Ich könnte jetzt das ganze aus der entgegengesetzten Perspektive erzählen (nicht konkret den von Dir geschilderten Fall, weiß nicht, um welche Firma es da geht

). Alljährlich pünktlich zur Planung für das kommende Geschäftsjahr werden wir "Verwaltungsheinis" (im Fachjargon auch Controller genannt) mit Wünschen der verschiedenen Abteilungen vollgeblaht, für was sie alles Kohle haben wollen. Unter'm Strich erfahrungsgemäß etwa ein Betrag in der Größenordnung des doppelten Unternehmensumsatzes. Ich arbeite in einem produzierenden Unternehmen, und da ist es (leider) nun mal Fakt, dass ca. 80-90% des Umsatzes für die Produktion, Produktpflege (Fehlerkorrektur, After Sales Service etc.) und Produktneuentwicklung (Design, Konstruktion, Prototypenbau, Erprobung) draufgehen. Bleiben also 10-20%, die man zwischen der IT, Forschung & Entwicklung, den Finanz-Heinis (die wollen immer Rücklagen bilden) sowie den Shareholdern aufteilen kann.
Man kann also unmöglich alle Budgetwünsche erfüllen. Jetzt könnte man meinen, die Verteilung der (voraussichtlich) verfügbaren Mittel würde allein nach sachlichen Kriterien erfolgen. Also was ist zwingend notwendig (z. B. zur Erhaltung bestimmter Fähigkeiten des Unternehmens, wie etwa Wartung von Produktionsanlagen, Einkauf von Material, Bezahlung der produzierenden Mitarbeiter etc.), was ist strategisch sinnvoll (z. B. Erweiterung der Produktionskapazität), womit sichert man die Zukunft (z. B. Investition in ein bestimmtes Forschungsprojekt). Aber weit gefehlt! In diesem Prozess spielt der Faktor Mensch (sofern man Chefs als Menschen betrachten kann

) eine nicht nur wichtige, sondern auch höchst abstruse Rolle. So bekommen auf einmal Vorhaben Priorität eingeräumt, wo (Fach)man(n) sich fragt, was der Blödsinn eigentlich bringen soll... bis man dann mitkriegt, dass irgendein Abteilungsleiter ganz scharf drauf war, statt BMW künftig Mercedes zu fahren. Ist zwar kein Beispiel aus meiner Firma (sehr wohl aber aus der Realität gegriffen), aber ich bin mir absolut sicher, dass es in jeder größeren Firma solche Extravaganzen gibt.
Und so kommt es auch, dass gar nicht die Meinung des besten IT-Fachmannes die maßgebliche bei der Verteilung der Budgets für den IT-Bereich ist. Von Servern, Backup-Systemen etc. bekommt man außerhalb der IT-Welt tatsächlich nur wenig mit. Man nimmt zur Kenntnis, dass auf dem Schreibtisch eine schrottreife, sechs Jahre alte Höllenmaschine steht (anstelle eines vernünftigen Computers), sieht, wer mit welcher Kategorie von Handy ausstaffiert wird etc.
Am Ende läuft es jedenfalls darauf hinaus: Die Verwaltungsleute müssen versuchen, zwischen persönlichen Vorlieben derer, die das Sagen in der Firma haben, völlig unbescheidenen Budgetforderungen der Bereiche ("wenn wir das nicht kriegen, können wir morgen den Laden dicht machen!!11!1!1!!") und den bitteren Realitäten der tatsächlich verfügbaren Mittel irgendwie eine Zuteilung hinzubekommen, über die zwar jeder meckert, die aber das Unternehmen nicht in den Ruin treibt. Und das auch noch alles, ohne dabei wirklich fachlich die verschiedenen Themen durchschauen zu können.
So, liebe IT-Fachabteilungs-Nerds, jetzt dürft ihr mich steinigen. Ihr dürft aber auch gerne mal ein Praktikum bei mir machen, wenn ihr diesen alltäglichen Wahnsinn mal live erleben wollt