Winter ade
Lance fragt: Wie am besten Leute von Linux (oder BSD) überzeugen?
http://www.bsdforen.de/threads/wie-am-besten-leute-von-linux-oder-bsd-überzeugen.32331/#post-278012
Die Lanze für diese Gegenbewegung! Danke für die wichtige Frage.
Hi Lance, Du machst Deinem Namen alle Ehre, denn dieser Missionsgedande is schon deshalb richtig, weil er intelligent ist.
Mir geht es in allen Dingen so wie Dir, ich muss ständig für Freunde und Kollegen (immer pro bono) Systeme reparieren und gerade nach Weihnachten und Ostern alles Mögliche leisten.
Ich habe dieses Sendungsbewusstsein auch, weil ich gerade in diesem befreundeten Umfeld für eine gewisse Kohärenz sorgen, dass macht nämlich Vieles viel einfacher und nutzt gerade dann wenn ich mal nicht da bin und ein anderer Freund oder Geschäftsfreund mal ein Problem hat. Bei VW, Daimler, Ford und Co. ist das eben der Auf- und Ausbau der gemeinsamen Plattform und bei mir die ExcellenceCommunity. Als Unternehmensberater versuche ich ja weiterzudenken und Freunde und Andere (wie auch immer) vor Fallen, Dummheiten und Kosten zu bewahren.
Alles was gegenwärtig mit Windows verknüpft werden könnte. Die eigenen Vorlieben und Ressentiments dabei lassen sich, was ich psychotherapeutisch qualifizierter Trainer geduldig und zielorientiert ent-prägen. Womit? In der Psychotherapie heißt das Model-Lernen. Mein System ist ein bunter Mix mit folgenden Aufgaben:
a) Linux und C(l)o(ne)
Gegenwärtig Linux Mint Debian Edition 2 (Betsy) als Everday-Environment für Büro und Kommunikation und statistische Berechnungen die z.B. in der Genetischen Genealogie, die wenn mal eben 1500 Datensätze [STR-Marker] gegeneinander rechnen muss, selbst im vernetzten Rechnen mal in die 20-30 Stunden geht, etc.
Als Rolling Release erfüllt LMDE alle Anforderungen an Zukunftsfähigkeit, die ich mit dem Zauberwort "Investitions- und Anwendungssicherheit" umschreibe.
Dat löpt al fix bi Jungs, Deerns und Pastor Poggenkamp.
Auch wenn alle Linux-Fraggles hier nur verachtende Blicke um sich werfen. Nein, die RMP Welt - so schön sie bei Suse oder Mageia aussieht ist es nicht und die Cinnamon Oberfläche unter Mint unter Clemens Lefebvre ist so strukturiert wie es Windows nie gewesen ist und RMP nie sein kann. Da sind alle Pilger. Eleven, Sinnsuchende, Verirrte und Abgefallene einfach schnell durch die gerade Funktionalität bei höchster Transparenz einfach nur selbst durch den heiligen Geist der Praxis überzeugt - fast ohne, dass ich etwas dazu tun muss.
