Linuxtag - ein Bericht.

buebo

Well-Known Member
Ich hatte gestern leider keine Zeit mehr, aber da ich wie's scheint der einzige bin der es dieses Jahr zum Linuxtag geschafft hat, wollte ich mal an dieser Stelle einen kleinen Bericht erstatten, vielleicht schaffe ich es sogar ein paar von euch zu motivieren nächstes mal zu kommen, so das wir es zu einem kleinen Forumstreffen packen.
Das Karlsruher Messe und Kongresszentrum war für mich als IAA gewohnter Frankfurter eine kleine Offenbarung, anstatt grosser Messehallen und teurer Bratwurststände viel Grün, kostenloses WLAN und ein Bratwurststand mit zivilen Preisen. Klar was wir als erstes ansteuerte.
Nachdem wir uns ausreichend verköstigt hatten beschlossen wir uns gleich in die Politik zu stürtzen und besuchten den Vortrag von George Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe. George's Vortrag hatte den Titel "Wir wählen die Freiheit" und beschäftigte sich vor allem mit dem Stand der Dinge was Software Patente, Markenrechte und natürlich die Arbeit der FSF betraf. Natürlich fehlte auch nicht die Erwähnung der GPL im Vergleich zur BSD-Lizenz ("Die GPL und die LGPL sind die stärkeren Lizenzen"). Trotz kleinerer Ideologischer Konflikte ein sehens und höhrenswerter Vortrag.
Solchermassen Ideologisch Imprägniert stürtzen wir uns in's Messegtümmel, das ich mir für die "größte OpenSource Messe Europa" doch etwas größer vorgestellt hatte, wobei zwar jede Menge grosse Firmen mit Vorträgen und Ständen dabei waren alles in allem aber doch nur eine Halle voll war.
Der größte Teil der Aussteller waren allerdings Open Source Projecte, so waren Gentoo, OpenOffice, das Linux XBOX-Project wie auch Open und NetBSD, wobei der OpenBSD-Stand zum größten Teil aus Merchandise bestand, T-Shirts kosteten 20¤, Poster gab's für Lau (zum Glück hatte ich meinen Rucksack dabei).
Nachdem wir einmal alle Aussteller abgegrast hatten verliessen wir die Halle durch ein paar offenen Glastüren, was uns auf eine grüne Wiese brachte auf der sich schon einige blasse Geeks tummelten und sich gegenseitig den WLAN Empfang streitig zu machen versuchten.
Nun muss man wissen das das Karlsruher Messe und Kongresszentrum auf einer Zeite an den Zoo angrentzt, man kann also durch die Halle Maschieren, OpenBSD Poster, RedHat CDs und Sun-Schlüsselbänder abgreifen und sich dann erst mal unter einen Baum auf die Wiese legen und Flammingos beobachten. Danach gingen wir noch zu einer Fragerunde bei der sich 6 Linux Kernel Hacker auf dem Podium versammelt hatten und die Fragen des Publikums beantworteten. Eine Überraschung für mich, ich hatte alte Männer mit langen Bärten (á la Stallmann oder Cox) erwartet, allerdings tummelten sich auf dem Podium fast nur Leute in den zwanzigern während die langen Bärte im Publikum saßen. Wahrscheinlich ist das der Unterschied zwischen GNU und Linux.
Am Sonntag morgen wurschtelte ich mich früh aus meinem Bett um den Vortrag eines c't Redakteurs über TCPA mit anschliessender Podiumsdiskussion zu hören. Der Vortrag selbst war zwar gut, brachte aber auch nichts wesentlich neues ans Tageslicht, im Wesentlichen wurden die unterschiedlichen Funktionen des TPMs und der Software erklährt, wobei nochmal die Trennung von Hardware uns Software betohnt wurde.
Die Anschliessende Podiumsdiskussion war da schon etwas Informativer. Geladen waren zwei Forscher von IBM und HP, zwei Krypto-Experten, einer aus dem CCC-Umfeld und ein Referatsleitder des Bundesdatenschutzbeauftragten. Auf die Frage was denn TCPA dem Privatkunden bringe antworteten die Forscher mehr oder minder Unisono "Gar nichts und wir haben auch nicht vor es an Privatleute zu verkaufen. Das ist ein Nischenprodukt für spezielle Sicherheistanforderungen."
Danach folgte noch etwas weiteres Hin und Her zwischen Crypto-Experten und Forschern, wobei eine Lachnummer folgte als ans Tageslicht kam das die Website der TCPA ein abgelaufenes SSL Zertifikat hat und die Seite der TGC (der TCPA Nachfolger) die Login-Passwörter gleich im Klartext anforderte. Mein Eindruck des Vortrages ist vor allem das noch keiner genau weiss was nun endlich in der kommenden TCPA Richtlinie, auf der Paladium aufbaut, stehen soll wobei dort anscheinend Microsoft etwas aus der Reihe tanzt.
Als sich die Experten ausgezankt hatten schauten wir noch mal schnell beim Stand der FSF vorbei um uns ein laufendes GNU/HURD-System anzuschauen.
Die bash sah auch nicht anders aus, weiter kam ich leider nicht weil die Messe die Pforten schloss und meine Wenigkeit und Kumpel Larry von einem Ordner bedrängt wurden doch unsere physische Existenz vor dem Gebäude weiterzuführen, auf dem Weg nach draussen liefen uns noch ein paar RedHat CDs, ein nicht näher spezifiziertes IBM-Development-Irgendwas auf vier CDs und ein SUN-Schlüsselband über den Weg.
Der Bratwurstwagen hatte zum Glück noch offen.

Gruß
buebo
 
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