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Dokumentation aus dem Jahre 2007, aktuell wie noch nie: The Great Global Warming Swindle

#76
Ansonsten denke ich, man kann als Privatmensch nur im eigenen Einflußrahmen versuchen, die Zusammenhänge, die man erkennt, zu optimieren. Dazu braucht es aber mehr Bewusstheit zur Selbstverantwortung. Demonstrieren zu gehen und nach dem Staat zu rufen zielt in eine andere Richtung: hin zu mehr staatlicher Einflußnahme und Reglementierung, was nunmal das Gegenteil von Selbstverantwortung ist.
Selbstverantwortung genauso wie die Selbstverpflichtung funktionieren nicht. Das kannst Du dir jeden Tag auf der Autobahn ansehen.
Nur der vernünftig denkende Mensch, der sich täglich Wissen aneignet - dazu benötigt man kein Hochschulstudium! - wird seinen Lebensstil so verändern, dass sein Umwelt-Fußabdruck möglichst klein ist und bleiben wird.

Um die Ignoranten aus Bürgertum und Wirtschaft zu erreichen, braucht es Eingriffe eines starken Staates und was geschehen muss, liegt auch schon seit Jahr(zehnt)en auf dem Tisch.
Während meines Meteorologiestudiums wurden in diversen Seminaren Konzepte entworfen und bewertet und das ist jetzt bald 30 Jahre her. Wir kamen damals zu dem Ergebnis, dass nur der Staat die durch die Verfassung abgedeckten Möglichkeiten hat, steuernd und sanktionierend in Sachen Klima- und Umweltschutz einzugreifen. Diese Ergebnisse waren nicht irgendwelchen zeitgeistlichen Hirngespinsten geschuldet.
Aber leider haben und hatten wir nie einen starken Staat. Es wurden von staatlicher Seite immer nur die Interessen des Konsums und der Produktion vertreten. Das sieht man am aktuellen "Klimapaket" der jetzigen Regierung: keine wirklichen Sanktionen. Jeder darf so weiter machen, wie bisher. Treibstoffe werden nicht teurer, Dieselprivileg bleibt erhalten, Güterverkehr kommt nicht auf die Schiene.
Ach ja, ein schönes Beispiel für einen starken Staat, war die Zwangseinführung des Katalysators.

Schönen Abend noch
 

Jeff

Well-Known Member
#77
So, um nun auch noch etwas zum Thema zu sagen:
mir geht die derzeitige Hysterie auch ziemlich auf die Nerven. Man kann das Radio/Fernsehen nicht mehr anschalten ohne von Klimawandel "belästigt" zu werden. Genau die gleiche Situation wie damals bei der sog. "Flüchtlingskrise": alle schreien nur. Was soll man nicht alles aufgeben! Und natürlich zuerst das Fliegen! Ja, das muss teuer werden! Da ist der Schuldige! Lasst uns zuerst das Reisen einstellen, lasst Askese einkehren! Aber... nennt mich egoistisch... darauf habe ich keine Lust. Ich finde unser modernes Leben ziemlich cool - aber wie immer gibt es Raum für Verbesserungen.

Die Lösung für den Klimawandel und geringeren CO2-Ausstoß heißt zu 80% schlicht: Energiewende. Das ist ein Programm, was in meinen Augen zwar die CDU unnötig verzögert, welches aber trotzdem seit lange vor Greta voranschreitet. Es ist ein schlichtes politisch-technisches Problem was es zu lösen gilt. Und in meinen Augen wird dadurch die Welt besser, schöner, reicher als jetzt: Städte werden dank Elektroautos (und von mir aus mehr E-Zügen)ruhiger, sauberer, gesünder. Häuser werden dank besserer Dämmung und Wärmepumpen behaglicher. Strom wird in Zukunft nicht mehr durch Kohle und Atom erzeugt, sondern von Wind, Solar und Wasserstoff (der nichts anderes als gespeichertes Sonnenlich ist). Diese zukünftige Welt nach der Energiewende ist nicht asketisch, sie ist reicher, schöner und erstrebenswerter als das, was wir jetzt haben. Und auch wenn derzeit wieder Kapitalismuskritik en vogue ist: es wird der Kapitalismus und die freie (soziale) Marktwirtschaft sein, die dank deutlich effizienterer Technik in den nächsten Jahren den ökologischen Umbau vollziehen - auf der Spur gehalten von guten politischen Leitplanken. Nicht Nordkorea hat das E-Auto in die Breite gebracht - Musk war es. Die Energiewende - wie bisher geplant - soll bis 2050 vollzogen sein. Das ist weit weniger dramatisch als ein Ziel wie "2025" oder "2038". Wir können das schaffen - in allem Komfort. Und dieser Zeitrahmen sorgt auch dafür, dass man die gesamte Bevölkerung mitnehmen kann. Es nützt niemandem, ein knallhartes Ökoprogramm durchzuziehen nur mit dem Effekt, dass dann zB Rechtsextreme an die Macht kommen und einfach alles zurückdrehen. Auch Tendenzen mancher, lieber auf Freiheit zu verzichten zu wollen um ökologische Programme flotter durchsetzen zu können, halte ich für Unfug.