b) BSD und Solaris
Als Anwendungssebene läuft mein Favourit PC-BSD mit atemberaubender Geschwindigkeit und Sicherheit für alle küntigen Aufgaben. Die Faundäschn (sollte ein Witz sein) hat da in den letzten Jahren sehr viel gemacht und die absolute Binärkompatibilität zu Linuxapps ist schon sehr überzeugend - und noch mehr das von Solaris übernommende ZFS- Dateisystem, bei dem selbst naturwissenschaftlich gut gebildete Leute wie ich gern an Zauberei glauben möchten. Beides ist für mich tatsächlich der Zauber der Zukunft, der plötzlich auch Leute bei mir erfasst, die eigentlich nur arbeiten wollten... aber wenn wann sieht, dass sich das Dateisystem definitiv nicht zerschießen läßt ebenso wie seine Redundanz und selbst der Ausfall der HD in Sekunden wieder stehen und nahezu unendlich viele Wiederherstellungspunkte gemacht werden können und dabei kaum messbaren Speicherplatz beanspruchen (schaut euch mal dazu Windows an) ist das wirklich eine Perspektive des fast ältesten OS der Welt. Auch der konservative Ansatz und die offene Transparenz von (PC-/True-/Dragonfly)BSD, das ja zu etwa 80% auch die Grundlage für MacOS bildet, sind schlicht eine Antwort für die eine freie und effiziente und gerechte Systemzukunft. Da kommen meine Freunde auch (meist bei einem Glas Wein in's Grübeln)
Der Wehrmutstropfen sind hier aber immer leichte den User nervende Unpässlichkeiten; etwa wenn sich das OS trotz erfogter Installroutine permanent nicht deutsch sprechen will (ja das wollen Enduser) oder das portsystem (is mir auch passiert) erstmal nicht verstanden wird und in Foren erstmal immer nur blöde Kommentare kommen, wenn man einfach Einsteigerfragen hat.
Daneben läuft bei mir noch aus Spieltrieb der Solarisfork openIndiana - stets bewundert und aus gleichen Gründen wie bei den letzten obigen eben verhasst. Da hält sich dann mein Sendungsbewußtsein auch in Grenzen, aber das Interesse der anderen ist geweckt. Und beiläufig meine 75 jährige Mami hat den Umstieg von Windows zu LMDE2 fast zwar gemerkt, kaum gemeckert und sich trotzdem schnell wieder zurecht gefunden - sie weiß ja auch, dass wenn sie ein neues Auto kauft, es anders gefahren werden muss als ihr altes.
c) Windows10.
Windows war nie Windoof sondern lange hochinnovativ und seit Windows 7 nie so stabil und so schnell wie heute. Allerdings fehlt es dort an Innovationen und an der künftigen Bereitschaft Anwendungen allein am Windows Client Monopol auszurichten. Es gibt bei MS immer noch Stars, die alle an die Wand coden, aber deren PS kommen seit langen nicht mehr auf die Straße und dass MS keine echte Strategie mehr hat, ist seit dem App-Kachel-Dusel jedem klar. Das und die nun nicht mehr für den Verbraucher planbare Preispolitik machen Windows zunehmend zu einem Investitionsrisiko. Großanwender wie Hochschulen, Banken etc. und schlimmer Großmächte wie die Bundesanstalt für Arbeit und berufliche Schulen interessiert das noch wenig (Ausnahme die Stadt München). Gleiches gilt für den privaten Endanwender, der sich einfach n PC kauf. Und gegenwärtig liegt der Erfolg Microsofts und seines Betriebes nur in der ausgeweiteten Marktmacht und es ist zu befürchten, dass dieses Modell bei finanzmarkt-gewohnten Managern und Anlegern mehr goutiert wird als echte investitionsfordernde Innovation und ein Umdenken in Redmond erfordert, dass einen neues Unternehmen erforderte oder einen Goggle-Umbau a lá Alpha.
Mittelständler, Industrien und kleine Unternehmens denken anders und weiter und sie kennen oft schon die Alternativen, die manchmal noch etwas holperig sind, aber zunehmend Fahrt aufnehmen. Aber längst ist klar, dass eine solche Sackgasse wie bei SAP, das einem Unternehmer die gesamte Strukturen aus der Hand nimmt und schnelle Um-Entscheidungen nur nach hohem Aufwand ermöglichen, nicht künftig gangbar sind.
High-End-Anwendungen und Studentenversionen laufen oft nur unter Windows. Und das ist prägend. Ich selbst habe alle Applicationen von Autodesk. Da ist unter Linux ersteinmal undenkbar obwohl es sonst im Grafikbereich vom Editing, der Gestaltung bis zur Farbseparation (DTP und DTR) und 3-DModelling mehr als leistungsfähige Alternativen gibt und das kostenfrei.
