Also, alte Männer jammern.
Das ist bekannt.
Frauen jammern angeblich immer und deshalb merkt man oft nicht, dass die alt werden.
Sexismus liegt mir nicht und ich möchte nun nicht auch noch eine Gender-Diskussion anwerfen, aber vermutlich gäbe es ausreichend statistische Unterschiede, um tatsächlich eine geschlechtsspezifische Zuordnung bei manchen Fragestellungen der Technik und IT zu bestätigen. Damit meine ich, dass es unterschiedliche Verteilung dieser Berufe oder Jobs auf die Geschlechter gibt und dass dann, wenn eine Aufgabe gelöst werden soll, womöglich Frauen anders heran gehen als Männer und dass dies so deutlich ist, dass sich messbare Unterschiede einstellen.
Ob sich solche Unterschiede auch finden ließen, wenn man unterschiedliche Generationen untersucht, weiß ich nicht. Es könnte aber tatsächlich sein.
Heute wird ja mitunter großer Aufwand getrieben, um einen passenden Beruf für einen Menschen zu finden. Hilfreich wird dabei ein Psychogramm empfunden, also eine Testung des Charakters, der Wesenszüge eines Menschen, um dann die Eignung eines bestimmten Berufes und der dort typischerweise zu erwartenden Anforderungen für den Kandidaten ab zu wägen. Ob diese genaue Betrachtung wirklich hilfreich ist oder ob nicht vielleicht ein Mensch generell in seinem Leben mehrere Dinge machen möchte, anstatt in einer Schiene zu laufen, möchte ich jedenfalls mal in Frage stellen. Psychologen wüssten hierzu sicher mehr.
Mir fällt auf, dass in meinem Beruf eine bestimmte Gruppe psychisch auffälliger Menschen gehäuft vorkommt und ich meine zu sehen, dass in anderen Berufen und in bestimmten Stellungen tatsächlich immer gleiche Typen auftauchen. Das geht mitunter bis in die Äußerlichkeiten. Am ehesten fällt dies auf, wenn man die Manager großer Unternehmen betrachtet und Kleidung, Gesten und Habitus vergleicht: kaum ein Unterschied. Oder hohe Beamte oder Showmaster oder Vertreter von Parteien. In vielen Berufen treten bestimmte Typen gehäuft auf.
Es würde mich nicht wundern, wenn eine bestimmte Konditionierung bevorzugt bei Menschen anzutreffen ist, die OpenSource SW wählen. Allerdings ist mir diese Typisierung nicht klar, denn die möglichen Gründe für diese Wahl sind ja mannigfaltig.
Es wurde hier in den letzten Beiträgen vorgetragen, was man auch mit einem Windows alles machen und basteln kann und so gezeigt, dass diese Begründung für OpenSource nicht unbedingt greift. So könnte ich weitere Argumente aufzählen, wie Sicherheit, Betriebssicherheit, Zuverlässigkeit, Freie Wahl der SW und so weiter. Meiner Ansicht nach sind das zwar häufig genannte Gründe und sie spielen deshalb sicherlich eine große Rolle bei der Motivation zu OpenSource, aber sie alle können (wenigstens teilweise) entkräftet werden. Trotzdem kann das ein Hinweis auf einen bestimmten Typ sein, der OpenSource nutzt.
Unverkennbar ist jemand, der OS wählt, in einem exklusiven Club.
Das ist vielleicht eine wichtige Feststellung. Meiner Erfahrung nach machen viele OpenSource-Nutzer, wenn sie sich bewusst für diese Systeme entschieden haben, auch ansonsten Dinge nicht so, wie die Allgemeinheit.
Es gibt da unter Anthropologen die These, dass eine gewisse Anzahl von Menschen so genannte Entdecker-Typen sind. Die Schätzungen gehen wohl in die Gegend von 5% bis 15% dieser Typen an der Gesamtbevölkerung. Solche Leute wollen gelegentlich mal etwas probieren und ausgetretene Pfade verlassen. Wenn man weiß, dass etwas irgendwie garantiert gelingt, dann ist es doch langweilig und man sollte vielleicht aus purer Neugierde mal einen neuen Weg versuchen. Leider misslingen die absolut meisten dieser Versuche und so gehören solche Leute oft nicht zu den erfolgreichen in einer Gesellschaft (die auf Gewinner gepolt ist).
