Schönes Thema. Los geht's.
Zu PC-BSD:
Es ist positiv, daß sie versuchen, das Ports-System zu ersetzen. Die Ports werden mit zunemender Paketanzahl immer umständlicher. Für Server, auf den man nur eine Hand voll Programme installiert, sind die Ports ideal. Aber bei einen vollständigen Desktop ist die Wartung zu aufwändig. Wenn man die Ports zum Beispiel mit dem Paketsystem von Arch Linux vergleicht, das technisch einen ähnlichen Ansatz verfolgt, sind die Ports weit abgeschlagen. Es hilft auch nicht anzuführen, daß FreeBSD auf mehr Platformen läuft als Arch Linux (ia32, amd64, etwas PPC), denn für den Desktop sind die anderen Platformen uninteressant. Eine richtige Binärpakete-Verwaltung wäre mir allerdings deutlich lieber als diese PBIs.
Das Problem mit dem USB-Stick erbt PC-BSD leider von FreeBSD.
Zum Server-OS:
Ein reines Server System ist im Unix -Bereich nicht dauerhaft überlebensfähig, wenn man keinen vendor lockin Effekt hat. Es gibt aber keinen Hersteller, auf dessen Hardware nur FreeBSD läuft. Also muß man neue User von FreeBSD erst überzeugen, und man steht in direkter Konkurrenz zu Solaris und Linux. Wobei Solaris wenigstens Sun hinter sich hat.
Der Neu-Unixer evaluiert jetzt FreeBSD, Linux (sagen wir Redhat) und Solaris. Vorausgestzt, der Linux-Hype hat ihn nicht direkt erwischt. Er installiert die drei Systeme auf einem Rechner und testet sich durch die Subsysteme. Er legt eine Tabelle mit drei Spalten und vielen Zeilen an. Welches OS vermittelt wohl den schlechtesten Eindruck?
Ja genau, es ist FreeBSD: Erst kommt sysinstall, das weder GEOM noch ZFS unterstützt, von desktopspezifischen Dingen wie Sound, graphischen Oberflächen und Druckern ganz zu schweigen. Das sieht bei Redhat ganz anders aus.
Danach kommt das Portssystem, das keine festen Versionen mit Sicherheitsupdates kennt und veraltete Pakete mit Sicherheitsproblemen installiert oder Tage zum Kompilieren braucht. Dagegen ist sogar yum eine Rakete. Selbst bei Solaris hat man die Zeichen der Zeit erkannt und eifert apt nach.
Abschließend kommen kommerzielle Backup-Lösungen und Datenbanken auf den Prüfstand. Zertifiziert für: .... (na ihr wisst schon).
Und dann noch die Sache mit USB.
Ehrlich gesagt ist das einzige, mit dem FreeBSD punkten kann die Dokumentation und die Trennung zwischen Base und Drittsoftware. Die Dokumentation ist in der Tat von Haus aus den anderen beiden Systemen deutlich voraus. Aber das lässt sich über Literatur von Dritten auch ausgleichen. Eine eine Trennung zwischen Base und dem Rest gibt es bei Solaris auch. Redhat geht ebenfalls in diese Richtung (EPEL).
Einen Vergleich als Desktop-OS braucht man gar nicht erst starten. Das wäre zu deprimierend: Niederlage in allen Punkten.
Erstaunlicher Weise ist es, zumindest bei mir, gar nicht nicht die Hardwareunterstützung, die mich von FreeBSD auf dem Desktop weggetrieben hat, sondern die Ports. Leider ist die Software-Verwaltung bei pkgsrc noch schlimmer.
Naja, noch ein paar Jahre und Linux hat auch die BSDs und Solaris verdrängt. Die anderen Unices sind heute schon reine legacy.
Meine These (Vorsicht Brandgefahr):
Wenn FreeBSD eine Zukunft haben soll, braucht es Folgendes
- Nur ia32 und amd64 Unterstützung. Alle anderen Hardware-Platformen sind schon tot oder Mainframes.
- Eine Paketverwaltung zentriert auf Binärpakete.
- Einen Installer der mit den neuen Funktionen Schritt hält. Sysinstall scheint im letzten Jahrtausend stehen geblieben zu sein.
- Ausrichtung auf Server und Entwickler-Desktops. Der Multimediabereich ist ohne Unterstützung durch die Hersteller nicht zu halten.
Damit wäre es vieleicht möglich, FreeBSD wenigstens in eine ähnliche Position wie Debian zu bringen. Natürlich wäre ein kommerzieller Background wie bei Redhat oder Solaris noch besser. Aber da sieht es ganz schlecht aus.
MfG
Michael Kauss