenfreude aber nicht verkneifen.
 
Ich hätte nicht anders gehandelt. Viele Zeitungen lavieren seit Jahren genauso wie die Musik- und Filmindustrie vom bösen Netz und haben nicht begriffen, dass es wohl oder über ihre Zukunft ist. Stattdessen versuchen sie auf Krampf an offensichtlich überholten Geschäftmodellen festzuhalten und ziehen gegen diejenigen, die ihren Hintern noch halbwegs über Wasser halten in den Krieg. Ich bin z.B. durchaus bereit für interessante Artikel zu zahlen und ich schalte auf werbefinanzierten Seiten auch durchaus den Werbefilter aus, wenn der Inhalt es denn Wert ist. Aber wenn ich diese Artikel nicht finde - und ich suche sie nun einmal wie sehr, sehr viele andere Personen über Google News - kaufe ich sie halt nicht und es gibt auch keine Klicks. Und entsprechend werden die Verlage nun sicher sehen, dass sie leicht ersetzbar sind. Außerdem, wieso eigentlich nur Google? Microsoft hat Google News doch geklont...

Edit: Es gibt übrigens auch Gegenbeispiele. Der SH:Z (größter Regionalzeitungsanbeiter in Norddeutschland) hat sich in den letzten Jahren durch eine gute, kombinierte Strategie aus Print- und Onlineinhalten aus der Region sehr profiliert und ist praktisch aus dem Nichts Marktführer geworden. Irgendwelche Klagen über Google waren von dort auch noch nicht zu hören. Stattdessen war in der Berichterstattung über den Fall der Belgier eher der "sind die dumm?"-Unterton zu hören...
 
Zuletzt bearbeitet:
Yamagi, für diesen Fall bin ich da bei dir. Ich seh aber eine Gefahr in dem Verhalten. Ein verlorenes Verfahren darf nicht Anlass für diese Massnahme sein. Ebenso, wie Kritik...
 
Ein verlorenes Verfahren darf nicht Anlass für diese Massnahme sein.
Aber man hat doch geklagt das ohne Genehmigung des Verlages KEINE Texte/Fotos von den Seiten genutzt werden darf von Google, also ist die logische Folge das diese aus dem Index entfernt haben. Also hat Google in diesem Fall nur das Umgesetzt was man durch die Klage erreichen wollte.

Ich vermute aber mal das der Kläger sich über die mögliche Reichweite der der Klage keine Gedanken gemacht hat. In diesem Fall denke ich kann man Google doch keine Vorwürfe machen weil ein Urteil umgesetzt wird. Zumindest sehe ich hier kein Problem :)

Grüße
 
Da hat Google genau das richtige gemacht - wie vom Kläger gefordert! Diese Firmen sollten viel öfter auf die Schnauze fallen, vielleicht würden sie dann endlich aufhören die Gerichte mit so einem Scheiss zu belästigen.

Dazu gibt es auch den passenden Spruch: "Sei vorsichtig mit dem, was Du Dir wünschst - Du könntest es bekommen!"
 
Kann mich ed1949 nur anschließen.

Ich finde die Sache mit den Suchmaschinenklagen ohnehin seltsam. Da kommen Klagen durch, weil Google zensiert obwohl es ja eigentlich ihre Website ist und dann will man in Europa groß Zensurinfrastruktur aufbauen und niemand sagt etwas.

Hat Amazon eigentlich noch immer die Regel, dass man nicht auf ihre Website linken darf, wenn man nicht am Partnerprogramm teilnimmt? Ist/war ja auch so abstrus.

Aber man hat ja sonst keine Sorgen...
 
Ich sehe das alles nicht ganz so einfach - google hat eine marktbeherrschende Stellung im Internet. Damit hat google nicht mehr die Möglichkeit so ohne weiteres alleine zu enstcheiden, wie sie Dinge tun.
 
Ich sehe es ähnlich wie peterle. Es ist nicht so einfach.

Auf eine Weise ist Google natürlich ein Privatunternehmen und kann im Rahmen des Rechtes machen was es will, also wen auch immer aus seinem Index werfen, Bedingungen stellen usw. Aber Google ist inzwischen so groß und hat eine solche Marktmacht, die an ein Monopol erinnern. Und für viele unbedarfte User ist Google der Einstiegspunkt ins 'Internet' überhaupt, insofern könnte man Google schon fast soetwas wie eine Grundversorgungsgpflicht zugestehen, ähnlich dem öffentlichen Rundfunk.
Es ist schon bedenklich, das Google hier versteckt droht: Wer nicht spurt, fliegt raus.

