Auch die Probleme von Schülern und Azubis sind komplex.

Es ist einfach auf die angeblich dummen Schüler zu schimpfen, aber man muss es im größeren Rahmen betrachten.
Es beginnt damit, dass sich die Lebenswirklichkeit vieler Schüler in den letzten 10 bis 20 Jahren drastisch verändert hat. Früher ging man nach maximal 6 Schulstunden nach Hause, es war nur ein Elternteil voll berufstätig. Heute sind bei vielen Kindern beide Eltern Vollzeit im Beruf, weil auch die Frau völlig zu Recht eine Karriere machen will oder da es durch die gestiegenen Lebenserhaltungskosten einerseits und stagnierenden Löhnen / Gehältern andererseits finanziell notwendig ist. In der Folge gehen immer mehr Kinder in Konzepte wie Ganztagsschulen, schulen mit Nachmittagsbetreuung und ähnlichem. In meinem Bekanntenkreis verbringen inzwischen beinahe mehr Zeit in der Schule und Betreuung als zu Hause. Aber trotz dessen hält man in Deutschland noch immer an dem dieser Realität nicht mehr entsprechenden Grundsatz fest, dass die Schule nur lehrt, aber nicht erzieht. Das sei Aufgabe des Elternhauses. In der Folge irren viele Kinder und später Jugendliche orientierungslos durchs Leben, mit allen Konsequenzen.
Ein weiterer oft vergessener Punkt ist die "Stoffexplosion". Die Welt ist komplexer geworden, Kinder müssen heute wesentlich mehr lernen als ihre Eltern und erst recht als ihre Großeltern. Die Anzahl Stunden pro Woche, in denen man sinnvoll etwas lernen kann, ist aber nicht größer geworden. Das führt zwangsläufig dazu, dass sehr viele Themengebiete nur noch oberflächlich angeschnitten werden können. Wodurch viele Schüler heute ein sehr breites, aber kaum tiefgehendes Wissen haben. Dort ist man auch schnell bei einer Grundsatzdiskussion darüber, was im Jahr 2018 sinnvoller Stoff ist und was nicht. Muss man die Flüsse Asiens auswendig lernen, wenn es Google gibt? Muss man wirklich präzise und schnell kopfrechnen können, wo ich gerade gestern einen Taschenrechner für 4,99€ gekauft habe? Muss man sicher schreiben können, wenn es Rechtschreibprogramme gibt? Ja, da ist nun polemisch. Aber genau das Problem. Es gibt einfach so gut wie keinen Konsens darüber, was unsere Kinder lernen sollen und was nicht.
Und nicht zuletzt sind die Anforderungen an Azubis drastisch gestiegen. Viele Berufsbilder waren noch vor 30 Jahren recht abgeschlossen und überschaubar, heute verlangen sie umfangreiches Wissen über Mechanik, Elektronik, Software, die Bedienung komplexer Maschinen und so weiter. Menschen werden aber im Durchschnitt nicht intelligenter oder begabter. Wer über die Qualität von Azubis meckert muss auch sehen, dass heute von Azubis wesentlich mehr verlangt wird und das jemand, der vor 30 Jahren noch gut für einen Beruf geeignet war, heute weitgehend chancenlos ist.
Last but not least sind da noch die Zustände im deutschen Schulsystem allgemein. Aber das ist ein Fass, was am Besten gar nicht aufmacht. Schon alleine, da das Themengebiet bereits seit den 80er Jahren idiologisch zwischen konservativen und linken Positionen so vergiftet ist, dass kaum eine sinnvolle Diskussion mehr möglich ist.