Wir sind eine gewachsene Industrienation. Diese auf nur noch sehr wenig CO2-Produktion umzustellen, dauert eine Weile. Und um den gesellschaftlichen Frieden zu verteidigen, sollten wir uns die Zeit nehmen.
Wir müssen vor allem das Marketing ändern! Greta ist einfach für die Mehrheit der Menschen sehr schlechtes Marketing. Man kann zwar sagen, dass dank ihr die Menschen noch mehr über Klimawandel reden. Aber "I want you to panic" hilft halt nicht. Ich will keine Panik. Ich will einen Plan, ein Ziel und machbare, inkrementelle Maßnahmen.
Selbst Menschen, denen CO2 vollkommen schnuppe ist, kann man doch fast zu 100% verkaufen, wie schön es ohne CO2-Ausstoß wird: coolere Autos, mehr Öffis, gesünderes Essen, ungefährlichen Strom, die Immobilien an Hauptverkehrsstraßen werden mehr wert wegen der zukünftigen Ruhe und Qualmfreiheit, die Industrie bekommt günstiger Energie, die Häuser werden behaglicher und besser, Babies werden (hoffentlich, meine spontane idee) mit weniger Allergien und Defekten geboren, man kann ohne schlechtes Gewissen auch nachts das Licht anlassen (ok, muss man halt für zahlen, aber wem es gefällt...), das Waldsterben geht zurück, Flugzeuge werden sicherer (ich bin Privatpilot und Gott was freue ich mich auf den Tag wo ich elektrisch fliegen darf und diese hässlichen, lauten, unzuverlässigen Kolbenkisten nicht mehr fliegen muss - ich fliege weil ich das Fliegen liebe, nicht das Gerumpel) etcetcetc.... Panik macht keinen Spaß. Positives Denken schon. Mich begeistert die Energiewende. Wir brauchen keine Panik. Nur die Energiewende. Und fast alles wird gut.

Sofortmaßnahmen die man machen kann ohne irgendetwas außer Geld zu opfern:
1.) Zu Ökostrom wechseln (kostet praktisch gar nichts)
2.) Elektrisch fahren (es gibt jetzt auch wirklich bezahlbare Kleinwagen von VW/Skoda/Seat, aber elektrisch fahren tut natürlich auch jeder der überwiegend die S-Bahn nimmt)
3.) Soweit man das bestimmen kann, daheim eine Wärmepumpe einbauen, mindestens aber Erdgas nutzen und kein Erdöl. Wenn man Erdgas hat, kann man auf "Windgas" wechseln.
4.) Höherwertige Produkte kaufen. So halten meiner zB Erfahrung nach manche bewußt gekaufte "Markenklamotten" einfach ein paar Jahre länger durch. Auch mein Thinkpad verlangt keinen baldigen Austausch (im Gegensatz zum billigen Vorgänger von Samsung, welches nach 3 Jahren "fertig" war).

Wenn jeder diese 4 Schritte tun würde, wäre der Ausstoß von CO2 schon fast 75% gesenkt - und man könnte immer noch auf Kreuzfahrt gehen (und selbst diese Branche wandelt sich derzeit).

Sehr zu empfehlen übrigens:
https://www.amazon.de/Energiewende-verstehen-Zukunft-Autoverkehr-Strompreisen/dp/3662577860
Liest man an 1-2 Abenden und hat danach für Alles Zahlen im Kopf. Hilft auch, wenn man mal mit Dinosauriern diskutieren muss.
 

TCM

Well-Known Member
#78

TCM

Well-Known Member
#80
Dann ergibt der Satz "... have become ingrained in all of us, taught to us from a very young age. " aber überhaupt keinen Sinn.

Natürlich erachtet er die genannten Dinge als real und "in uns allen verwurzelt". Nur dass er dahinter noch einen "realeren" Grund in irgendwelchem Kolonialismus sieht. Weil es ja unsere Schuld ist, dass Afrika ständig Entwicklungshilfe verschlingt, ohne sich zu entwickeln.

Er hier wird's wohl auch so verstanden haben, und das als Muttersprachler.

