"Frisch installiert, dann erste Schritte", das geht mir dauernd durch den Kopf.
Gerade eben habe ich ja einige Ubuntu's installiert und hatte dabei ja auch die gleichen Anforderungen umzusetzen und ich denke nun nach, wie das in einem frisch installierten freeBSD wäre und da muss ich sagen, dass ich weit davon entfernt wäre, als einen der ersten Schritte schon X zu wollen. Natürlich, es ist mir klar, dass für viele meine ersten Schritte unwesentlich und zu für eine Erwähnung zu banal sind und außerdem verstehe ich, wenn es eine experimentelle Installation ist und daraus ein Desktop werden soll, dass man dann mal zunächst schauen möchte, ob X überhaupt geht, denn ansonsten könnte man da ja gleich das Experiment beenden. Das gilt vielleicht auch für Sound.
Also, wenn ich so ein System frisch installiert habe, dann sehe ich zunächst mal hin, ob es auch richtig bootet und was es bootet. Da sehe ich nach, welche Dienste hat es denn schon gestartet, will ich die überhaupt, brauche ich das und wie kann ich es gegebenenfalls ändern? Sind alle meine Nutzer da, haben ihre Rechte? Können die ausgesuchten Ntzer zu root werden?.
Dann sehe ich mir das Dateisystem genauer an. Das wird meist bei der Installation schnell gesetzt, aber nun möchte ich Details sehen um evtl noch was ändern zu können. Ist das notwendig, dann kann es auch Änderungen in der fstab bedeuten (etwa noatime setzen oder tmpfs nutzen und einrichten)..
Als nächstes mache ich es mir bequem auf dem System, richte meine Shell ein, setze einige Variablen, Aliase und Prompts, bestimme Sprachen und login-Verhalten für meine Nutzer, teste oder ändere das Keyboard-Layout.
Dann finde ich heraus, wie SW installiert werden kann und versuche mich an einem ssh-Server. Nach der Installation konfiguriere ich den, nehme etwa sftp raus und setze die Zugriffe für bestimmte User. Natürlich brauche ich nun spätestens auch das gezielte Setzen meines Netzwerks, denn von nun an will ich diesen Rechner überwiegend aus der Ferne weiter aufrüsten und da ist eine feste IP eine hilfreiche Sache. Der ssh-server muss dann als Dienst auch automatisch gestartet werden, ich muss also herausgefunden haben, wie das überhaupt geht.
Nun habe ich meist einen Plan, welche zusätzliche SW ich installieren möchte, lese dazu jeweils die Doku auf meinem Monitoring-PC und installiere und konfiguriere weiter aus der Ferne mein System. Sehr oft kann ich dazu Dateien benutzen, die auf meinem Monitoring-System bewährt sind und muss die dann nur noch anpassen. Bei unterschiedlichen Systemen, etwa GNU/Linux zu FreeBSD, ist dann evtl mehr Transfer-Vorleistung nötig. Bei altem FreeBSD zu neuerem FreeBSD helfen schon Vergleiche der jeweiligen defaults-Dateien, um zu sehen, ob es bestimmte Sachen überhaupt noch gibt. Selbst, wenn es sie gibt, bedeutet es nicht immer, dass man das auf dem neuen PC auch möchte, alles ist auch eine Frage der HW und des Installations-Ziels. Deshalb brauche ich immer die Lektüre des Hanbuches udn weiterer Dokumentation, um mich entscheiden zu können. Wichtige System-Dateien, die ich da nun in FreeBSD bearbeite, sind etwa die /boot/loader.conf, /etc/sysctl.conf, /etc/rc.conf, /etc/resolv.conf, /etc/profile, /etc/login.conf, /etc/make.conf, /etc/hosts, /etc/devfs.rules, /etc/csh.cshrc und /etc/crontab.
Weitere Einstellungen ergeben sich, je nach Einsatzzweck und installierter SW und ich weiß die nicht auswendig, weshalb ich auch immer erst lesen muss. Manchmal wird auch nach Installation einer SW erst eine Meldung ausgerufen, dass diese noch eine bestimmte Einstellung haben möchte und das kann ja auch nachträglich gesetzt werden, aber für mich ist es in der Reihenfolge erst mal so, dass ich die Basis zu meinem System haben möchte. So kann es auch gut sein, dass noch in der /etc/ttys die Anzahl der Konsolen reduziere, weil ich eh wenn immer möglich grafisch oder über ssh arbeiten möchte.
