Dem, was die anderen gesagt haben, schließe ich mich weitgehend an. Ich habe einen Kindle 4, 3½ Jahre alt, E-Ink mit 16 Graustufen, WLAN, kein Mobilfunk, ohne Touchscreen und Hintergrundbeleuchtung, dafür aber mit Linux-Betriebssystem, in das man sich reinhacken kann

. Schön finde ich auch, daß man bei Amazon Ebooks verleihen kann an andere Amazon-Accounts bzw. Kindle-Geräte. Und daß man eine große Sammlung von Klassikern kostenlos bekommt; so habe ich doch auch mal Goethes "Werther" gelesen. Zwar in eingeschränkter Qualität, mit einigen Druckfehlern, aber ... geschenkter Gaul! Die Dinge, die ich am Kindle nicht mag, betreffen hauptsächlich die Software:
- Gängige Ebook-Formate wie EPUB werden nicht unterstützt, nur Amazons eigener Käse.
- Der PDF-Reader ist sehr unhandlich. Man muß bei DIN A4 ständig (ohne Touchscreen!) einzelne Teile der Seite heranzoomen, um etwas lesen zu können.
- Der Web-Browser läßt viele grundlegende Funktionen missen, z. B. das Laden und Speichern von Dateien. Und bei HTML-Konstrukten, die er nicht darstellen kann, verweigert er z. T. die Darstellung der Seite komplett, statt einfach nur sein Bestes zu geben.
- Ebenso die Lesesoftware: Sie kann keine Fußnoten darstellen (mein Gott, das konnten Textverarbeitungsprogramme schon vor dreißig Jahren!), sondern fügt diese in Grau und in Klammern in den Fließtext ein; sie kann sich keine Seitenaufteilung merken, daher steht derselbe Satz, je nachdem, wie man an die betreffende Stelle gelangt, mal oben und mal unten auf der Seite; und viele ärgerliche Kleinigkeiten in der Bedienung wie z. B. das Fehlen sehr naheliegender Tastenfunktionen.
- Kein Bildbetrachter! Wie einfach wäre es, einen Wrapper für den PDF-Reader oder eine Ladefunktion für den Web-Browser anzubieten!
- Ein Deppen-Wörterbuch. Da kannst Du nachschlagen, was Wörter wie "Haus" oder "Baum" bedeuten. Fremdwörter finden sich dort eher nicht.
- Das Gerät ist in allen Bereichen wenig oder gar nicht konfigurierbar. Besonders ärgerlich ist z. B. die Selbstabschaltung nach 10 min Inaktivität, nix veränderbar. Bei Fachbüchern brütet man oft mal 10 min über einer Seite - und wird dann gestört.
Die Software wirkt wie aus grobem Holz geschnitzt, wenig sorgfältig, wenig durchdacht. Und Amazon hat keine Bereitschaft gezeigt, hier nachzubessern. Man hat zwar ein, zwei kleinere Firmwareupdates herausgegeben, die enthielten aber eher Bugfixes, kaum Verbesserungen in der Funktion.
Zwei Dinge habe ich an der Hardware noch zu meckern:
- Der fest verbaute Akku, nicht austauschbar (zumindest nicht durch mich).
- Die Nicht-Abschaltbarkeit. Das Gerät bietet zwar nebst Standby ein angebliches "Aus", aber das ist nur ein tieferer Schlafzustand und macht nach und nach die Batterie leer. Wehe dem, der den Kindle mal einige Monate im Schrank liegen läßt!
Grundsätzlich würde ich Dir raten: Kauf Dir einen! Aber finde vorher genau heraus, was das Gerät alles
nicht kann und welche Kröte Du bereit bist zu schlucken. Ich bin ein eher analoger Mensch und hätte mir den Kindle nie selbst gekauft. Bücher aus Papier sind etwas Feines. Aber seit ich ihn zum Geburtstag bekam, habe ich ihn zu schätzen gelernt, besonders unterwegs - und heute möchte ich ihn nicht mehr missen.