Wenn ich das ganze Thema ganz nüchtern betrachte, dann kann ich nur feststellen, daß es ein Irrglaube ist zu meinen, daß die "Industrie", "Behörden" und dergleichen tatenlos zusehen, wie massenhaft Filme, MP3-files, Porno, Extremisten jeder Couleur, Steuerverkürzer, Produktpiraten, Softwarediebe, Cracker, kriminelle Banden etc. das Internet und Computer an sich bevölkern.
Soziologisch gesehen ist die IT eine sehr junge Erscheinung (ich meine PC+Internet, nicht Großrechner). Es gibt hier offensichtlich viele Felder, auf denen Mißbrauch betrieben wird. Keine Industrie bzw. kein Staat wird diese Mißstände dauerhaft dulden. Es werden also Gegenmaßnahmen ergriffen, TCPA (oder wie auch immer benannt) ist nur eine dieser Maßnahmen. Ob diese Maßnahmen angemessen und erfolgreich sind, das ist eine andere Frage. Wir haben noch kein Instrument in unserer Gesellschaft erreicht, welches die differierenden Ansichten austariert. Vergleichen wir einmal den Tabak- und Alkoholkonsum mit der relativ neuen Erscheinung von Opiaten seit Ende der sechziger Jahre. Es gab schon in den zwanziger Jahren Kokain und Heroinmißbrauch, problematisch wurde die Sache erst durch massenhafte Verbreitung im Zuge der Hippie-Bewegung. Bei Alkohol, Tabak etc. haben wir gesellschaftliche Normen entwickelt, bei Heroin und Co. noch nicht. In der IT sind wir noch wesentlich weiter davon entfernt.
Wir sind uns wohl alle einig, daß TCPA (um bei diesem Begriff zu bleiben), sowohl umgegangen als auch mißbraucht werden kann. Alan Turing läßt uns hier grüßen, diese Weisheit ist spätestens seit 1948 Allgemeingut. Ob die erhofften Ziele (Eindämmung von Computerkriminalität, weniger Raubkopien etc.) erreicht werden, hängt vom Aufwand ab, der für Verschlüsselung + Überwachung betrieben wird. Jede Maßnahme wird sowohl Kosten verursachen und die Dienstleistungen+Güter verteuern, was wiederum die Nachfrage bremst (bezahlen muß immer der Endverbraucher, und zwar die gesamte Wertschöpfungskette vorher). Damit konterkarriert sich z.B. jeder Unternehmer, der zuviel Aufwand betreibt. Er wird ihn senken müssen. Damit wird die Gefahr größer, daß die Maßnahme nicht den gewünschten Effekt erzielt.
Was tut also ein MI-Manager, Softwarekonzern-Boß etc.? Er wird versuchen mit möglichst wenig Aufwand die Masse der Nutzer abzuschrecken bzw. das Kopieren etc. für die Masse uninteressant zu machen. Eine andere Alternative wäre die Verbilligung z.B. von Musik bis auf eine Schwelle, an der ein Download nicht mehr interessant ist. Kann dies ein MI-Manager? Wenn ich einen Preis von 5,- Pro CD unterstelle, statt der heute üblichen 15,- Euro, dann muß ich dies eindeutg verneinen. Hätte der MI-Konzern nur einen Kostenanteil von sagen wir 2,- Euro/CD, dann wäre das möglich (man bedenke, daß der Vertrieb, Handel etc. auch noch Deckungsbeiträge aufschlagen müssen). Hat er aber nicht, will er pro CD nur 2,- Euro Gestehungskosten haben, dann müßte der Prozeß, wie Musik gemacht, produziert und vermarktet wird, radikal geändert werden. Es gäbe keine 100 Millionen-Verträge a la Madonna, Prince, Robbie Williams etc. mehr. Damit hat der Manager aber kein langfristig vermarktbares Produkt mehr. Was ist z.B. der momentane casting-hype betriebswirtschaftlich? Mit geringem Aufwand werden short seller (Eintagsfliegen) gebranded, die zwar wenig kosten, aber sehr schnell amortisiert sind. Nach kurzer Zeit muß ein neues Produkt (Sternchen) her. Das geht aber auch nicht auf Dauer; eine Marktsättigung tritt alsbald ein. Der long seller kann aber nicht aufgebaut werden, weil bei 2,- Euro/CD nicht genügend Deckungsbeitrag reinkommt. Damit lassen sich weder die Marketing-Etats bezahlen noch die Millionen-Gagen (inklusive Manager-Gehältern). Der Manager (so er einen IQ in relevanter Höhe besitzt) sieht sein Ende nahen, es geht um seine Existenzgrundlage.
Den "Tod" vor Augen initiiert man mit vielen "Leidensgenossen" TCPA. Man ist zu dumm und versemmelt das Marketing dafür, TCPA wird zum Unwort, schnell wird das Kind umgetauft und etwas entschärft. Man drückt TCPA überall durch, in wenigen Jahren sind TCPA-Chips in vielen Geräten (nicht nur Computer!!!!) enthalten. Meine Meinung: Mit dieser Realität werden wir uns anfreunden müssen. Wer bestimmte Musikstücke anhören möchte, der muß auf irgendeinem Wege dafür bezahlen. Geht der Umsatz zurück, weil man die Preise zu hoch wählt, dann geht der Umsatz in den Keller. Also senkt man ihn, es entsteht ein Gleichgewichtspreis (operations research und Spieltheorie lassen grüssen). Das der geek alle Maßnahmen mit Hilfe seiner Fähigkeiten und Freunde umgeht (siehe z.B. Premiere) ist nicht das Problem, man will die Masse der DAU's erwischen. Und die kriegt man. Es ist nur noch die Frage, was der Spass kostet und wieviel der Verbraucher bereit ist dafür auszugeben (inklusive der Kosten für die "Rechtesicherung"). Das bezeichnet man landläufig als "Preiselastizität des Käufers".
Eine ganz andere Sache ist natürlich die Frage der Sicherheit, sowohl im öffentlichen Sinne als auch gegen Cracker, script kiddies etc. Aber wie hoch die Leidensfähigkeit der Allgemeinheit in diesen Fragen ist, kann jeder selber estimieren. Es wird den einen oder anderen extrem herben Einschlag geben, in der Stromversorgung, Internet, Banken wo auch immer. Und nach dem Einschlag wird es Gegenmaßnahmen geben (wie auch immer). Das Spiel geht weiter und wir erleben die ewige Wiederkehr des Gleichen (um mal auf Nietzsche anzuspielen). Keine öffentliche Agitation im Internet, Foren, Medien etc. wird dies aufhalten. Denn Informationen (elektronisch oder nicht) sind wertfrei. Und wie ein Nietzsche schon sagte: "Noch hundert Jahre Bildung, und selbst der Geist wird stinken".
Nicht das jetzt einer denkt, ich sei resigniert oder fatalistisch, nur mein Wort zum Donnerstag.

Entschuldigt bitte den überlangen Beitrag, ich mußte etwas weiter ausholen, eine aphoristische Vorgehensweise wäre imho zu mißverständlich.
Grüße, Daniel