Grafik bringt mich dann zu einer anderen Entscheidung, dem Login. Für gewöhnlich wähle ich dazu einen Display-Manager und habe ich dabei sehr an KDM gewöhnt. Der ist einfach in zwei Dateien konfigurierbar und kann gut angepasst werden. Der Vorteil ist, dass diese Diplay-Manager auch mehrere grafische Sitzungen erlauben. Sie können auch von Remote aufgerufen werden oder es kann sich ein Nutzer von seiner eigenen Sitzung zurückmelden und dann ein anderer Nutzer gleichzeitig mit einer eigenen Arbeitsumgebung anmelden. Ob das gebraucht wird, ist eine andere Frage. Bei KDM weiß ich, dass der das kann und wie ich es ab- oder einschalten kann. Deshalb bevorzuge ich KDM, hatte aber in Ubuntu mit LightDM beinahe alle Optionen ebenfalls relativ schnell finden können. Deshalb würde ich mir hierzu ansehen, welche DMs es für FreeBSD gibt und wie groß die Anzahl der Abhängigkeiten ist, bevor ich da eine Wahl träfe.
Generell ist auch die Entscheidung zu treffen, ob über ports oder mit pkg zu installieren ist. Ich glaube bisher, dass ich die ports möchte. Vielleicht würde ich mich aber auch mal mit pkg einlassen und sehen, wie weit das geht. Bei den Ports ist es mir wichtig, meine Optionen selbst zu bestimmen.
Ist nun das System soweit, dass alles nötige installiert und konfiguriert ist, geht es an den Start von X und dem Einrichten der Arbeitsumgebung. Wichtig dabei: die Mails. Die migriere ich am liebsten und zwar Mails und Regeln. Das bedeutet, ich möchte auch immer das gleiche Programmnutzen. Dazu braucht es dann Verschlüsselung, also gpg, den agent und pinentry und alles einrichten und Schlüssel importieren und so weiter. Als nächstes die Browser. In ihren Standardeinstellungen sind die mir meist zu offen und freizügig, also müssen alle erst mal installiert werden, Lesezeichen übernommen und dann die Einstellungen gemacht werden.
Anschließend braucht man noch das ein oder andere Programm und sieht sich das an, setzt hier ebenfalls, wie man das wünscht, seine Einstellungen. Wichtig für mich: ein Screensaver, der den Bildschirm automatisch nach einer gewissen zeigt lockt. Beim Ansehen von Filmen, soll das nun wiederum nicht passieren, also muss daran womöglich auch geschraubt und eingestellt werden.
Sicher wären mir bei ausreichendem Nachdenken präzisere Angaben eingefallen und noch weitere Konfigurationen vor meinem geistigen Auge erscheinen, die ich nun in diesem groben Abriss vernachlässigt habe. Aber ich denke, bei "Frisch installiert, dann erste Schritte" ist diese Abfolge ein wesentlicher Unterschied zu "Und wie stellt man die Auflösung ein?" Fragen zum Tuning des Xservers sind ja wohl schon Experten-Fragen und frisch nach einer Installation stolpert man meiner Ansicht nach, vor allem als Neuling, über vollkommen andere Probleme, nämlich solche, die auch mehr mit FreeBSD zu schaffen haben. Man kann ja durchaus sagen, dass X die Trennlinie markiert von der an es nur noch um SW von Dritten geht und FreeBSD verlassen wird. Wer dann damit sofort nach der Installation loslegt, hat doch vermutlich noch gar nichts von seinem FreeBSD gesehen. Nicht, dass man im späteren Gebrauch des Desktops ja überhaupt einen Unterschied merken würde und deshalb tatsächlich den Kontakt zum FreeBSD überhaupt braucht.
Wer aber generell den Kontakt zum eigentlichen System nicht sucht und nur möglichst schnell zu seinem Desktop kommen will, der könnte doch auch statt FreeBSD irgendwas anderes drunter laufen lassen. Ich verstehe nicht ganz, wie man einerseits FreeBSD mal testen oder probieren möchte und es dann andererseits nicht mal ansieht, sondern möglichst schnell passiert und hinter sich lässt. Wie soll man denn seine Freiheit mit einem System umsetzen, wenn man gleich alles schluckt, das einem automatisch vorgesetzt wird und keinen Elan entwickelt, seinen eigenen Geschmack zu verwirklichen.
Das ist wie beim Essen, man kann sich an den Tisch setzen und bedienen lassen. Will man selbst kochen, muss man auch die Bedienung der Bratpfanne erlernen, lange bevor man zu Messer und Gabel greifen kann.