Auf der Front mit dem 64 Bit Blob geht's voran. Angeblich wird es schon in wenigen Wochen einen grundüberarbeiteten 32Bit Blob geben, der dann FreeBSD 7.3 oder 8.0 voraussetzen wird. 64Bit weiß ich nicht, aber ich bin da recht zuversichtlich. Das zu dem Thema.
Aber zum Hauptthema. Ich habe das Gefühl und schrieb es gestern schon im IRC, dass nVidia ein ziemlich übles Problem hat. Die stürzen gerade von ihrem hohen, von Arroganz getragenen Ross herunter. Ich weiß auch nicht, ob es mir nun aufgrund der vielen guten, gemeinsamen Jahre (meine GeForce 256, meine GeForce FX, Geforce 6, diverse Chipsätze, etc) Leid tun sollte oder ich eher schadensfroh (die letzten Jahre) grinsen soll. Gehen wir das mal durch:
- Chipsätze. Da sind sie nun also raus. Gut. Nicht schade drum. Aber, SLI ohne Chipsätze? Den Gefallen wird ihnen AMD sicher nicht tun. Intel verbaut ebenfalls Crossfire in die Chipsätze, bekommen sie es doch durch das Patentabkommen mit AMD kostenlos. Ihre Zusatzprozessorlösung? Kann das funktionieren? Werden Board-Hersteller wirklich Geld dafür zahlen SLI einbauen zu dürfen, wenn sie Crossfire kostenlos bekommen? Von beiden großen Chipsatzanbietern?
- Grafikkarten. Was gaben sie schadenfroh gelacht, als ATi geschluckt wurde. Was haben sie über den nicht ganz so tollen Radeon R600 gelacht? Doch am Ende zahlte sich AMDs Strategie aus. Schon dem R700 konnte nVidia nicht wirklich kontern, der R800 zersäbelt sie. Nicht unbedingt in der Leistung, aber in den technischen Daten. In den Kosten. Ein R800 Prozessor hat eine Die-Fläche von ~190mm², einen maximalen Bus von 256 Bit. Er lässt sich also mit einem 3 Layer PCB realisieren. Der GT200 hingegen hat ein >400mm² Die. Viel höhere Fertigungskosten, viel geringeres Yield. Sein mindestens 448 Bit breiter Bus benötigt angeblich ein 6 Layer PCB. Ich bekomme bei ATi eine Karte für ~150 Euro, bei nVidia zahle ich für die gleiche Leistung 200 Euro und habe noch immer kein DX11. ATi dürfte damit noch gute Gewinne machen, nVidia ist nach eigenen Angaben schon an der Schmerzgrenze.
Und was bringt die Zukunft? Das Weihnachtsgeschäft macht ATI, gut so. Die müssen auch mal Geld verdienen und werden in Sachen Marktanteil nun wohl nach Jahren das erste mal mit nVidia gleichziehen. Und danach? Der Yield des Testprozess direkt nach dem tape-Out des "Fermi"-Prozessors soll ein Yield von 2%(!) gebracht haben. 4 Waver haben angeblich 7 bis 9 Prozessoren ergeben. Nun hat nVidia die "Karte" gezeigt, nur um zugeben zu müssen, dass sie ein Fake war. Tja. Und dieser Chip mit 2% Yield und der anscheinend nicht mal präsentierbar existiert, soll noch dieses Jahr kommen? Wenn überhaupt in geringsten Mengen und zu Höllenpreisen. Oder anders gesagt, sie werden AMD kaum vor dem Ende des ersten Quartals 2010 kontern können. Bis dahin muss es irgendwie so gehen. Oder doch nicht? Gerüchte besagen, dass nVidia das High-End Segment erstmal aufgeben wird. Dementiert wurde es nicht, bestätigt auch nicht, auf die Frage, weshalb die Karten nicht lieferbar sind, faselt man was von "Zu geringer Produktionsmenge." Wobei man doch eigentlich recht gut prognostizieren kann, wie viel nachgefragt wird.
Bleibt also GPGPU aka Cuda. Aber das kann nVidia mit seinem vielleicht 3% Anteil am Umsatz nicht aus der Kacke ziehen. Ebenso wenig die neuen Embedded-Plattformen. Das ist eine verdammt üble Situation, so schlecht ging es nVidia seit mehr als 10 Jahren nicht mehr. Und in einer Branche, die es gerade einmal so lange gibt, ist das Menge Zeit. Bezeichnend ist auch, dass der nVidia-Chef kurz vor der Vorstellung des R800 seine eigenen Aktien verkauft hat. Es sieht also schlecht aus.
Wir Kunden können nur hoffen, dass nVidia sich berappelt. Denn bei aller Treue zu AMD, Monopole taten noch nie gut. Aber vielleicht nutzt auch jemand anders die Chance, Intel dürfte zum Beispiel sehr großes Interesse daran haben, in den Markt professioneller Grafik zu kommen. Da der eigene Larabee immer mehr zu Varporware wird und auf dem Papier längst veraltet ist, wäre nVidia doch ein schönes, derzeit günstiges Schnäppchen.