Letztendlich finde ich es auch von Google kleinlich und kindisch, so zureagieren. Sie könnten sehr wohl zwischen Google News und dem Google Index unterscheiden. Dann müssten die Verlage selbst entscheiden, was bei Google auftaucht.

c.
 
Im Spiegel stand ein interessanter Artikel zu dem Thema. Man verglich die heutige Zeit im Internet mit dem Aufkommen der Telekommunikationsunternehmen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Da ist viel wahres dran und so wird es kommen. Am Schluß bleiben nur ein paar wenige marktbeherrschende Unternehmen übrig.
Das liegt vor allem an der Blödheit der meisten Anwender, Kleinunternehmer und vor allem aber der Politik.

Es wäre in meinen Augen allerhöchste Eisenbahn eine Art übergeordnete OpenSource-Suchmaschine zu erstellen oder vielleicht doch wieder zu gopher zurück zu kehren ...
 
Ich verstehe nicht was hier die Argumentation gegen Google ist. Google braucht Textteile aus der Quelle um nach dem Link zu suchen. Nun wurde es verboten, Inhalte zu verwerten, damit kann man NICHTS benutzen, um den Link zu finden.

Darauf folgt: der Link existiert nicht.

Ganz einfach. Google kann nicht Inhalte ausm Hut zaubern, die magisch auf den Link zur beligischen Presse verweisen. Wenn sie auch nur versuchen Begriffe sich aus den Fingern zu saugen, dann werden die Zeitungen behaupten, dass das IHRE Begriffe die eindeutig IHNEN gehören, weil jeder danach suchen würde um sie zu finden und dann müsste Google Strafen zahlen.

Was die Zeitungen wollten, ist wohl Geld von Google zu bekommen für jedes Besuchen ihrer Webseiten. Sollten sie einfach so sagen. Das wäre wenigstens nicht verlogen... und dann würde Google immer noch EXAKT SO reagieren und keine Bots mehr dahin schicken.
 
@nakal Entspann Dich, immer schön locker bleiben. :cool:

Das tatsächliche Urteil kennt niemand, insofern ist man auf Hörensagen angewiesen. Was ich inzwischen gelesen habe ist, dass Copiepress darauf geklagt hatte, das Google die belgischen Verlage aus google news entfernen soll. Ein Richter hat aus Dummheit, Ehrgeiz oder wass auch immer, auch das Entfernen aus dem Index ins Urteil geschrieben hat, weshalb Google dem nachkam, um keine Strafe zahlen zumüssen.

Inzwischen haben sich Google und Copiepress darauf geeinigt, dass Copiepress die Verwendung von Texten im Google Index nicht verfolgen wird und Google die Seiten wieder in den Index aufnimmt.

Andere Quellen hatten heute vormittag anderes berichtet, danach Klang es, als ob Google die belgischen Verlage von sich aus aus dem Index gekickt hat.

c.
 
@nakal Entspann Dich, immer schön locker bleiben. :cool:

Ich BIN locker!!! :grumble:

Andere Quellen hatten heute vormittag anderes berichtet, danach Klang es, als ob Google die belgischen Verlage von sich aus aus dem Index gekickt hat.

Ich glaube nicht, dass Google seine eigenen Geschäftsmethoden über Bord wirft. Ihre Aufgabe ist alles zu indizieren was indizierbar ist. Das klingt schon etwas unplausibel was die "anderen Quellen" da behaupten.
 
...
Ich glaube nicht, dass Google seine eigenen Geschäftsmethoden über Bord wirft. Ihre Aufgabe ist alles zu indizieren was indizierbar ist. Das klingt schon etwas unplausibel was die "anderen Quellen" da behaupten.

Nachdem Du so schön locker bist ... dürfte ich anmerken, daß Googles Aufgabe nicht darin liegt "alles zu indizieren", sondern Geld zu verdienen.
Das ist durchaus legitim - die Methoden IMHO nicht immer.
 
Es wäre in meinen Augen allerhöchste Eisenbahn eine Art übergeordnete OpenSource-Suchmaschine zu erstellen
Wenn ich richtig Informiert bin gibt es einige OpenSource Systeme in diesem Bereich, aber das Problem ist das Suchsystem. Google findet nun mal oft passendere Ergebnisse als andere Suchmaschinen und das ist der Knackpunkt. Was nutzt eine andere Suchmaschine wenn diese nicht das findet was ich suche :)

Mal abgesehen von der Programmierung wird wohl der unmögliche Teil die Hardware sein. Ich vermute mal das für eine Suchmaschine kein 49 Euro/Monat Server ausreichen wird, ein "Hobbyprojekt" wäre niemals in der Lage das Geld zum betreiben einer Suchmaschine aufzubringen.