Dann gibt es „Rebellen“. Das sind Leute, die schon aus purer Angewohnheit „B“ sagen, wenn alle anderen „A“ wollen. Mich selbst bezeichne ich gerne als misstrauischen Skeptiker, ich glaube zunächst nichts und vertraue niemandem, also muss ich selbst versuchen, Dinge herauszufinden. Und dann gibt es Überzeugungstäter, zu denen ich mich hinsichtlich OpenSource ebenfalls zähle. Das erkläre ich immer gerne mit dem Beispiel der Schuhe. Wenn uns nur die Eigenschaft von Schuhen interessiert, können wir getrost die billigsten kaufen, die es in dieser Art gibt. Einige von uns wollen aber keine Schuhe, die mit Hilfe von Kinderarbeit hergestellt wurden und sehen deshalb genauer hin, haben nicht nur die Eigenschaften des fertigen Produktes im Blick, sondern gewisse ethische Anforderung an den Herstellungsprozess. Mir geht das so bei OpenSource. Deshalb erkläre ich auch oft, dass ich einen quasi-religiösen Zugang dazu habe und deshalb auch missionieren möchte, weil ich eben OpenSource für richtig halte und konsequent umsetzen will. Das ist, wie bei vielen Vegetariern. Die essen nicht deshalb kein Fleisch, weil es ihnen nicht schmeckt oder weil es zu schwierig zu bekommen ist. Sie treffen diese Entscheidung, weil sie ethisch richtig erscheint und vielleicht auch, weil man damit eine gewisse Exklusivität erhält.
Schließlich kann ich mir dann auch noch die Typen vorstellen, die einfach nur über OpenSource stolpern, sich keine Gedanken darüber machen und es einfach nutzen. Vielleicht, weil es billig ist.
Wir haben in der Vergangenheit schon häufiger Gründe diskutiert, weshalb der ein oder andere bei FreeBSD gelandet ist oder auch bei anderen OpenSource-Systemen. Sicher habe ich nicht alle genannt.
Wie gesagt, mir ist nicht klar, welche statistischen Zusammenhänge man fände und ob sich daraus ein bestimmtes Bild ergäbe, das einen typischen Nutzer von OpenSource oder auch von FreeBSD beschreibt.
Erst dann, wenn man ein solches Bild hätte, könnte man Vergleiche anstellen, ob sich dies vielleicht in unterschiedlichen Generationen (oder meinetwegen auch Geschlechtern) aus irgendwelchen Gründen eher finden lässt, als bei anderen.
Mir schwant, dass es keine Unterschiede bei den Charakter-Typen zwischen den Generationen gibt.
Grundlegende Charakter-Eigenschaften scheinen resistent zu sein.
Es gab früher schon Entdecker und die gibt es auch heute noch, oder Neugierige, überzeugte oder aus Zufall über etwas Stolpernde.
Eine andere Frage ist die, des Vermögens.
Also, vermag überhaupt ein Nutzer ein bestimmtes OpenSource-Angebot zu nutzen.
Wer kein Internet hat, wird sicherlich viel schwieriger an solche Systeme und SW herankommen und womöglich gar keinen Zugang finden. Wer nicht gelernt hat, Tastatur und Maus zu bedienen, wird auch kein FreeBSD installieren können.
Hier hat sich sicher etwas gewandelt, denn die Einstiegs-Voraussetzungen sind heute sehr viel günstiger, als sie es früher waren. Leute, die heute zu FreeBSD wollen oder zu anderen OpenSource-Systemen, die haben es sehr viel einfacher damit, als zu Zeiten mit schlechter oder gar keiner Internet-Anbindung.
Weil quasi jeder heute Internet hat, kann er aber noch lange nicht automatisch ein OpenSource-System installieren und schon gar nicht FreeBSD. Hierzu gehört eine gewisse Kompetenz.
Wer sein eigenes FreeBSD haben will, muss System-Administrator sein.
Er muss Unix-Sys-Admin sein. Ich meine, das ist ein sehr großer Unterschied zu einem End-Anwender, der irgendein ein fertiges System nur benutzt.
