mein Punkt: Wer nicht mit der Zeit geht, wird gegangen und darf dann nicht jammern.
Naja. Es gibt schon noch ein Mittelweg. Man kann ja das, was praktisch ist adaptieren. Aber das heißt ja noch lange nicht, das man jeden Sch**ß mitmachen muss, nur weil es "angesagt" ist und man "abgehängt" ist, wenn man da nicht mit macht.
Dieses Mitläufertum finde ich eher bedenklich. Da darf man auch ruhig mal etwas widerständiger sein.
Wenn man mal zurück guckt, was Leute früher gemacht haben, dann kommt ja auch bei vielen Dingen schnell mal der Gedanke "Wie konnten die damals nur". Also selbst wenn man nur auf seine eigene Lebensspanne schaut und was man früher selbst so (mit)gemacht hat.
Das haben wir natürlich heute auch. In 20 oder 30 Jahre weiter gedacht wird man bei vielen heutigen Sachen drauf schauen mit "Wie konnten wir nur ...".
Und das muss man sich halt immer vergegenwärtigen.
Die zweite Sache ist die, das sich Trends ja auch gerne mal verselbstständigen und die Leute nur mitmachen wegen diesem "Na wenn wir jetzt nicht am Ball bleiben, dann werden wir abgehängt/ausgeschlossen/wasauchimmer". Übertrieben gesagt: Keiner will es wirklich, aber wir machen es trotzdem weil wir gar nicht mitkriegen, das viele andere Mitspieler das eigentlich auch doof finden.
Und wie gesagt. Das heißt jetzt nicht das man sich allem verweigert und sagt "Das mit diesem neumodischen Internet, das sitzen wir einfach aus".
Daher sollte es deren Anspruch sein, möglichst effizient zu sein. Und dass digitalisierung (wenn korrekt umgesetzt, ja da hapert es oft) Abläufe und Prozesse effizienter machen, darüber sollten wir in einem IT Forum einer Meinung sein. Also ja, es ist gut und korrekt, das man sich nicht an <1% Technikverweigereren ausrichtet.
Das ist aber eine ideale Welt, von der Du sprichst. In der Praxis läuft Digitalisierung ja nicht besonders gut. Das hat verschiedene Gründe. Erstmal sind viele Verwaltungsprozesse gar nicht darauf ausgelegt, gut digitalisiert zu werden. Du müsstest eigentlich von gesetzgeberischer Seite her da erst mal ordentlich aufräumen. Das das auf absehbare Zeit passiert, ist utopisch. Schon mit kleineren Gesetzesvorhaben tut man sich ja schwer. Mal eine grundlegende Reform zu machen ist nahezu undenkbar.
Dann hast Du natürlich konkurrierende Interessen. Steht ja nicht irgendwie zwangsläufig der Bürger im Mittelpunkt und die beste Lösung für ihn zu schaffen. Da ist ja dann noch das Innenministerium, das irgendwelche Schnittstellen für die Strafverfolgung haben will oder wirtschaftliche Interessen usw. usw. usw.
Hinterher kommt dann sowas raus, wie die elektronische Patientenakte, die man ohne weiteres als epic security fail bezeichnen kann.
Und das dann die Leute sagen "Bei dem Sch**ß mach ich nicht mit" ist doch klar. Und die dann als Technikverweigerer abzustempeln die man ja auch ignorieren kann, finde ich dann doch ziemlich daneben.
Mal davon abgesehen, das es halt auch Menschen aus unterschiedlichsten Gründen gibt, die sich mit Technik schwer tun. Und insbesondere bei Behörden finde ich es schon wichtig, das es dann auch ein diskriminierungsfreien und barrierefreien Zugang gibt.
Und ja. Das mag dann etwas mehr kosten, wenn man "analoge" Möglichkeiten mit anbietet. Aber wir geben (so richtig viel) Geld für allen möglichen Sch**ß aus, das das Kostenargument hier nicht so wirklich zieht.
