Das sehe ich genau, wie
@Yamagi .
Als Jäger bin ich von den Auswirkungen der Landwirtschaft direkt betroffen. Wenngleich es in unserer Ecke von Deutschland noch vergleichsweise gut aussieht, da wir durch Jahrhunderte mit Anerbenrecht viele kleine Grundstücke haben und daher die großen Monokulturen noch weniger prägend sind, habe ich mich deshalb entscheiden, selbst zum Landwirt zu werden und alternative Vermarktungsstrategien zu entwickeln. Ich "verkaufe" Blüh- und Unkraut-Flächen, statt Weizen und co anzubauen.
Natürlich ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber die wenigen Flächen, die ich so bewirtschafte, zeigen bereits Wirkung.
So lange der Bauernverband mit seiner Strategie, dass Landwirtschaft sich lohnen muss und demgemäß unrentable Betriebe zu Grunde gerichtet werden müssen, einen derart starken Einfluss auf die Politik hat, wird sich daran nichts ändern. "We feed the world" sagen die mit Stolz, übersehen aber, dass sie das auf Kosten unserer eigenen Ressourcen tun und damit auch viele Probleme erst schaffen, die dann unter Anderem zu Migrationsbewegungen führen.
500.000€ ist derzeit als Mindest-Umsatz für die Rentabilität eines Bauernhofes gesetzt.
Betriebe, die darunter liegen, also weniger als etwa 120 Stück Milchvieh haben, lohnen sich nicht mehr und sollen sterben, damit sie größeren Betrieben Platz machen können, die effektiver wirtschaften. Gerade in Schleswig-Holstein gibt es wohl wirklich große Milchbetriebe, mit mehreren Tausend Milcherzeuger-Kühen (das sind alles spezielle Züchtungen, für die sich ein Bauer vor dreißig Jahren geschämt hätte, wenn er solche rappel-dürren Kühe in der Herde gehabt hätte). Selbst das Produkt, die Milch, ist nicht mehr das, was sie mal war. Heute legt man Wert auf hohen Eiweiß-Gehalt, früher war man stolz, wenn man viel Fett aus dem trockenen Heu herausholen konnte. Deshalb wird heute neben Kraftfutter viel Mais gefüttert, was eine hohe Leistung ergibt, aber auch eine (in meinen Augen) schauderhafte Milch.
Mais wird auch bei der Schweinemast gerne genommen.
Hier gibt es wohl in Brandenburg Betriebe, die angeblich 30.000 Schweine am Tag verarbeiten. Also schlachten. Deshalb können wir im Aldi ein Schnitzel für wenige Cent kaufen.
Mais ist eine grüne Wüste. In einem Maisfeld gibt es quasi gar kein Leben.
Nunja, wenn man sich überlegt, dass 60% unserer landwirtschaftlichen Produkte für den Export bestimmt sind (obwohl wir andererseits auch viel importieren) und dass von den restlichen 40% wiederum etwa zwei drittel für die Tiermast bestimmt sind, dann ergibt sich daraus für mich die Folgerung, dass wir schlagartig auf die Hälfte der Produktion verzichten könnten, ohne Angst vor Hunger zu haben. Biologischer Landbau ist komplizierter und funktioniert nicht gut in großen Einheiten und wir haben nicht die Leute, die diese Konzepte umsetzen könnten, aber, wir könnten es getrost Flächendeckend versuchen, wenn man von 30% Ernte-Einbußen ausgeht.
Das wäre auch finanziell zu stemmen. Subventionen für die Landwirtschaft sind ja schon heute ein Riesenposten, nur, wir bezahlen die derzeit für die Vernichtung unserer Umwelt, unseres Lebensraums.
Neben den Insekten, will ich mal noch so einige Zahlen nennen, denen ich im Laufe der Zeit in verschiedenen Beiträgen begegnet bin. Laut einer Studie in Nordfrankreich sind 85% der Böden von Ackerflächen nachhaltig geschädigt und drohen innerhalb des nächsten Jahrzehnts zu sterben. 75% unserer Wälder sind krank und können einem Klimawandel nichts entgegen setzen. 60% der Vogelarten sind seit dem zweiten Weltkrieg aus Deutschland verschwunden, ausgestorben und im gleichen Zeitraum 99% aller "Unkräuter".
Weltweit leben wir in einer Zeit apokalyptischen Artensterbens, so heftig, wie zuletzt beim Untergang der Dinosaurier beobachtet.
Gut und schön, wenn wir uns über Trump lustig machen oder vor Putin fürchten.
Von unseren tatsächlichen Problemen lenkt das nur ab.
Ganz schlimm finde ich, dass wir das überhaupt nicht wahrnehmen und die einzige Hoffnung, die wir vielleicht noch haben könnten, nämlich begeisterte Wissenschaft und Forschung zu betrieben, vollkommen ignorieren und sogar zerstören. Wir tauschen Verantwortung für unser Leben gegen die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ganz schlimm!