Es dürfte inzwischen bekannt sein, dass ich nie ein Freund von PC-BSD war. In meinen Augen leiden alle Projekte von iX Systems unter den gleichen Fehlern:
Es beginnt damit, dass man sich als robuste und entsprechend gut durchgetestete Software präsentiert. PC-BSD lebt von diesem großen Namen "BSD", der von vielen Leuten als das ultimative Qualitätssiegel eines konservativen Unix gesehen wird. Aber die Wahrheit ist, dass man keine Hemmungen hat auch sehr junge Software aufzunehmen, mit der es kaum Erfahrungen gibt. Immer wieder hat PC-BSD Dinge, die von FreeBSD als Upstream-System noch nicht übernommen wurden. Ein aktuelles Beispiel ist der UEFI-ZFS-Loader. Auf FreeBSD-Seite erreicht er gerade nach langem Review und mehreren Iterationen mit zum Teil tiefgreifenden Änderungen den Punkt, wo man über einen Commit in 11-CURRENT nachdenken kann. PC-BSD hingegen liefert ihn schon lange als produktiv nutzbar aus. Oder auf Seiten der Pakete. PC-BSD nutzt LibreSSL, was beim FreeBSD bestenfalls hochgradig experimentell ist. >25.000 Pakete gegen eine neue SSL-Implementierung zu validieren ist gar nicht mal so einfach. PC-BSD und in geringem Maße auch die Schwesterprojekte TrueOS und TrueNAS sind einfach in vielerlei Hinsicht Bleeding-Edge Systeme.
Dann kommt das Tooling. AppCafe, Warden und wie sie alle heißen klingen auf dem Papier gut. Aber jedes Mal wenn ich sie mir anschaue frage ich mich, wie man so vergleichsweise einfache Tools so kaputt bekommen kann. Sie sind undurchdacht, haben obskure bis gemeingefährliche Bugs. Das ganze Update-System wirkt beispielsweise wie eine späte Alphaversion. Es ist das gleiche Syndrom unter dem Ubuntu lange litt. Man brüstet sich einerseits damit durch eine Reihe Tools ein einsteigerfreundliches System gebaut zu haben, auf der anderen Seite sind viele dieser Tools so wackelig, dass sie keinen Spaß machen.
Zu guter Letzt fehlt irgendwie der große Plan. Es ist nicht zu erkennen, wo man hin will. Mal ändert man das Paketmanagement, dann gibt es einen eigenen Desktop, hier ein neues Tool und da eine konzeptionelle Änderung. Wenn man sich die Changelogs oder sogar den Blog so durchliest bekommt man das Gefühl, dass es bei PC-BSD hauptsächlich um neue Features geht. Man will den Eindruck erwecken, dass man eine rasante Fortentwicklung hat und das System dadurch attraktiv ist. So dreht man sich ewig im Kreis, reißt immer neue Baustellen auf, bevor die alten fertig sind. Das Projekt kommt somit nie in einen ausgereiften Zustand. Übrigens auch ein Phänomen, unter dem viele Linux-Distributionen leiden.
Daher: PC-BSD mit Red Hat zu vergleichen ist auch abseits der Frage des Alters der mitgelieferten Software unfair. Da muss PC-BSD nicht mal antreten, es hat nicht den Hauch einer Chance. Red Hat bietet einfach eine um ein Vielfaches höhere Qualität. Genauso sollte man nicht den Fehler machen PC-BSD mit FreeBSD zu vergleichen. FreeBSD ist ein um ganze Universen reiferes, robusteres System. Allerdings auch mit einer gänzlichen anderen Zielsetzung.