Es gibt halt mehr Kriterien als Effizienz. Man denke nur an solche Dinge wie Wahlen. Die geschehen ja i.d.R. auch noch mit Papier, Stift und allem was dazu gehört. Das könnte man mit einer App und Computing wesentlich effizienter gestalten. Aber wir haben ja genau das Verfahren, was wir haben, weils halt vergleichsweise manipulationssicher und auch nachvollziehbar ist.
Gibt auch noch andere Dinge, wie Ausfallsicherheit.
Ich erlebe es ein paar Mal im Jahr, das es irgendwie Probleme mit der Kartenzahlung gibt. Zum Glück gibts nach wie vor Bargeld. Da lässt sich das gut auffangen.
Sprich: Technik kann auch mal ausfallen. Und insbesondere, weil vieles ja heute zentralisiert ist, kann ein Ausfall auch schnell mal großflächig sein. Oder auch für länger. Bei Ereignissen wie Sonnenstürme, die dann teilweise auch erhebliche Schäden am Stromnetz etc. zu Folge haben können.
Und dann noch der Umstand, das wenn es nur digital-only-Lösungen gibt, man denen auch ausgeliefert ist, weils keine Alternative mehr gibt. Sprich wenns den analogen Weg nicht mehr gibt aber die App wird immer beschissener, dann kann ich dem nicht mehr ausweichen.
By the way fällt uns ja blinde Technologiegläubigkeit nicht das erste mal auf die Füße. Man denke nur an Atomkraft, wo wir bis heute ein ungelöste Probleme haben, insbesondere mit Müll. War mal 'ne Hype-Technik. Heute fragt man sich, wo wir hätten sein können, wenn wir damals schon angefangen hätten die Ressourcen in Wind- und Sonnenenergie zu stecken.
Oder allein der ganze Bereich der Kunststoffe, die jetzt schon so weit ins Ökosystem gelangt sind, das wir das realistischerweise nicht mehr eingefangen kriegen. Insbesondere auch die ganze Mikroplastik-Problematik, die ja auch Auswirkungen auf die Biologie (inkl. unserer Eigenen) hat.
Oder das Thema moderne Landwirtschaft. Mit Monokultur, Düngemitteleinsatz, Pflanzenschutzmittel usw. wo man euphorisch gesagt hat "Damit werden wir den Welthunger besiegen". In Wirklichkeit hat es dazu geführt, das auf lange Sicht die Böden unbrauchbar werden (und zu großen Teil ja auch schon sind), mal abgesehen von den ganzen anderen Kollateralschäden.
Und ähnliche Probleme werden wir ja vielleicht mal mit der Computertechnologie haben. Schon jetzt merken wir ja Auswirkungen. Zum Beispiel, das die Leute gestresst sind, was aber auch kein Wunder ist, da das Smartphone sie immer dazu ermuntern drauf zu schauen und der Kopf niemals abschalten kann.
Die Leute sind so stark vernetzt wie nie zu vor, trotzdem haben wir ein signifikantes Einsamkeitsproblem. Insbesondere unter jungen Menschen.
Wie gesagt. Es geht nicht darum, fortschrittsfeindlich zu sein. Aber die Probleme die wir - trotz aller auch sehr positiven Dinge - haben sind halt unübersehbar.
Wir bringen immer irgendwie was in die Welt ohne 'ne richtige Folgeabschätzung zu machen. Die kann man sicher auch nicht immer im vollen Umfang machen. Aber wenn wir das einmal haben und feststellen, das bestimmte Dinge nicht gut laufen, kriegen wir das ja auch nicht zeitnah abgestellt bzw. korrigiert.
Insofern: Wenn es da ein paar Leute gibt, die - insbesondere in dieser schnelllebigen Zeit - bei bestimmten Dingen auf die Bremse treten, dann sollten wir darüber eher dankbar sein und ein Anlass zur Reflexion, statt die als störend wahrzunehmen.