Edit: Und noch ein Erklärungsversuch von mir: Mit delusion meint er nicht, dass es einen Wahn um diese Dinge gäbe, und es die Dinge in Wirklichkeit gar nicht gibt, sondern genau andersrum, dass wir alle diese Dinge so verinnerlicht haben und als kollektiven "Wahn" ausleben, dass es Leute wie ihn braucht, um uns davon zu befreien.
 

mr44er

moderater Moderator
Mitarbeiter
#81
Also ohne mich jetzt genau zu versteifen, was gemeint sein könnte etc., interpretiere ich es so, dass er mault, dass Menschen ab Geburt Dinge manipulativ eingetrichtert werden und alle machen mit, weil auch die Eltern schon 'programmiert' worden sind. Die Unterteilung dieser Dinge in gut/schlecht wird gar nicht hinterfragt - und nur das wird, von meinem Verständnis her, angeprangert. Es wird genau gar nichts hinterfragt. Dass er sich als der notwendige Befreier darstellt, lässt mich dann aber schon wieder müde lächeln. Nichts ist widerlicher als dummer Herdentrieb.

Mir ging es in erster Linie drum, dass man deinen vorletzten Beitrag nicht falsch versteht und er ist leider ungeschickt formuliert. Kann mich aber auch irren, bei dir war es sehr spät und bei mir früh.
 

PMc

Well-Known Member
#82
Bei etwa jedem zweitem Satz rege ich mich auf und möchte Einspruch! rufen, so stimmt das nicht, so ist das nicht, man muss das anders sehen!
Und bei jedem gefühlten dritten Satz denke ich: Ganz genau, so ist das, da hat er Recht, das muss doch so gesehen werden!
Na, ich hoffe, ich hab Dich damit nicht über gebühr "getriggert". ;)

Du beschreibst eigentlich die normale Reaktion, wenn man über Dinge nachdenkt. Was ich schreibe, muss durchaus nicht richtig sein: es ist nur das, was mir beim Nachdenken auffällt. Und darüber könnte man dann weiter nachdenken, um mehr zu verstehen. Das tut man aber nicht, und den -leider sehr verbreiteten, da bist Du keineswegs allein- Grund dafür nennst Du auch:

Leider keine Zeit und Muße, genauer hin zu sehen.
Wenn man aber keine Zeit mehr hat, die Dinge zuende zu denken, dann muss man das, was gesagt wird, so stehenlassen wie es ist. Und dann darf man nur noch das sagen, was eh akzeptiert wird - denn anderenfalls fühlen die Leute sich provoziert oder mißachtet oder "getriggert" oder whatever.
Das ist wie in einem Krankenhaus, wo man Sorge haben muss, dass die Patienten durch das Gesagte nicht zusätzlich belastet werden. Nur dass es hier die Bürger sind, die die Patientenrolle einnehmen.
Patienten müssen nicht viel nachdenken, denn das tut der Arzt für sie. Und vielleicht sollen ja die Bürger auch nicht viel nachdenken, sondern einfach das machen, was der Arzt (die Regierenden) sagt.

Aber wie passt das dann zur Idee von "mündigen Bürgern"? Ich finde das eigentlich schwerwiegender als den Klimaschutz an sich - denn was nützen uns Aktionen, wenn sie schlecht durchdacht sind?

Früher hatte ich einen eigenen kleinen "Thinktank" - das waren ein paar Leute aus unterschiedlichen Professionen, alle neugierig und interessiert an allem möglichen, die sich einmal in der Woche bei mir getroffen haben - gemeinsam war uns, dass wir alle irgendwie Unix-Rechner hatten, aber da wurde dann alles mögliche diskutiert, und es kam erstaunlich viel brauchbares heraus (und auch viel verrücktes). Hat Spass gemacht.
 

PMc

Well-Known Member
#83
Selbstverantwortung genauso wie die Selbstverpflichtung funktionieren nicht. Das kannst Du dir jeden Tag auf der Autobahn ansehen.
Nur der vernünftig denkende Mensch, der sich täglich Wissen aneignet - dazu benötigt man kein Hochschulstudium! - wird seinen Lebensstil so verändern, dass sein Umwelt-Fußabdruck möglichst klein ist und bleiben wird.
Tja, ich hab kein Auto und komme daher nie auf die Autobahn. Schlechtes Beispiel. ;)

Aber das hier widerspricht grundlegend meinem Menschenbild: ich sehe den Menschen als "homo sapiens", als eben das vernünftig denkende Wesen. Das ist für mich nicht nur unstrittig, sondern das herausragende Evolutionsmerkmal.

Um die Ignoranten aus Bürgertum und Wirtschaft zu erreichen, braucht es Eingriffe eines starken Staates und was geschehen muss, liegt auch schon seit Jahr(zehnt)en auf dem Tisch.
Wenn man einen starken Staat will, der den Bürgern diktiert was sie zu machen haben, dann werden die Bürger zu Befehlsempfängern, die nicht mehr ihre eigene wache, kritische Intelligenz nutzen, sondern Vorgegebenes zu erfüllen haben.
Wozu braucht es diese Menschen dann noch, wenn sie nicht mehr selber denken sollen?