Hier umzudenken, kostet ein bisschen Willen, besp. bei der Umstellung auf GIMP und INKSCAPE oder SCRIBUS, yED Graph, BLENDER und FreeCAD bringt meiner Erfahrung nach auch wirklich einen Verständnis- und Produktivitätsschub.
Spiele - ja auch das tue ich und da kommt man bis auf einen kleineren Teil nicht um Windows10 herum - noch nicht.
d) MacIntosh - gern und gut - aber sonst: >vom Regen in die Traufe<. Und viel Geld für 80% FreeBSD, 10% openBSD, 10% Eigenentwicklung und eine dem Geschäftsmodell der IBM ähnelnden Hardwarediktatur auszugeben - nee nich mit mir und Freunden. Und was auf Mac läuft, klappt irgendwie auch auf BSD.
e) Alternativen
Na der besagte Quantencomputer – den gibt es und er ist bereits am Start, aber… StarTrek es doch real.
Das von mir geliebte frühere BeOS, vor 20 Jahren die ultimative Herausforderung für Multimedia und immer auf der Gewinnmeile war immer markt- aber nie geschäftsfähig. Damals wohl nicht gebraucht (A.d.A. weil es eben kein DSL gab) führen das Projekt einige Unverdrossene unter dem Namen Haiku mit großen Ambitionen weiter.
Und das ist ja noch das ReactOS, das sich zum Ziel gesetzt hat zu Windows (was MS zu verhindern versucht) absolut binärkompatibel zu sein. D.h. das alle MS-Programme auf ReactOS laufen sollen. Das sind beides Aufgaben, die mir mehr als Respekt abgewinnen. Der Gewinn liegt im Ringen einer technologischen Gesellschaft, die Alternativen und Möglichkeiten sucht. Da bin ich gern auch mit eigener Arbeit bei Übersetzungen und Handscripts dabei.
f) Fazit
Wer spezielle Software benötigt, die nur für Windows appliziert ist wird dabei bleiben müssen. Die Lösung sind hier optimierte Einzelarbeitsplatz-PCs in gemischten Netzen. Und - um auf einem hochgerüsteten PC auch Büroarbeit zu machen ist das im Unternehmen wie "Perlen vor die Säue".
Aders sieht das zuhause im Spielesektor aus. Hier bietet das von Valve Gründer Gabe Newell mit seiner marktführenden Plattform Steam eine echte Option, die noch einem Wirtschaftskrieg ähnelt. Newell will nämlich mit seiner Marktmacht die Spieleschmieden bewegen, ihre Produkte auf sein neues MultimediaOS SteamOS zu optimieren. Das ist ein auf Multimedia- Funktionalität hin aufgebohrtes Debian Linux, das auch gleich das gesamte Wohn- und alle Kinderzimmer mit versorgen soll. Und es sieht gut aus - aber gut Ding will Weile haben.
Wir werden bald sehen, ob hier Innovation oder Marktmacht siegen werden und auch das wird der mündige und informierte User mitbestimmen.
Wesentlich wird sein, ob und wie über den Kerneln, die im Wesentlichen bis zum Quantencomputer (an dem in meiner Heimatstadt Greifswald mitgearbeitet wird) sich auch in den nächsten 20 Jahren kaum etwas ändern wird, die unter den wichtigen GUIs liegen, nach denen der Anwender die Handhabbarkeit bewertet. Da haben PC-BSD noch etwas und Solaris noch etwas mehr zu tun. Debian ist wie immer vorbildlich, aber da setze ich konservativ denkend, lieber auf die Community von bsd.org als auf torvalds-fork.
Dir und den Dein viel Glück und laß die Lanze spitz und das Schwert scharf bleiben,
Dein Torsten (email2000@gmx.li)
(Dank an meine Freunde Peter Pietzschmann und Hubertus Weber - ohne die ich diesen Schritt nie gegangen wäre.)