und vorstellen kann man sich natürlich immer viel, aber den "typischen BSDler" gibt es gar nicht. Wahrscheinlich gibt es auch keine typischen Deutschen und so nen Quatsch. Oder muss ich dann DSDS mögen, weil 60% meiner Landleute das tun, nur um typgerecht zu bleiben?
Es kann sein, dass es bestimmte charakterliche Eigenheiten gibt, die Anhängern eines Betriebssystems gemeinsam sind. Es würde mich aber wundern, wenn darüber belastbare Untersuchungen dokumentiert wären.
Natürlich müssen aber alle, die mit solch einem OS leben wollen, auch mit ihm und seinen Eigenheiten umgehen lernen. Das sorgt für eine gewisse Einheitlichkeit unter den Nutzern, doch gerade bei FreeBSD hören die Gemeinsamkeiten doch sehr früh auf, weil jeder sich seine eigene Kiste nach eigener Vorstellung zusammen stellt. Und ja, genau das lieben die meisten FreeBSDler tatsächlich, dass ihnen niemand detailliert vorgreift und bestimmt, was in einem System eingebaut werden muss.
So gibt es wahrscheinlich nicht nur nicht den typischen FreeBSDler, sondern noch nicht mal den typischen FreeBSD-Desktop.
Deshalb kann es auch keine Dokumentation für alle geben, es kann keine Antworten auf typische Fragen geben und jeder muss für sich selbst Anstrengungen unternehmen und seinen eigenen Weg wählen. Das bedeutet immer auch experimentieren, bis man weiß, was man will und was man auch umsetzen kann.
Zumindest geht es mir so und ich bin eben auch niemand, der das erlernt hätte oder irgendwelche Voraussetzungen aus Schule, Ausbildung oder Beruf mitbringt. Ich habe keine Ahnung, aber wenigstens das habe ich in meiner Zeit mit FreeBSD schon mal erkannt.
Linux ist genauso.
Den alten Namensstreit möchte ich nicht jedes mal neu aufwärmen, aber ich gehöre aus verschiedenen Gründen der Fraktion an, die Linux nur als Namen für den Kernel benutzen möchte. Dann sind die meisten Systeme GNU/Linux und im embedded-Bereich gibt es oft busybox/Linux. GNU/Linux findet man auf Desktops fast ausschließlich mit einem X-Server, einem Fenstermanager oder sogar Desktop-Environment und weitergehenden Anwendungen. In einem FreeBSD-System ersetzt FreeBSD gerade GNU/Linux und bietet einige wenige Systemverwaltungstools. Doch alles, was man so einbaut und realisieren möchte, braucht die gleichen Arbeiten und Leistungen, wie bei einem GNU/Linux.
Wenn du das nicht gebraucht hattest, dann hattest du sehr wahrscheinlich ein System benutzt, bei dem andere Leute diese Arbeiten erledigt und alles passend zusammen gestellt haben, möglicherweise auch noch mit einigen extra Tools. Das ist aber keine Linux-spezifische Eigenschaft, das gehört zur Leistung einer Distribution.
Damit ist FreeBSD nicht vergleichbar.
Die beliebteste Distribution auf Basis von FreeBSD, die dann mit solchen Linux-Distributionen vergleichbar wäre, ist PC-BSD.
FreeBSD ist meiner Einschätzung nach nicht stabiler, als GNU/Linux.
Es gibt bei beiden natürlich experimentelle Stadien und es gibt besonders bei GNU/Linux häufig distributionstypische Kernel-Erweiterungen, die meist der Bequemlichkeit der Nutzer dienen sollen und die dann vielleicht einen Unterschied in der Stabilität bedeuten mögen. Doch generell läuft ein GNU/Linux und läuft und läuft und läuft und bricht niemals zusammen, eben so, wie FreeBSD auch. Von extremen Sonderfällen abgesehen, gibt es da keine Unterschiede, beide stabil und solide. Und das dürfte für die Mehrzahl der heute benutzen Betriebssysteme gelten. Egal, ob von SUN oder Mac entwickelt, die laufen stabil.
Das gilt nicht für alle Anwendungen.
Aber, wenn in einer Version von OpenOffice ein schlimmer Bug drin ist, dann ist er unter GNU/Linux drin und unter FreeBSD und Solaris oder was auch immer. Wenn dann OpenOffice abschmiert, schmiert es unter jedem System ab.
Das darf man jedenfalls nicht verwechseln oder man wird evtl enttäuscht.
Und das gilt natürlich auch, wenn ein System mangelhaft konfiguriert ist und deshalb in seinem Einsatzgebiet versagt. Das kann einem bei FreeBSD ebenso passieren, wie bei einem GNU/Linux, vielleicht sogar noch eher.
Man müsste mal eine Umfrage starten. Aber ich glaube nicht wirklich, dass die Mehrheit der FreeBSD-Nutzer ernsthaft als Grund für ihre Wahl angeben, dass FreeBSD stabiler ist oder besser als GNU/Linux. Wobei man die Begriffe natürlich noch genauer bestimmen müsste. Solche Gerüchte verbreiten sich häufiger bei nicht-Nutzern, als bei Leuten, die tatsächlich mit dem Material umgehen. Es wird vermutlich sehr schwierig, die Wahl für FreeBSD mit nüchternen Argumenten zu untermauern.
Jedenfalls, "mal ansehen" geht nicht bei FreeBSD, weil durch Ansehen gar nichts eingestellt, konfiguriert und weiter eingebaut wird. "Mal ansehen" kann man sich PC-BSD, aber durch bloßes Ansehen kennt man auch noch nicht die vielen weiteren Möglichkeiten des Systems. Und das gilt ähnlich auch für GNU/Linux.
Mit FreeBSD musst du basteln. Und da kannst du nicht davon ausgehen, dass du immer alles richtig machen wirst und mit dem Ergebnis, so es denn überhaupt funktioniert, dauerhaft zufrieden sein wirst. Grundlage für das Basteln ist Lesen und verstehen der Dokumentation, was mitunter nicht einfach ist und Gottlob findet man dann hier Leute, die einem zu helfen versuchen, was wiederum nicht bedeutet, dass sie einem die Arbeit abnehmen. Diese guten Leute haben ja auch was anderes zu tun und deshalb weisen sie oft nur die Richtung zum rechten Weg, den man dann selbst aber noch finden und beschreiten muss. Und manchmal gibt es nicht "einen" rechten Weg, da gibt es viele mögliche Wege und man muss sich selbst für einen entscheiden. Da kann es dann sein, dass man sich ganz alleine so entschieden hat und niemand genau helfen kann. Dann besteht die Hilfe in Ideen und konstruktiven Erklärungen, die man hier bekommen kann.
Zu einer Fehlersuche sind oft Informationen wichtig, von denen man natürlich erst dann weiß, wenn man sich in die Materie schon eingearbeitet hat. Auch dieses Einarbeiten kann dir niemand abnehmen, aber man kann vielleicht Tips geben und versuchen zu helfen. Der eine kann das besser als der andere, logisch. Jeder tut das hier so gut er es eben kann und mit seinen Möglichkeiten und Mitteln und mit so viel Zeit, wie jeder aufbringen will. Es bleibt aber dein Problem und dein System und niemand kann dir oder wird dir die Arbeit einfach abnehmen und ein fertiges Ergebnis auf deine Fragen liefern. Das liegt in der Natur der Sache. Wo es fertige Antworten schon gibt, sind die ja einfach zu googeln und da braucht nicht hier noch gefragt zu werden.