Jeder darf so weiter machen, wie bisher.
(Beinahe) jeder WILL so weitermachen wie bisher.

@pit234a hat das Schlüsselwort dafür eingeworfen: Dekadenz. Das betrifft nicht nur SUVs, sondern ist m.E. der Knackpunkt für die ganze Situation: man hat sich über 30, 40, 50 Jahre in einem gutlaufenden System eingerichtet, und will nur, dass das schön so weiterläuft, ohne dass es Stress gibt. Und als Feigenblatt, damit das nicht allzu beschämend aussieht, schiebt man eine menge Moralphilosophie vor (an die man sich dann meist selber nicht hält).
Man will keine Unbequemlichkeit, keinen Widerspruch, keine konstruktive Opposition, durch die man besser werden könnte. Das funktioniert so aber nicht, d.h. man kriegt in der folge eine Opposition, die man schwerlich für konstruktive Anregungen brauchen kann, und dazuhin noch allerlei Extremisten.

Dazu kommt noch, dass durch die IT (die ich für eine größere Umwälzung halte als seinerzeit die Industrialisierung) viele Leute (inclusive der Politik) gar nicht mehr blicken was eigentlich läuft.

Wir sind eine gewachsene Industrienation.
Ja, mit der Betonung auf "gewachsen". Gewachsen in den Nachkriegsjahren, als der mit viel Elan betriebene Wiederaufbau und die herausragende deutsche Ingenieurarbeit letztlich zu dem führte, wofür "Made in Germany" stand.

Daher ist es mehr als passend, wenn Du Elon Musk nennst: der verkörpert geradezu idealtypisch diesen Elan. (Manche denken ja, er sei der "man who fell to earth" und will einfach nur nach hause fliegen, und baut nur deshalb E-Autos, um den Sprit für die Raketen aufzusparen ;) ). Aber E.Musk ist auch ein Paradebeispiel dafür, dass die Dinge eben nicht durch staatliche Regulierung, sondern von enthusiastischen Individuen vorangebracht werden!

Aber dann, wo findet sich solcher Elan, solche Schaffenskraft noch hierzulande?

Es gab da einen Bruch, den mich selber sehr betroffen hat, den ich aber leider kaum irgendwo diskutiert sehe: mit dem Aufkommen der Umweltaktivisten wurde der Ingenieur als Teil des Problems aufgefasst, als (mit)verantwortlich für die Umweltzerstörung, als jemand "böses".
(Es gibt da sogar einen Popsong von Gary Numan: "all they know is hate and machinery, they're engineers" - klar ambivalent gemeint, aber doch eine Idee ausdrückend). Und auch die IT wurde von denen, die sich für soziale Belange engagierten, lange zeit als nur negativ betrachtet, siehe zB "Jobkiller Computer". Das änderte sich erst etwa 1995, als man bei den Initiativen anfing, selber Computer zu nutzen und das nützlich fand.

Die ethische Attraktivität von Ingenieurberufen, oder überhaupt technischen Berufen, stand damit in Zweifel, und stattdessen waren soziale Berufe wie Lehramt und Therapeut attraktiv. Dazu kamen vermehrt Berichte von "Aussteigern", die im Rahmen ihrer Selbstfindung der Wirtschaft den Rücken kehrten und lieber etwas mehr natur- und menschenbezogenes machen wollten (wenn man im Netz nach Selbsterfahrungskursen sucht, findet man viele "Coaches", die früher in der technischen Industrie waren). Der "Ingenieurmangel" ließ dann auch nicht lang auf sich warten - und heute sind wir nicht mehr weltweit führend in der Technologie, sondern weltweit führend in der Moralwissenschaft.

Woran merkt man den Unterschied: eine technophile Kultur würde wohl genau in die Richtung gehen, die Du in Deinem Post beschreibst: interessante technische Lösungen, die die Umwelt schonen und die Lebensqualität beibehalten und sogar erhöhen. Eine moralwissenschaftliche Kultur gewährt stattdessen Chaoten und Protestlern die maximale Freiheit beim Lahmlegen der Infrastruktur, und applaudiert ihnen dabei.
 

PMc

Well-Known Member
#84
https://medium.com/@plaosmos/extinction-rebellion-isnt-about-the-climate-42a0a73d9d49

Im Fahrwasser der Klima"krise" kommen dann gleich wieder die SJW-Spasten angekrochen und erzählen vom Pferd. Der Artikel ist von einem Mitgründer von "Extinction Rebellion". Viel Spaß.
Danke. Der Typ ist im Wesentlichen ein Webdesigner mit Philosophiestudium.
Und die Umweltschützer gehören doch schon lang zusammen mit den SJW und sind fast deckungsgleich.

