Ich würde ehrlich gesagt mal behaupten dass sich bei Usern doch einiges getan hat. Da war es gefühlt bei FreeBSD und OpenBSD schon mal stiller.
OpenBSD hat in den letzten Releases den Desktop wieder flott bekommen. Wedivine tut halt den BSDs extrem weh (da kann man sich beim Standardkommittee bedanken, haben ja genug Leute und Organisationen gewarnt davor).
Allerdings hat's ein paar Faktoren gegeben die glaube ich die BSDs wieder interessanter gemacht haben. Flucht vor ein paar Entwicklungen im Linux-Bereich (also Linux, nicht Android, ChromeOS oder so, sonst könnten wir ja auch sagen BSD geht's prächtig wegen macOS und iOS). Außerdem hat OpenBSD mit LibreSSL, pledge und unveil ein bisschen Interesse hervorgerufen. ZFS hat FreeBSD auch ein paar User beschert. Und dann gibt's Leute die es immer mal wieder in Blogposts, etc. erwähnen.
Bei ZFS und deren dtrace-Alternativen und Reimplementierungen hat Linux aber mittlerweile wieder aufgeholt, dafür sind die BSDs (leider nicht so stark NetBSD) was Performance und solche Dingen wieder besser geworden und hinken seit den letzten Releases nicht mehr ganz so nach. Da hat das Nischen-DragonFly lustigerweise aber den größten Vorsprung (gehabt?).
Ich glaube TrueOS hat FreeBSD leider einigermaßen geschadet, vor allem mit dem neuen Desktop. Die anderen Dinge kann ich zumindest als interessante Experimente (OpenRC) oder gute Entwicklungen (quasi alle Ports unterstützen sndio) abtun.
Jetzt noch eine Theorie die ich schon länger habe mit FreeBSD.
Ich glaube FreeBSD hat ein bisschen ein Problem mit Defaults und dass es als Platform und Baukasten genutzt wird. Darin ist es mittlerweile echt gut. Soll heißen Leute verwenden FreeBSD als Image, oder haben ihre Skripts die's tunen, verwenden crochet zum Images bauen oder stöpseln sich ihre Speziallösungen zusammen, sei es jetzt Netflix mit ihren Mega-Caches oder eben eine Playstation oder ja sogar mfsbsd-Skript was aber weniger anpasst per default. Die meisten FreeBSD-Entwickler machen das auch so. Wenn man dann noch dazunimmt dass poudriere bzw. konfigurierte Ports eine echte Stärke von FreeBSD ist, aber dass das ein Anfänger zunächst mal nicht angreifen wird bedeutet das, dass die erste User-Experience extrem drunter leidet.
Am Besten steht man am Desktop sicher noch mit dem FreeBSD deskop-installer da (von dem was man sieht und hört, selbst nie verwendet). Aber das weiß man am Anfang eher nicht.
Dazu gibt's dann noch unzeitgemäße Defaults das heißt die Chance bei FreeBSD derzeit als Neuling eine gute Erfahrung zu machen ist nicht gerade groß.
Aber selbst wenn jemand FreeBSD mag geht es noch weiter mit dem Baukasten. poudriere habe ich ja schon erwähnt, aber auch das Thema Jails und deren Management krankt ein wenig. Ist zwar besser als es mal war, aber es gibt einen Grund warum es eine ordentliche Menge an Jail-Management-Tools gibt. Das was man in FreeBSD hat sind einfach Baublöcke.
Das ist zwar an und für sich nichts schlechtes, aber es braucht denke ich breit verwendete Tools auf die im besten Fall auch vom Projekt hingewiesen wird.
OpenBSD geht da ein bisschen einen anderen Weg und drum ist einen (viel verwendeten, wie ein Thinkpad) Laptop einfach mal zu installieren recht einfach. Wie man WLANs einrichtet ist auch straight forward und man muss nicht zuviel fummeln, dann noch ein paar Pakete und man hat einen laufenden Desktop. Dadurch dass die Ports weniger auf Flexibilität und ohnehin sind da Pakete der Standardweg, deshalb gibts auch da nichts zum Frickeln. Deren größtes Manko nämlich keine offiziellen Sicherheitsupdates bei den Paketen haben sie zum Glück beseitigt.
Ich glaube nicht, dass FreeBSD so starr werden muss, aber ich glaube der fehlende Standardweg in Kombination mit dem weggefallenen großen Desktop- sagen wir mal FreeBSD-Distributionen, von TrueOS/PC-BSD und DesktopBSD bedeutet hat, dass der Einstieg echt nur was für ziemliche Profis ist. Das ist eben ganz anders wie in der Linux-Welt. Da nimmt man ein Ubuntu (oder auch eines der anderen) hat einen Desktop wenn man in die Linuxwelt eintauchen will und kann das dann auch auf den Server packen und es funktioniert alles gleich.
Also selbst bei einem Teenager, der was drüber gelesen hat, IT-begeistert ist und der ich anno dazumal selbst mal war hat es extrem schwer auch nur anzusetzen ohne absolut verwirrt zu sein, und ich sag das als jemand der von Gentoo Linux gekommen ist damals.
Gerade bei so Themen wie Defaults gibts ja bei allen BSDs Lichtblicke. Das ist halt die Arbeit die nicht gerade interessant ist und die man als langjähriger Nutzer irgendwie gelöst hat und sei's auch nur das zu kopierende sysctl.conf.
Ich weiß jetzt nicht, wie das FreeBSD-Handbuch ist, aber als ich das letzte Mal reingeschaut hat das ziemlich outdated und unübersichtlich. Das heißt selbst als RTFM-Mensch hat man grobe Hindernisse.
Ich glaube wenn man dem Projekt wirklich helfen will sollte man an den Punkten ansetzen. Für vieles davon braucht man nicht mal groß programmieren können. Leute die an der Doku schreiben nehmen die meisten Projekte gerne auf und offizielle Doku ist meist sichtbarer als irgendwo in einem Blog oder auch hier.
Das löst zwar nicht das Performance-Problem aber sorgt für interessierte User die vielleicht ihre Projekte im Schlepptau haben und dann mit etwas Glück auch schauen warum dieses und jenes nicht so gut läuft und dann Verbesserungen bringen. Und dann kann man sich auf das konzentrieren was man hat anstatt nur darüber zu reden was man nicht hat. Diese Selbstreflexion ist zwar vielleicht gut um zu sehen was nicht so gut läuft, aber bringt nur was wenn man selbst auch Hand anlegt. Und da gibt's ja für jeden was. Und an Open Source oder generell in Communities mitzuarbeiten macht extrem viel Spaß und ist im Vergleich zu anderen Dingen meist auch noch weitaus motivierender als Arbeit (oder Haushalt

). Und selbst wenn man Blödsinn oder irgendwelche Nischendinge tut gibt's oft mal Synergien.
Und anders als bei riesigen Projekten wo es eh schon hunderte Programmierer gibt kann man bei den kleinen BSDs echt einen Unterschied machen. Man sehe sich nur mal das
NetBSD-Blog an.