Ich denke vieles in Bezug auf Google wird oft hochgespielt. Ich nutze selbst seit einigen Jahren Google Mail/Talk/Kalender/Android und habe noch keine Probleme gehabt. Wirklich sensible Daten werden mir auch nur verschlüsselt geschickt und daher sehe ich kein Problem.

Grüße
 
@christian

Ich sehe das so ähnlich, wie Du, was die Umsetzbarkeit angeht.
Allerdings ist das Problem bei Google die Meinung, die sie machen können. Die Suchergebnisse bestimmen deine Meinung und meine und die von vielen anderen auch. Das macht es so gefährlich, wenn es in dem Bereich zu einem derartigen Monopol kommt, wie es aktuell der Fall ist.
Das wirklich hinterhältige ist, daß man es nicht merkt.
 
@peterle:

Ich kann verstehen was du meinst, ich weiß nur nicht ob man das wirklich immer so sehen kann. Klar kann es Menschen beeinflussen wenn sie nur bestimmte Informationen zu Gesicht bekommen, aber es kommt immer sehr stark darauf an nach was man sucht.

Denke wenn ich nach Erfahrungsberichten von Staubsaugern suche ist das recht ungefährlich, bei politischen Themen sehe da eher Risiken. Aber wie gesagt es kommt denke ich immer stark auf den Einzelfall an.

Grüße
 
Ich sehe das alles nicht ganz so einfach - google hat eine marktbeherrschende Stellung im Internet. Damit hat google nicht mehr die Möglichkeit so ohne weiteres alleine zu enstcheiden, wie sie Dinge tun.

Ist es nicht trotzdem Unsinn jemanden, ob Firma, groß, klein, marktbeherrschend oder sonst etwas zu sagen was für Daten sich auf ihrer Website zu befinden haben? Ich sag ja nicht, dass man das gutheißen muss oder gar meiner Meinung dabei sein muss. Aber es ist doch Unsinn jemand (privaten) dazu zu verpflichten diese oder jene Daten bereitzustellen. Es befindet sich ja ohnehin nicht das gesamte Internet in Googles Index und es ist doch auch nicht so etwas, wie ein Menschenrecht, oder?

Auch technisch halte ich es für sehr bedenklich jemanden Daten aufzwingen zu wollen. Ja, ich weiß es ist nur Text, aber Programme, vor allem in interpretierten Sprachen sind auch nur Text.

Jedenfalls ist es gut und interessant sich darüber Gedanken zu machen also danke für den Hinweis, christian83. :)
 
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Denke wenn ich nach Erfahrungsberichten von Staubsaugern suche ist das recht ungefährlich, bei politischen Themen sehe da eher Risiken. Aber wie gesagt es kommt denke ich immer stark auf den Einzelfall an.

Staubsauger? Welche Staubsauger. Suchst Du nach Staubsaugern, findest Du nur noch völlig veraltete Modelle, die leider gerade eben alle nicht mehr lieferbar sind - langsam und schleichend. Dafür gibt es aber die neuen Blas-Mal-Was, die problemlos alles wegpusten ...

Es ist eigentlich egal, um was es geht. die USA haben es damals mit IBM gemacht und vielleicht erleben wir das ja noch einmal.
 
Ist es nicht trotzdem Unsinn jemanden, ob Firma, groß, klein, marktbeherrschend oder sonst etwas zu sagen was für Daten sich auf ihrer Website zu befinden haben?

Nein, find ich nicht. Der Gockel hat durch weitgehend objektive Indexierung eine Monopol- und somit auch eine Machtstellung erreicht. Die Leute verlassen sich auf diese Objektivität und deshalb hat der Gockel in meinen Augen eine Sorgfaltspflicht, da der Kunde ansonsten gezielt desinformiert werden kann.
 
Aber ist es nicht Aufgabe des Nutzers sich aus verschiedenen Quellen zu informieren?

Wenn ich zu Volksbank gehe werden die mich ja auch nicht über Angebote der Sparkasse informieren und ich muss mich selbst darum kümmern unabhängige Informationen zu bekommen. Warum sollte das im Internet anders sein? Nur mal so als Gedankenspiel :)

Grüße
 
Aber ist es nicht Aufgabe des Nutzers sich aus verschiedenen Quellen zu informieren?

Wenn ich zu Volksbank gehe werden die mich ja auch nicht über Angebote der Sparkasse informieren und ich muss mich selbst darum kümmern unabhängige Informationen zu bekommen. Warum sollte das im Internet anders sein? Nur mal so als Gedankenspiel :)

Nicht Auffindbarkeit von Informationen ist in meinen Augen etwas Anderes. Eine erhaltene Information ist verifizierbar, von einer Fehlenden weiss man nichts.

EDIT: Dazu kommt noch der wirtschaftliche Faktor.
 
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