Das Prinzip scheint immer so zu gehen: man nimmt etwas, wo man breite Zustimmung findet, zB "wir müssen das Klima retten", oder auch "wir wollen, dass Männer und Frauen für die gleiche Arbeit gleich bezahlt werden" - denn da wird kaum jemand dagegen sein.
Dann fällt aber auf, dass die Akteure sich kaum für konkrete, konstruktive Lösungen interessieren (und schon gar nicht bei sich selber anfangen wollen), sondern es kommt dann gleich hinterdrein: ja, vor allem wollen wir die Gesellschaft umstürzen.

Das kann man so aber nicht laut sagen, weil da kaum jemand einverstanden wäre; stattdessen heisst es dann: diese Gesellschaft ist inhärent (also aus sich selbst heraus, automatisch und unbewusst) rassistisch, sexistisch und faschistisch, und das muss geändert werden:
TL;DR: "white-supremacy", "patriarchy", "hetero-sexism/heteronormativity".
Das ist nix neues - das ist hier in dem Artikel nur in gewohnter Manier neu aufgewärmt, und das erzählen die Marxisten schon seit 50 oder 100 Jahren.
Eine konkrete idee, wie sie das praktisch ändern wollen, haben sie aber nicht. Ich hab das in Initiativen miterlebt, da wurde zuweilen ganz unverblümt erklärt: wir wollen gar keine Lösungen finden, denn wir sehen unsere Aufgabe im Kritisieren. Klar, das kann man im Philosophieseminar so machen, da muss man ja sonst nichts erreichen.
Das schlimme ist, dass mit diesen altbekannten marxistischen Thesen jetzt wieder die Jugend verführt wird, wobei in der Vergangenheit, wenn immer man die Marxisten hat gewähren lassen, sie im wesentlichen nur sozialistische Diktaturen geschaffen und zuweilen Millionen von Menschen ermordet haben - also genau das gemacht, was dieser Basden den Europäern vorwirft: cruelty and violence.

Bei der Extinction Rebellion kommt nun aber noch etwas neues hinzu, und das macht mir Sorgen. Und zwar eine apokaplyptische Dimension: da scheint man zu erzählen, dass wir alle jetzt aussterben und dass wir die letzte lebende Menschengeneration sind.
Auch wenn das eine Weltuntergangsgeschichte ist, wie sie seit langem in allen möglichen Sekten auftauchen, mögen sie damit nicht so ganz unrecht haben; nur scheinen sie die Zusammenhänge zu verkennen indem sie auf ihren traditionellen Thesen beharren. Ich sehe durchaus eine Gefahr, aber nicht durch das Klima, sondern durch den akuten Zerfall der Gesellschaft (zu dem diese Initiativen zusätzlich beitragen).
Neulich ging eine Notiz durch die Presse, dass das Technische HilfsWerk (weiß nimmer wo) sich auf Kriege in Europa vorbereitet. Das werden sie nicht ganz grundlos tun, und auf so eine Idee kommt ja nicht einfach eine THW-Ortsgruppe aus eigener politischer Erkenntnis.
 
#85
Verbote sollten m.E. immer die letzte Lösung sein. Aber oftmals bewegen sich die Verantwortlichen einfach nicht, lösen das Problem nicht anders und am Ende bleiben Verbote als einzige Möglichkeit übrig, um das Problem zu lösen.

Ein sehr gutes Beispiel ist die Schadstoffbelastung der Luft, vor allem in Städten. Vor etlichen Jahren schon haben die von uns gewählten Abgeoordneten im Europäischen Parlament Grenzwerte festgelegt, damit jeder Bürger einigermaßen saubere Luft atmen kann. Sie haben dabei keine Lösung festgelegt: Nach dem Subsidiaritätsprinzip sollte jedes Land selbst festlegen können, wie es dafür sorgen kann, dass die Grenzwerte eingehalten werden.

Das hätte die Stunde der Autoindustrie sein können: Sie hätten z.B. den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor einstellen können. Sie hätten Car-Sharing forcieren können. Sie hätten Abgaswerte senken können anstatt zu betrügen. Haben sie nicht gemacht. Also hätte die (Bundes-)Politik rangemusst. Sie hätten die Abgaswerte der Autos mal realistisch kontrollieren können. Sie hätten Benzin und vor allem Diesel viel teurer machen können. Sie hätten die Pendlerpauschale reduzieren können usw. Haben sie aber nicht getan. Dann hätten die kommunalen Politiker etwas tun müssen. Aber auch die wollten sich nicht wirklich mit dem Problem beschäftigen.