Der Gebrauch vieler OpenSource-Systeme setzt nicht voraus, diese Kenntnisse zu haben und zwar deshalb, weil sich Leute freiwillig darüber Gedanken gemacht haben, wie man einem Endanwender ein System vorbereiten und darstellen kann, damit er dies ohne tiefere Kenntnisse benutzt. Nicht den Weg, erst alles zu erklären und den Endanwender schlau zu machen, sondern jenen Weg, ihn möglichst ohne jede Kenntnis zu befähigen, Freie Systeme zu nutzen. Solch ein Nutzer hat dann nicht die notwendige Kenntnis, sein System nach seiner Wahl zu modifizieren. Er ist bloßer Anwender, wie es der Nutzer eines Microsoft in aller Regel ist.
Da gilt der Vergleich, dass wir auch nicht erst noch lernen müssen, wie man ein Auto baut, um eines zu fahren. Das war nicht immer so.
Hier sehe ich nun tatsächlich einen Unterschied zwischen den Generationen.
Während es „früher“ bereits exklusiv war, überhaupt einen PC zu haben und zu benutzen, ist dies heute eher umgekehrt. Es war gar keine Frage, dass die ersten PC (oder vielleicht generell Computer)- Nutzer noch viele Grundlagen erlernen mussten, um überhaupt damit umgehen zu können. Sie wollten dies auch und investierten sehr viel Zeit. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die „Gründer“-Generation eine andere Mischung von Charakteren und Psychogrammen aufwies, als dies heute bei Anwendern der Fall ist. Ja, ich möchte so sagen, dass es den reinen Anwender damals gar nicht geben konnte, so wie es zu Anfängen des Automobils nicht einen reinen Fahrer geben konnte, der nicht auch sein eigener Mechaniker war. Und wie beim Automobil, wird diese Gründer-Generation uns langsam aber sicher verlassen.
Dass sich aber aus dieser Generation nun Leute finden, die sich damals gegen Computer entschieden hatten und die nun freiwillig alles nachholen und lernen möchten, Systemadministrator werden wollen, nur um mal eine Mail zu schreiben, ist sicherlich illusorisch.
Ebenso wird nicht ein junger Mensch Stunden damit verbringen wollen, die Lösungen zu Problemen zu verstehen (etwa optimale Ausnutzung schmaler HW), die heute gar nicht mehr existieren.
Es gibt sicher wieder die erwähnten anderen Motive, die charakterliche Disposition und vielleicht auch den Zufall. Aber insgesamt erwarte ich eher weniger Zugänge aus der jungen Generation, im Verhältnis zur PC-Nutzung insgesamt. Weil die das nicht mehr brauchen, sie haben das nicht mehr nötig. Es wächst heute jeder mit Computern auf, auf denen bereits Betriebssysteme installiert sind und die fertig zur Nutzung bereit stehen.
Der Zugang zu OpenSource ist heute vor allem für junge Menschen sehr viel einfacher
Die Motivation, vor allem bei Systemen wie FreeBSD, die aufwändig erarbeitet werden müssen, ist eher kleiner im Vergleich zu früher.
Dass deshalb die jüngeren Menschen dümmer wären, ist natürlich blanker Unsinn.
Die Entdecker-Typen werden sich heute eher anderen Themen zuwenden. Welche das sind, kann ich nicht sehen, aber Betriebssysteme auf Computer zu basteln hat so gut wie gar keinen Reiz mehr.
Lasst mich mal den Vergleich zu Ikea bringen. Die liefern Möbel in Bausätzen, also irgendwie mit FreeBSD vergleichbar. Nur, die Komponenten sind absolut exakt auf Maß vorbereitet und es existieren sehr einfache Anleitungen zum Zusammenbau und es kann sinnvoll nur genau ein Ergebnis erreicht werden. Es kann nicht aus Teilen zu einem Stuhl ein Tisch gebaut werden (vielleicht von einigen besonders kreativen Bastlern abgesehen). Der Stuhl entsteht genau dann, wenn man der Anleitung exakt folgt. Es entsteht Murx, wenn man dies nicht tut.