Und dann haben am Ende immer mehr Richter entschieden und Fahrverbote angeordnet. Sie haben sich die Situation angeschaut und abgewogen, ob die Kommunen etwas unternehmen könnten, dass einen geringeren Eingriff bedeutet hätte, um die von unseren Volksvertretern in Brüssel zu unserem Schutze festgelegten Grenzwerte einzuhalten. Und immer mehr Richter kamen zu dem Schluss: Nein, am Ende der Verantwortungskette können die Kommunen nicht viel machen, um die Einhaltung der Grenzwerte durchzusetzen. Sie müssen Fahrverbote für bestimmte Straßen und Fahrzeugtypen erlassen.

Und ich prophezeie: Dasselbe wird mit Treibhausgas-Obergrenzen passieren! Unsere Abgeordneten werden Obergrenzen definieren, die Industrie wird das mal wieder soweit es geht ignorieren und dann müssen Politiker oder Richter harte Maßnahmen durchsetzen.

Und wenn jetzt viele Politiker rufen, dass es doch nicht sozial sei, wenn Preise steigen, dann muss man sich mal die Alternative überlegen: Dann müssen eben z.B. die Zahl der Starts und Landungen in Deutschland hart gedeckelt werden. Wer dann die Preisbildung bei einem reduzierten Angebot nicht dem Markt überlassen will, muss noch etwas weiter in die Planwirtschaft reingehen: Dann bekommt jeder Bürger vielleicht Berechtigungsscheine für 200km Flug pro Jahr. Wenn er eine Fernreise machen will, muss er halt einige Jahre "sparen". Er kann auch seine Berechtigungen an einem Markt verkaufen... womit wir aber wieder bei der sozialen Frage wären. Einige könnten sich das leisten andere nicht. Ja ja, ich weiß: Natürlich würde das nicht funktioneren, weil die Leute einfach nach Paris oder Amsterdam reisen würden und von dort dann ihre Fernreise antreten...

Unterm Strich muss aber klar sein: Entweder die Flugindustrie wird (weitestgehend) klimaneutral. Oder die Zahl der Flüge muss deutlich abnehmen. Ich sehe in erster Linie die Industrie am Drücker, wenn sie letzteres nicht haben will.
 
#86
Verbote sollten m.E. immer die letzte Lösung sein. Aber oftmals bewegen sich die Verantwortlichen einfach nicht, lösen das Problem nicht anders und am Ende bleiben Verbote als einzige Möglichkeit übrig, um das Problem zu lösen.
Nun ja, seit Jahr(zehnt)en zeigt sich doch immer das gleiche Spiel: es werden mit den Verursachern irgendwelche Dinge ausgehandelt und die Verursacher ändern ihr Handeln in keinster Weise. Dafür hat die Politik den schönen Begriff "Selbstverpflichtungserklärung" erfunden. Deswegen bin ich für Verbote JETZT und ohne lange Diskussionen. Die Zeit für Diskussionen haben wir nicht mehr.

Auch wenn die Industrie herumblökt, dass Umweltauflagen Arbeitsplätze kosten werden und diese ins Ausland abwandern werden, würde ich Verbot trotzdem JETZT durchsetzen. Sollen sie ihre Produkte doch im Ausland produzieren. Dann werden halt bei der Einfuhr Umweltabgaben fällig, was sich mit gutem Willen durchsetzen läßt!

Und dann haben am Ende immer mehr Richter entschieden und Fahrverbote angeordnet.
Was auch gut und richtig ist. Dafür haben wir Gesetze, dass sie durchgesetzt werden und nicht nur Buchdeckel füllen.
Hier zeigt sich übrigens die Doppelzüngigkeit der Grünen, die im Ländlewunderbar zu beobachten ist :D

Unterm Strich muss aber klar sein: Entweder die Flugindustrie wird (weitestgehend) klimaneutral. Oder die Zahl der Flüge muss deutlich abnehmen. Ich sehe in erster Linie die Industrie am Drücker, wenn sie letzteres nicht haben will.
Ich persönlich sehe nicht nur die beiden Bereiche in der Pflicht, sondern wir alle stehen in der Bringschuld.

Heuer haben meine Familie und ich eine wunderbare Bergtour am Alpenhauptkamm unternommen. Es ist erschreckend wie stark die Gletscher zurückgegangen sind. Mit meiner Lebensgefährtin hatte ich die Tour vor etwa 25 Jahren schon einmal unternommen. Damals mussten wir einen Umweg gehen, weil der Weg über den heute nicht mehr vorhandenen Gletscher wegen der Spalten zu gefährlich war.
 

pit234a

Well-Known Member
#87
Wollte ich das nun ordentlich beantworten, würde mir das noch mehr Mühe machen.
Wenn ich oben irgendwo mal sagte, dass mir Zeit fehlt, dann möchte ich das etwas verdeutlichen: mir fehlt genauso wenig Zeit, wie irgendjemand Anderem. Wenn ich aber Zeit hier im Forum verbringe und an Diskussionen wie dieser mitwirke, dann fehlt mir diese Zeit, um "die Welt zu retten", oder den Teil meiner Welt, der noch übrig ist.
Ich bezeichne mich selbst immer wieder gerne als "Umwelt-Aktivist". Damit meine ich aber nicht, dass ich Freitags demonstrieren gehe. Neben meinem Beruf betreibe ich sehr bescheiden Landwirtschaft und Forstwirtschaft, gehe zur Jagd und genieße meine Freizeit am liebsten zu Hause, im Revier und nicht irgendwo in der Welt. Deshalb erlebe ich Klimawandel und Artenschwund direkt und muss nicht erst darüber lesen. Was wiederum im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass ich nicht darüber lese.
Und wie man so schön sagt: Lesen bildet, jedenfalls manchmal.

Womit wir bei einem der großen Probleme unserer Gesellschaft ankommen: Bildung.
Ich erinnere noch sehr gut die damaligen "Elefanten-Runden", als die Spitzen der Parteien im Fernsehstudio aufeinander trafen (zumindest wir hatten damals noch Schwarz-Weiß und ich habe diese Bilder nur so in Erinnerung, als hätten die Akteure gar keine Farbe gehabt, als seien es keine wirklichen Menschen, sondern eine Art Symbol gewesen, ein Avatar). Da saßen Brandt, manchmal auch schon Schmidt oder noch Wehner und dann Strauß, Barzel, Kohl und Scheel oder Genscher. Alle belächelten den Vorschlag der damaligen SPD, "Abitur für alle" zu ermöglichen. Manchmal ziemlich laut und außer Brandt war nach meinem Eindruck niemand von der Idee überzeugt, über mehr Bildung einen "mündigeren" Bürger zu bekommen, der seine Geschicke und die unserer Gesellschaft selbst in die Hand nehmen kann. Um das klar zu sagen: damals war ich CDU-geprägt und konnte Brandt nicht gut ertragen. Im Nachhinein wirkt sein Satz, dass wir mehr Demokratie wagen wollen und dass wir unsere Umwelt nicht vernachlässigen dürfen jedoch deutlich in mir.
Damals wurden die Weichen gestellt, keine mündigen Bürger zu bilden, sondern die Ausbildung an den Bedürfnissen der Industrie zu orientieren.
Und obwohl Merkel als Bildungsministerin deutlich positive Akzente setzte, erinnere ich mich auch an ihren Satz als damals noch frische Kanzlerin, dass der Niedriglöhne-Sektor gestärkt werden müsse.
Und damit wurden die Weichen für den Niedergang des "Deutschen Ingenieurwesens" gestellt.
Das Siechtum haben doch nicht wir Umwelt-Aktivisten oder irgendwelche Musiker herbeigeführt!
Im Gegenteil. Ich bin absoluter Befürworter der Wissenschaft und Ingenieurskunst!
Alleine: unsere Gesellschaft möchte das nicht mehr! Wir bewegen uns weg von Bildung und alle Versuche, der ersten Pisa-Blamage zu entkommen, versanden halbherzig. Freie Wissenschaft finanzieren wir nicht mehr, das sollen gefälligst Unternehmen erledigen, die einen Nutzen davon haben und dann spitzt sich das auf Typen wie Musk zu. In meinen Augen schrecklich und furchtbar. Sollen das die neuen Herrscher der Welt werden, weil Wissen ist Macht und Geld ist Mach und die haben eben diese Macht.
"Musk for President!" ???
Oh Gott. (Ich bin nicht religiös, aber wen kann ich da sonst noch anrufen?)

Aber, der Niedergang des "Deutschen Ingenieurwesens" ist nicht alleine diesen Entscheidungen gegen mehr Freie Bildung und Forschung geschuldet, sondern einem Weltweiten Trend, der sich allerdings in den letzten 20 Jahren immer dramatischer verstärkt hat. Wir brauchen keine genialen oder wenigstens guten Ingenieure mehr. Wir fertigen alles auf Zuruf und lassen kleine und billige Asiaten die Produkte entwickeln. Die nutzen dafür das vorhandene Wissen, das gut archiviert ist und in nicht ferner Zukunft werden gar keine Menschen mehr an diesen Prozessen beteiligt sein. Man braucht keine Ingenieure mehr und schon gar keine Deutschen Ingenieure.
Die Welt hat sich gewandelt.
Ich bedauere dies, vor allem die Konsequenzen daraus und befürworte dramatische Maßnahmen zur Steigerung der Bildung, Forschung und Wissenschaft, unabhängig von den Bedürfnissen der Wirtschaft und Industrie und nicht immer nur zu deren direktem Vorteil. Wir müssen wieder Wissen schaffen, weil Menschen einfach wissen wollen und nicht, weil jemand Geld aus Wissen machen möchte.