FreeBSD könnte so sein, aber es liefert eher eine Reihe von Bauteilen, die weit universeller sind. Die Bestandteile eines Stuhlbeines etwa, so dass man daraus auch ein Tischbein anfertigen kann und dann passend dazu verschiedene Lacke, mit denen das Ergebnis individuell eingefärbt werden kann. Dafür kann natürlich nicht eine einfache Anleitung geschrieben werden, dazu braucht man grundlegendes Wissen und Fähigkeiten, die einem Handwerker sehr nahe kommen, der etwa Tischlern als Beruf erlernt hat.
Wenn wir nun eine ganz nüchterne Kosten- Nutzen- Rechnung aufmachen und sehen, dass das gewünschte Ergebnis unserer Aktivität eh schon bekannt ist (wir wollen einen grünen Stuhl und garantiert keinen Tisch), dann ist es vielleicht sehr viel vernünftiger, direkt einen fertigen Stuhl zu kaufen oder wenigstens einen Ikea-Like Bausatz, anstatt erst noch den Umgang mit Holz, Hobel, Säge und Pinsel zu erlernen, um aus grundlegenden Stoffen einen Stuhl selbst zu fertigen. (Dabei gehen wir gar nicht mal selbst in den Wald und suchen aus einem Baumbestand, den Vorfahren vor hunderten Jahren gepflanzt haben, einen passenden aus, den wir fällen und weiter verarbeiten). Wer nur einmal einen Stuhl braucht, wird auch beim selbst-Anfertigen nicht die nötige Übung haben, um etwas wirklich Gutes zu fabrizieren. Es macht keinen Sinn das Abenteuer einzugehen und Stuhl-Herstellung zu erlernen, viel sinnvoller ist, ein fertiges Produkt zu kaufen.
Nunja, und so funktioniert unser Leben heute ja generell.
Es gibt kaum noch einen Sinn, irgendwas selbst anzufertigen. Es gibt für alles fertige Lösung in hoher Qualität und Perfektion günstig zu kaufen. Die Entwicklung scheint weiter in diese Richtung zu laufen.
Nochmal: dafür können junge Menschen heute gar nichts. Es ist eben so, dass sie weit mehr noch als wir älteren in einem Umfeld aufwachsen, in dem es alles fertig und günstig zu kaufen gibt und wo es keinen Sinn macht, irgendetwas noch selbst anzufertigen. Die Ansprüche an Perfektion sind so hoch geworden, dass sich auch niemand mehr traut, seine eher unzulängliche Handarbeit zu präsentieren. Computer kauft man mit einem installierten Betriebssystem und da fängt man nicht erst noch an, etwas zu Basteln, schon gar nicht, wenn das Ergebnis weniger schön, einfach und effektiv ausfallen könnte.
Dies ist nicht als Kritik an der Gesellschaft und jüngeren Generationen gemeint, es ist ein Versuch, Unterschiede zu beschreiben, die mir auffallen.
Wie sagte vor Jahrzehnten mein Physik-Lehrer: „Mädels sind im allgemeinen ziemlich dumm. Wenn sie aber mal schlau sind, sind sie oft furchtbar schlau!“
Vielleicht ist das eine Beschreibung, die heute auch für Leute gilt, die sich dann nicht einfach vor ein fertiges Betriebssystem setzen. Die wenigen, die sich dann wirklich dafür interessieren, die investieren so viel in dieses Thema, dass sie beeindruckendes leisten. Früher war die Beschäftigung mit der Thematik einfach eine funktionelle Notwendigkeit. Auch, wer sich nicht dafür interessierte, musste Zeit investieren, um Grundfertigkeiten zu erlernen. Früher gehörte das einfach eher dazu, heute ist es eher eine Ausnahme, wenn jemand selbst Hand anlegt um etwas zu Basteln.
Ich sehe da durchaus Potenzial für Unterschiede zwischen den Generationen, sowohl hinsichtlich der Herangehensweise, als auch hinsichtlich der Ergebnisse und diese Unterschiede sind sowohl historisch, als auch gesellschaftlich begründet. Alleine schon die geschilderten Änderungen haben im Laufe der Zeit stattgefunden und sie werden sich niedergeschlagen haben. Man müsste Daten sammeln und auswerten, um wirklich etwas in der Hand zu haben. Aber mir erscheint es nahezu unabwendbar, dass sich Unterschiede bemerkbar machen.
Es kann beinahe nicht sein, dass es keinen Generationen-Unterschied gibt, auch bei der Anwendung von OpenSource und speziell von FreeBSD.