Solche Maßnahmen brauchen aber einen Handlungsfähigen, einen starken Staat.
Einen Staat, der stärker ist, als die derzeit herrschende Wirtschaft.
Ein super gutes Brutto-Sozial-Produkt ermöglicht uns günstige Kredite. Wieso um alles in der Welt muss sich ein Staat Geld bei privaten Investoren beschaffen?
Die alten Modelle, gewachsene Industrie-Nation und so, müssen hinterfragt und überprüft werden und ich sehe keinen anderen Weg, als neue Pfade zu begehen. Eine starke Wirtschaft zu haben, wird nur noch begrenzte Zeit einen Vorteil darstellen und schon jetzt ist deutlich, dass die Einkommensverteilung extrem ungerecht ist. Davon abgesehen, dass Reiche nicht in den Himmel kommen, sind sie eine der größten Gefahren für jede Demokratie und alleine deshalb muss Reichtum aus meiner Sicht begrenzt werden.
In der Französischen Revolution, die schließlich irgendwie der Ursprung aller Demokratien gewesen ist, wurde Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit postuliert und ich hänge diesem Gedanken an. Wenn weniger als zehn Prozent Mitbürger, mehr als 90% des Vermögens besitzen dürfen, ja, wo ist denn da noch Gleichheit?
Genau darauf muss ein Staat doch achten, und nicht darauf, dass es den zehn Prozent immer besser geht und die notwendigen Entscheidungen deren Profitgier nicht gefährdet.

Nein, bisher wagen wir nicht mehr Demokratie und wir haben immer noch nicht begriffen, dass wir erst überleben müssen, wenn wir Luxus genießen wollen und wir sind biologische Einheiten, wir brauchen Biologie, wir brauchen intakte und funktionierende Ökosysteme viel dringender, als gute Börsenkurse.
Wir leben in einem Gottgesegneten Land, wo Milch und Honig fließen.
Wir mussten uns seit der Umstellung auf nicht-biologische Landwirtschaft in den Jahren nach dem letzten Weltkrieg keine Gedanken mehr ums Überleben machen. Uns ging es seither gut. Fruchtbare Böden in verträglichem oder gar guten Klima und was fehlt, wird durch Dünger und Pestizide korrigiert.
Das ist eine sehr gute Basis für unseren Vorsprung gegenüber anderen Teilen der Welt, wo die Voraussetzungen deutlich schlechter sind. Deshalb sind wir vorne!
Nicht, weil wir so viel mehr arbeiten und so viel besser ausgebildet sind!

Nun sagen uns aber unabhängige Wissenschaftler, dass diese rosigen Zeiten für uns vorbei gehen werden, wenn wir unsere Umwelt derart dramatisch weiter überfordern.
Wenn wir nun nicht die Alarmsignale hören wollen und statt dessen so tun, als könne die Rückkehr zur D-Mark und das Begrenzen der Märkte alle Probleme lösen, zeigen wir nur unsere gesellschaftliche Dummheit.
Ich meine, welche Nachricht ist wohl wichtiger (fiktiv):

- Siemens hat sich verzockt und die Investitionen in Fracking bringen einen dramatischen Kursverlust der Aktie
- das Weltweite Artensterben schreitet fort, mehr als 200 Arten sterben täglich aus

Welche ist bedeutsamer für unser Leben?
Bisher ist der Kurs der Siemens-Aktie für uns wichtiger und das ist logisch, weil viele Arbeitsplätze daran hängen, unser Wohlstand und das Bestehen unserer Gesellschaft.
Genau das müssen wir ändern, wenn wir überleben wollen!
Denn natürlich ist sehr sehr sehr viel wichtiger, dass wir die Grundlagen unseres Lebens auf diesem Planeten vernichten und keine Alternative dazu haben.

Klimawandel und wie und ob, das ist doch nur ein kleiner Aspekt dieser Geschichte.
 

Th0min4tor

OS-Wechselwähler
#88
Zum Eingangsvideo: Diese Pseudo-Einwände sind längst widerlegt, wurden von solchen Thinktanks wie dem Heartland Institute (und dessen europäischem Ableger EIKE) seit Jahrzehnten - finanziert von Big Oil - verbreitet (siehe auch https://exxonknew.org/). Die Gegenargumente findet man auf Englisch hier: https://skepticalscience.com/argument.php und auf Deutsch hier: https://www.klimafakten.de/ Im Gegensatz zu dem hochgradig unseriösen und beleglosen YouTube-Video sind die Gegenargumente gespickt mit jeder Menge Quellenangaben aus der wissenschaftlichen Fachliteratur.

Weitere gute Quellen zum Thema:

Einführend
Ausführlich
Energiewende
Über Klimaleugner
 
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